Deutscher Gewerkschaftsbund

Students at work

Ran an die Hochschulen: Students at work, das Projekt der DGB-Jugend

Es war einmal… Die Idee, dass Hochschulen in erster Linie ein Ort individueller Bildung oder wissenschaftlichen Forschens in gesellschaftlicher Verantwortung sein sollten.

Heute werden sie immer stärker als Teil einer mehr oder weniger gewöhnlichen berufsbefähigenden Ausbildung wahr genommen. Nicht nur die Vertreter von Wirtschaftsverbänden und die Personalvorstände großer Unternehmen verlangen von den Hochschulen in Forschung und Lehre unmittelbaren Nutzen – auch die Studierenden selbst richten ihr Studium an dem Kriterium unmittelbarer Nützlichkeit für ihre spätere berufliche Karriere aus.

Das kommt nicht von ungefähr. Wichtigster Impuls dürfte die eigene soziale Situation sein. Für fast 1,3 Millionen der insgesamt 1,945 Millionen Frauen und Männern, die an deutschen Hochschulen eingeschrieben sind, gehört Erwerbsarbeit bereits zum Alltag. Sie arbeiten mehr oder weniger regelmäßig, die meisten, um sich das Studium oder einen höheren Lebensstandard zu finanzieren. Sie jobben als Weihnachtsmänner, Taxifahrerinnen, Büro- und Fabrikarbeiter, Arzthelferinnen, studentische Hilfskräfte, sind Freiberufler oder Selbstständige. In manchen Studiengängen gehören aber auch berufliche Praktika mit zum Studium.

Dass jobbende Studierende in vielen Fällen prekär beschäftigt sind, ist dabei nicht neu. Nicht einmal für so genannte Studentische Hilfskräfte, die direkt an den Hochschulen beschäftigt sind, gibt es außerhalb Berlins Tarifverträge.

Neu ist aber, dass die Zunahme dieser unregulierten Arbeitsverhältnisse wegen der Masse der neben dem Studium Erwerbstätigen in den letzten Jahren auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen hat: Die studentische Reservearmee erhöht den Druck auf regulär Beschäftigte, tarifvertragliche Errungenschaften aufzugeben.

Zugleich hat der Arbeitsalltag Rückwirkungen auf die Hochschulen, weil die Studierenden die verschärfte Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt früh kennen lernen und ihr Studium stärker an den Anforderungen der Wirtschaft orientieren.

Für die Gewerkschaften ergeben sich hier eine ganze Reihe von Aufgaben: Erwerbstätige Studierende bieten nicht nur ein großes Potenzial zur Mitgliedergewinnung, sie haben auch einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklungsrichtung von Arbeitsverhältnissen insgesamt.

Um hier gewappnet zu sein, müssen die Gewerkschaften die Ökonomisierung der Hochschulen erkennen und als Realität begreifen. Wichtig ist hierbei die ganz konkrete Unterstützung der Gewerkschaften für die Studierenden: Hilfe bei Problemen im Job, Beratung beim Übergang Hochschule-Beruf und Schaffung gewerkschaftlicher Mindeststandards für Studienpraktika. Wenn es den Gewerkschaften gelingt, sich auf Dauer als kompetenter Ansprechpartner der Studierenden darzustellen, kann in Zukunft an den Hochschulen auch wieder ein Bewusstsein für Arbeitnehmerrechte und -interessen geschaffen werden.

(aus Soli extra "Students at work" Winter 2002, Autor: Soli extra)

WIR IM SOCIAL WEB