Deutscher Gewerkschaftsbund

So wollen wir leben

Von der Gewerkschaft in die Gesellschaft und zurück: Die DGB-Jugend wird 2010 eine Debatte über die Zukunft der jungen Generation anschieben. Von René Rudolf

Prekarität ist nicht normal – sie sollte es nicht sein. Besonders im Berufseinstieg: Junge Leute drehen endlose Praktikums- und Maßnahmenschleifen. Und wenn sie eine Ausbildung absolvieren, werden sie hinterher nicht übernommen.

1,5 Millionen junge Leute sind ohne Berufsabschluss. Fast eine Million ist arbeitslos gemeldet. Unzählige Abiturient/-innen – derzeit 77 Prozent eines Jahrgangs –, die keine Absicht haben zu studieren, nehmen nur deshalb kein Studium auf, weil sie ein Studium schlechtweg nicht finanzieren können.

In der Gewerkschaftsjugend wird derzeit diskutiert, welche Lösungsmöglichkeiten sich angesichts der desolaten Lage bieten.

Nicht zuletzt die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die ohnehin brisante Situation der jungen Generation noch verschärft. Und das, obwohl scheinbar ein flächendeckender Fachkräftemangel droht und die Überalterung der Gesellschaft als Schreckgespenst allgegenwärtig ist.

So geht’s nicht weiter, das ist großer Konsens innerhalb der Gewerkschaftsjugend, in Jugendverbänden, Studierendengruppen, Schülervertretungen und Jugendorganisationen. Im vergangenen Jahr hat es zum Thema junge Generation einen ersten Runden Tisch der DGB-Jugend gegeben. In den Debatten konnten wichtige Erkenntnisse und unterschiedliche Perspektiven gewonnen werden. Zentrales Ergebnis: Prekarität zieht sich längst als feste Konstante durch alle Lebens- und Bildungsbereiche.

Deswegen will die DGB-Jugend nicht mehr nur einzelne Milieus betrachten, sondern die junge Generation als Ganzes: Welche Sorgen und welche Nöte plagen sie?
Jugend will Veränderungen. Unser Ziel ist es, eine neue soziale Debatte innerhalb der jungen Generation zu initiieren und die Bewegung der Jugend zu unterstützen und voranzubringen.

Prekarität ist keine Perspektive – deshalb hat die Gewerkschaftsjugend im Februar dieses Jahres ihre Planungen für das Jahr 2010 konkretisiert. Wir wollen die Anliegen und Probleme der Jugendlichen in öffentlich machen und die Frage: "Wie wollen wir leben?" gemeinsam mit den Jugendlichen diskutieren.

Wir wollen eine breite öffentliche Debatte über die Perspektiven der Jugend und die Zukunft unserer Gesellschaft führen. Alle, die sich daran beteiligen wollen, sind herzlich eingeladen.

Über konkrete Schritte und wie die Medien eingesetzt werden können, die dazu nötig sind, um eine breite gesellschaftliche Diskussion anzuzetteln, darüber wird in den nächsten Monaten in den Jugendbereichen der Gewerkschaften und des DGB beraten.

So sollen – von der Gewerkschaft in die Gesellschaft – die bisherigen gewerkschaftlichen Vorstellungen wie etwa unbefristete Übernahme nach der Ausbildung, Abschaffung von Bildungsgebühren, Einführung gesetzlicher Regelungen bei Praktika – in die Diskussion eingebracht werden. Und im Gegenzug – von der Gesellschaft in die Gewerkschaft – neue Erkenntnisse und Forderungen gewonnen werden.

Unser Ziel ist es, die berechtigten Anliegen und das gesellschaftliche Engagement der Jugend aktiv zu unterstützen.

René Rudolf ist DGB-Bundesjugendsekretär.

(aus der Soli 3/10, Autor: René Rudolf)

(geändert am 13. April 2010)

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