Deutscher Gewerkschaftsbund

Ein ganz besonderer Rundgang

Die DGB-Jugend Mittelhessen bietet antifaschistische Stadtführungen in Gießen an.

Im Sommer 1989 gab die DGB-Jugend Mittelhessen den antifaschistischen Stadtführer für Gießen heraus. Ziel war es, insbesondere jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich mit der Geschichte dieser Gegend auseinanderzusetzen, Lehren zu ziehen, um nie wieder die Fehler der Vergangenheit machen zu müssen.

Diese Broschüre war vor allem ein Leitfaden für Gruppenführungen, um in der Stadt Gießen die Spuren des Aufstiegs und Falls des Nationalsozialismus sowie des antifaschistischen Widerstandes zwischen 1933 und 1945 aufzuzeigen zu können. Hiervon wurde Anfang der neunziger Jahre auch rege Gebrauch gemacht – Führungen von Schulklassen, Jugendgruppen, Delegationen und frei ausgeschriebene Angebote gehörten zum Repertoire.

Diese Angebote werden im Zuge der Neuauflage des Stadtführers durch den DGB Mittelhessen wiederbelebt: Ab dem 1. April 2010 bietet die DGB-Jugend nun wieder solche Führungen an. Der Antifaschistische Stadtführer umfasst 26 Stationen der faschistischen Gewaltherrschaft in Gießen und bildet die Grundlage für die zwölfjährige Zeitreise zwischen 1933 und 1945.

"Der Anlass für die Erarbeitung des Stadtführers 1989 war der aufkeimende Neofaschismus und der 50. Jahrestag des faschistischen Überfalls auf Polen am 1. September 1939", sagt Max Fuhrmann, DGB-Jugendbildungsreferent in Hessen.

20 Jahre danach könne von einer Schwächung der extremen Rechten nicht die Rede sein. Der zunehmende zeitliche Abstand zu den Ereignissen des Nationalsozialismus und die veränderten Erinnerungsdiskurse in einem wiedervereinigten Deutschland haben zudem die Rahmenbedingungen für eine antifaschistische Bildungs- und Aufklärungsarbeit verändert.

Dem wird auch in der nun neu aufgelegten und stark überarbeiteten Auflage des antifaschistischen Stadtführers Beachtung geschenkt – insbesondere, warum 1933 die Eliten aus Wirtschaft, Militär, Politik und Medien der NSDAP und Adolf Hitler den Weg zur Macht politisch und finanziell eröffneten, warum nach der Machtübergabe am 30. Januar 1933 die Gleichschaltung des Staatsapparates und aller gesellschaftlichen Bereiche so schnell und reibungslos funktionierte und welche regionale Entwicklung die neofaschistische Szene Mittelhessens und ihrer Aktivitäten in den letzten 30 Jahren genommen hat.

"Unser zentrales Anliegen bleibt, mit der Erinnerungsarbeit ein Geschichtsbewusstsein zu vermitteln, das befähigt, Schlüsse über gesellschaftliche und politische Fehlentwicklungen zu ziehen, deren Auswirkungen in der Vergangenheit zu begreifen und daraus Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen", sagt Fuhrmann.

Infos: DGB-Jugend Mittelhessen, Walltorstraße 17d, 35390 Gießen, Tel.: 0641/93 27 80, www.region-mittelhessen.dgb.de

(aus der Soli 3/10, Autor: Jürgen Kiontke)

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