Deutscher Gewerkschaftsbund

Students at work: Flexibler geht's nimmer

Ein neues Projekt der DGB-Jugend berät jobbende Studierende per Email-Beratung.

Karen hat endlich einen Job als Kellnerin. Und schon fangen die Probleme an: "Wie viel darf ich denn jetzt verlangen und verdienen als Studentin? Mit Bafög? Bin ich sozialversicherungspflichtig? Soll ich meinen Chef nach einem Vertrag fragen oder besser nicht?"

Seit Dezember 2002 muss sie für die Beantwortung solcher Fragen nicht mal mehr aus dem Haus - sofern sie über einen Computer mit Internetzugang verfügt. Denn es gibt eine neue Website der DGB-Jugend, deren Herzstück die "E-Beratung" ist: Wer eine Frage hat, kann sie unter www.studentsatwork.org ganz einfach in ein Email-Formular eintippen und bekommt ebenfalls per Email schnell und präzise eine Antwort.

"Wir geben Tipps und bemühen uns, die Ratsuchenden in schwierigen Fällen mit dem lokalen Ansprechpartner der jeweiligen Gewerkschaft in Verbindung zu bringen", sagt Christian Kühbauch, DGB-Jugendsekretär und verantwortlich für das Projekt.

Die meisten bisher eingegangenen Fragen beziehen sich auf arbeitsrechtliche Aspekte. "Das fängt damit an, ob man für Arbeit am Abend mehr verlangen darf, und endet beim Kündigungsschutz", sagt Kühbauch. Auch Fragen nach der Sozialversicherung seien häufig.

Allerdings ist das Arbeitsrecht eindeutig die Stärke der Berater: "Es gibt zwar viele Seiten für Studierende. Aber die wenigsten Angebote helfen bei konkreten Fragen zu Verdienst und Arbeitszeit oder Regelungen im Praktikum. Dabei sind es vor allem diese Angelegenheiten, die irgendwann für Studierende relevant werden."

Kühbauch hat die "virtuelle, aber kompetente Beratung" gemeinsam mit vier Experten aufgebaut. Sie soll dem Informationsbedürfnis von Studenten entsprechen, die parallel zum Studium arbeiten oder ein Praktikum absolvieren. "Service auf diesem Wege bietet sich an, denn flexibler geht's nimmer, und der Großteil der Studenten hat in Uni, Fachhochschule oder zu Hause Anschluss ans Netz", so Kühbauch.

Die Seiten von "studentsatwork.org" sehen nicht nur gut aus, sondern sind auch recht ausführlich. Unter der Rubrik "Beschäftigungsverhältnisse" sind zum Beispiel die Unterschiede zwischen 400-Euro-Jobs und etwa einer Anstellung auf Honorarbasis erklärt. In kurzen Beiträgen wird das Wichtigste über BAföG oder Praktika gesagt, über Steuern oder Versicherung und die Unterhaltspflicht der Eltern.

Auch ausländische Studierende bekommen Hinweise zu ihrer rechtlichen Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Außerdem im Angebot: Downloads von Broschüren, Linktipps oder Leistungen der Gewerkschaften.

Der Beratungsservice wird von einer Kampagne an mehreren Unis im Bundesgebiet begleitet. In einem "Campus Office" - in der Regel Infostände vor Mensen oder Büchereien - sind DGB-Vertreter jeweils mehrere Tage vor Ort präsent. Unter anderem in Augsburg, Darmstadt, Dortmund, Hamburg, Köln. Die DGB-Jugend will insgesamt an so vielen Unis und Fachhochschulen wie möglich den Kontakt mit den Studenten suchen.

Die Motivation bei der gesamten Aktion, so Kühbauch, sei nicht nur die individuelle Beratung, sondern auch die Verbesserung der Situation von Studierenden: "Zwei Drittel der Studis arbeiten regelmäßig, um ihr Studium zu finanzieren. Dass das Studium darunter leidet, ist anzunehmen. Aber entscheidend ist, dass sie mehr und mehr vollwertige Arbeitskräfte werden, aber nicht die daraus resultierenden Rechte in Anspruch nehmen wie zum Beispiel Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Urlaubstage."

Karen konnte übrigens geholfen werden. Sie darf hinzuverdienen und soll einen Vertrag unterschreiben. Und das mit dem Verdienst, da hat man ihr einen Mindestlohn genannt.

E-Beratung, aktualisierte Termine (z.B. Beratung vor Ort an Fachhochschulen und Unis) und Standorte der DGB-Campus-Offices zu finden unter:
www.studentsatwork.org


(aus Soli extra "Students at work" Winter 2002, Autor: Claudia Linsel, Enno Bolten)

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