Deutscher Gewerkschaftsbund

Was darf man, was nicht?

Dos und Don’ts: Wie man sich am Ausbildungsplatz
zu verhalten hat – und was man am besten überhaupt nicht tun sollte.

Brötchen essen während der Arbeitszeit, gefundene Getränkebons einlösen…

In der letzten Zeit hat es einige Gerichtsurteile dazu gegeben, was man am Arbeitsplatz darf bzw. nicht darf. Das ist natürlich auch für Azubis relevant. Wenn es zu Abmahnungen und Kündigungen von Auszubildenden kommt, sind die Hintergründe nicht immer klar: Was war erlaubt und was nicht? Durfte man am Firmentelefon Privatgespräche führen…?

Für Auszubildende ist es sehr wichtig zu wissen, was sie dürfen und was nicht: Sie sollten sich an die Vorgaben halten. Spätestens, wenn das Betriebsklima angespannt ist. Andernfalls kann ein Verhalten, das länger ungestraft blieb, plötzlich zum Kündigungsgrund werden.

Soli aktuell bietet eine Übersicht über die häufigsten Problemfelder und ihre rechtlichen Hintergründe.

Klauen verboten
Klauen geht nicht – das ist natürlich jedem klar. Nicht ganz so klar ist aber oft, wo der Diebstahl eigentlich anfängt: Eine stibitzt eine Briefmarke, einer den Keks vom Konferenztisch – ist das schon Diebstahl?

Es wird einem schnell bewusst, wie eng die Regeln ausgelegt werden, wenn man es sich einmal andersherum vorstellt: Der Arbeitgeber nimmt sich hier und da aus der Handtasche des Arbeitnehmers mal einen Stift oder einen Euro oder beißt vom Pausenbrot des Mitarbeiters ab. Das will man natürlich auf keinen Fall – und hier wird einem schnell klar, wie massiv der Vertrauensbruch eigentlich ist.

Und der Verlust an Vertrauen, den die Beziehung durch dieses Verhalten erleidet, ist oft das Hauptproblem: Abmahnung oder Kündigung erfolgen in solchen Fällen weniger wegen des – eher geringfügigen – Schadens. Es ist der Vertrauensbruch, mit dem der Arbeitgeber sogar eine Kündigung rechtfertigen kann.

Hier gilt es, ganz besonders aufzupassen: Auch wenn andere Kolleg/-innen sich anders verhalten – der Auszubildende sollte immer nachfragen, bevor er etwas an sich nimmt, das dem Betrieb gehört.

Dies gilt übrigens gleichermaßen für normale Arbeitnehmer/-innen. So wurde kürzlich einem Mann gekündigt, weil er sein Handy regelmäßig am Arbeitsplatz aufgeladen hatte.

Auch wenn die Kündigung im anschließenden Kündigungsschutzverfahren wieder zurückgezogen wurde – das Beispiel zeigt, wie schnell man mit scheinbar üblichen und harmlosen Handlungen den Ausbildungsplatz in Gefahr bringen kann.

Private Telefonate und E-Mails
In vielen Betrieben ist es gang und gäbe, dass die Angestellten zwischendrin ihre E-Mails anschauen oder kurz privat telefonieren, sei es mit dem eigenen Handy oder dem Firmentelefon. Den Firmen entsteht dabei oft kein Schaden, weil sie ohnehin Flatrates haben. Trotzdem sollte sich ein Auszubildender nicht einfach beim Kollegen abschauen, wie diese Dinge gehandhabt werden: In Firmen gibt es formelle und informelle Hierarchien, und bestimmte Mitarbeiter/-innen haben sich Rechte und Privilegien erworben, die für andere nicht gelten.

Ganz wichtig: Die Erlaubnis, am Arbeitsplatz privat zu telefonieren oder zu mailen, beinhaltet nicht, dass man dies während der Arbeitszeit tun darf! Der Zeitaufwand muss von der Arbeitszeit abgezogen werden. Auf der sicheren Seite ist, wer alle privaten Angelegenheiten in seiner Pause erledigt.

Trinkgeld und Geschenke
Hier kommt es natürlich stark auf die Branche an: In einem Hotel Trinkgeld anzunehmen ist normal, während dies in einer Behörde schnell kritisch werden kann. Grundsätzlich gehört ein Trinkgeld immer der Person, die es erhält, denn es ist ja für die besondere Leistung gedacht, die diese Person erbracht hat. In einem Umfeld, in dem Trinkgelder üblich sind, darf der Auszubildende das Trinkgeld also behalten.

Anders sieht es aus, wenn die Gabe von Trinkgeld als Bestechungsversuch gewertet werden kann. Hier sollte sich auch ein Auszubildender fragen, ob er durch die Annahme von Geschenken vielleicht in eine unangenehme Situation gerät. Im Zweifelsfall sollte er immer den Ausbilder fragen.

Aus rechtlicher Sicht gilt außerdem bei der Annahme von Geschenken: Es gibt eine Bagatellgrenze. Geschenke mit weniger Wert als fünf Euro darf der Auszubildende behalten. Wenn der Wert höher ist, sollte der Azubi unbedingt mit dem Ausbilder oder Vorgesetzten sprechen.

Geschäftsgeheimnisse – sind geheim
Ein Betriebs- oder Geschäftsgeheimnis – was ist das? Grundsätzlich gilt: Sie sind Wissen, das nur einem bestimmten Personenkreis bekannt ist. Klassische Betriebsgeheimnisse sind Kundenlisten, Rezepte oder geplante neue Projekte. Auch für Auszubildende gilt laut § 13 Berufsbildungsgesetz, dass sie solche und andere Betriebsgeheimnisse für sich behalten müssen.

Schlecht über andere reden
Jeder Auszubildende ist gut beraten, nicht schlecht über Kolleg/-innen, Ausbilder/-innen und Vorgesetzte zu sprechen. Direkte Beschimpfungen des Chefs oder Beleidigungen können eine Abmahnung und im wiederholten Fall auch die fristlose Kündigung nach sich ziehen. Ein Azubi sollte es nicht laut aussprechen, wenn er seinen Vorgesetzten für einen Idioten hält.

Dasselbe gilt bei den Kolleg/-innen. Vorgesetzte haben den Mitarbeiter/-innen gegenüber Fürsorgepflichten – und müssen dafür sorgen, dass keiner am Arbeitsplatz beleidigt oder diskriminiert wird. So müssen sie gegen Mitarbeiter/-innen vorgehen, die respektlose Bemerkungen über ihre Kolleg/-innen machen. Auch hier droht Abmahnung oder fristlose Kündigung.

Nebenjob ausüben
Azubis dürfen einen Nebenjob ausüben – müssen sich diesen jedoch genehmigen lassen. Der Betrieb darf aber die Ausübung nur dann verbieten, wenn er der Ausbildung schadet. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Azubi durch den Nebenjob überbelastet ist und am Ausbildungsplatz unkonzentriert arbeitet. Außerdem darf niemand für einen Konkurrenzbetrieb arbeiten.

Bei Minderjährigen kommt eine weitere Beschäftigung oft nicht in Frage, da sie maximal 40 Stunden in der Woche arbeiten dürfen – und somit keine Zeit für einen Nebenjob bleibt. Auch volljährigen Auszubildenden sind durch das Arbeitszeitgesetz enge Grenzen gesetzt.

(aus der Soli 3/10, Autor: Jula Müller)

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