Deutscher Gewerkschaftsbund

Jugend ohne Zukunft

Bildungsbericht 2010 und BIBB präsentieren schlimme Zahlen: Trotz leicht steigender Ausbildungsbeteiligung bleibt der Anteil migrantischer Jugend­licher zu niedrig.

Jeder sechste junge Mensch in Deutschland zwischen 20 und 30 Jahren hat keinen Berufsabschluss und befindet sich auch nicht mehr in Bildungsmaßnahmen. Soweit das Ergebnis des im Juni 2010 veröffentlichten Bildungsberichts von Bund und Ländern. Besonders dramatisch ist die Situation für 20- bis 30-Jährige mit Migrationshintergrund, von denen über 30 Prozent ohne Berufsbildungsabschluss sind. Bei jungen Frauen türkischer Herkunft in dieser Altersgruppe sind es sogar 47,5 Prozent.

Eine zeitgleich veröffentlichte Berechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Ausbildungsbeteiligung für das Jahr zuvor zeigt: Während sich der Anteil unter den Jugendlichen mit deutscher Staatsangehörigkeit nur geringfügig verändert hat, gibt es bei den Jugendlichen mit nichtdeutschem Pass einen deutlichen Anstieg der Ausbildungsbeteiligungsquote – sowohl bei den Männern (plus fünf Prozent) als auch bei den Frauen (plus acht Prozent).

Allerdings sind die Ausgangswerte sehr niedrig: So ist der Anteil unter den migrantischen Jugendlichen, die einen Ausbildungsvertrag im dualen System abschließen, auch weiterhin nur halb so groß wie unter den deutschen – und dies, obwohl der Wunsch nach einer betrieblichen Ausbildung bei beiden Gruppen mit rund 60 Prozent gleich groß ist.

So schlossen von den männlichen Jugendlichen mit deutschem Pass 77,9 Prozent einen Ausbildungsvertrag ab; bei denen mit nichtdeutschem Pass waren es dagegen nur 35,4 Prozent.

Auch bei den nichtdeutschen Frauen ist der Anteil mit 28,9 Prozent nur halb so hoch wie bei den deutschen (58 Prozent). Fazit: Trotz einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr bleibt der Weg der Integration von migrantischen Jugendlichen mit nichtdeutschem Pass in das duale Berufsbildungssystem noch weit.

BIBB-Forschungsdirektor Reinhold Weiß appelliert an die Unternehmen, ihre Ausbildungsanstrengungen umgehend zu verstärken: "Wir werden den Fachkräftebedarf zukünftig nur decken können, wenn wir mehr Jugendliche gewinnen, die bislang keine duale Ausbildung gemacht haben."

Frühe Information an den Schulen, ein größeres Engagement und Flexibilität bei den Jugendlichen, vor allem aber auch eine größere Bereitschaft von Betrieben, auf Jugendliche zuzugehen, seien unerlässlich.

Die DGB-Jugend fordert, dass der Staat ein exzellentes Bildungswesen für alle Menschen sichern und junge Leute, wo nötig, gezielt fördern muss.

Die Studie: www.bibb.de/begriffe/migrationshintergrund


Der Berufsbildungsbericht 2010: www.bmbf.de/de/berufsbildungsbericht.php


(aus der Soli aktuell 7/10, Autor: Jürgen Kiontke)

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