Deutscher Gewerkschaftsbund

Der Demografietarifvertrag

Vorstoß der ver.di-Jugend in Kooperation mit der IG BCE-Jugend: Die Azubis im Stromkonzern E.ON wollen mehr Energie in den Übernahme­verhandlungen.

"Jung, dynamisch, sucht…" mit diesem Slogan wirbt die ver.di Jugend derzeit für eine ganz besondere Kampagne: den Demografietarifvertrag.

Die Idee: Die Leute, die derzeit eine Stelle haben, werden immer älter. Gleichzeitig ist die Übernahmequote in deutschen Betrieben unterhalb einer akzeptablen Größenordnung. Hier soll gegengesteuert werden: "Die Bedürfnisse der Jüngeren und der Älteren müssen auf eine Linie gebracht werden", sagt Alexander Gröbner, Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Oberpfalz und ver.di-Jugendbeauftragter für E.ON.

Gemeinsam mit den Vorsitzenden der Konzernjugend- und Auszubildendenvertretung (KJAV) von E.ON hat er Eckpunkte für ein Demografiekonzept entworfen. Damit für die jüngeren MitarbeiterInnen eine Chance auf Übernahme entsteht und den älteren altersgerechte Arbeitsplätze geboten werden könnten.

Um die Praxistauglichkeit zu überprüfen, haben sich die jungen GewerkschafterInnen den Stromkonzern genau angesehen. Der Betrieb hat derzeit um die 2.800 Auszubildende in Deutschland, jährlich lernen um die 850 von ihnen in ca. 35 verschiedenen Berufen aus. Davon werden durchschnittlich ungefähr 250 übernommen – also weniger als ein Drittel.

Viel zu wenig, meinen die ehrenamtlich engagierten ver.di-Jugend- und IG BCE-Jugend-Mitglieder. Der Konzern mache sich bis heute nur wenig bis keine Gedanken, wie er den demografischen Wandel bewältigen könne. Ein Großteil der E.ON-Beschäftigten ist derzeit zwischen 45 und 55 Jahre alt.

Die KJAV hat nach Vorlage der ver.di Jugend den demografischen Wandel auf die Tagesordnung gesetzt und dringt auf eine tarifliche Lösung. Bereits in mehreren Sitzungen der KJAV-Arbeitsgruppe wurde das Thema aufgegriffen, um aus Sicht der Jugend Regelungsnotwendigkeiten z.B. hinsichtlich der Fragen Standortsicherung und – unbefristete – Übernahme von Auszubildenden nach der Ausbildung zu definieren.

Darüber hinaus wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Gruppentarifkommission eingerichtet, um das Thema in einen Tarifvertrag einzubringen.

Wichtig ist auch, dass "die zunehmende Arbeitsverdichtung der Stammbelegschaften kompensiert, der Transfer des Erfahrungswissens von älteren auf jüngere MitarbeiterInnen gewährleistet wird und eine vorausschauende zukunftsorientierte Personalplanung ebenso wie eine einheitliche Förderung der Weiterbildungsmaßnahmen nach der Ausbildung sichergestellt ist", sagt Christian Hanika, Vorsitzender der E.ON-KJAV: "Der demografische Wandel gibt uns heute die Chance und wird uns morgen dazu zwingen!"

Apropos dynamischer Entwurf: Zur Unterstützung der Forderungen gibt es auf der Homepage ein passendes Tool: einen Heiratsantrag. Motto: "Seitdem ich dich kenne, habe ich den Wunsch, mich an dich zu binden."

Bedingung: keine One-Night-Stands und Treue bis zur Rente.

Die Kampagnen-Homepage: www.jung-dynamisch-sucht.de


(aus der Soli aktuell 7/10, Autor: Jürgen Kiontke)

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