Deutscher Gewerkschaftsbund

Krisengespräche

Der DGB-Bundesjugendausschuss analysiert die Ausbildungsplatzsituation und die Diskussion um den Jugend­arbeitsschutz. Von Florian Haggenmiller

Der DGB-Bundesjugendausschuss (BJA) hat sich in seiner Sitzung am 18. und 19. Februar 2010 mit der Ausbildungsplatzsituation in der Wirtschaftskrise auseinandergesetzt. Im Fokus standen die Fragen: Hat sich die Ausbildungsplatzsituation verschlechtert? Und welche Erfahrungen machen die Kolleg/-innen in den Bezirken und Gewerkschaften?

Ein Rückgang der Ausbildungsplätze ist in nahezu allen Organisationsbereichen der Gewerkschaften zu erkennen. Von unrealistischen Übernahmekriterien und Rückgang der Ausbildungsplätze muss die DGB-Jugend NRW berichten. Baden-Württemberg meldet, dass Leute mit Einstiegsqualifizierungsmaßnahmen zunehmend reguläre Arbeitskräfte ersetzen. In Bayern gibt es spürbar weniger Studierende – die Abiturient/-innen verdrängen jedoch immer mehr junge Leute mit niedrigeren Schulabschlüssen aus der dualen Ausbildung. Die junge NGG vermerkt einen Trend hin zu zweijährigen Ausbildungen. Übernahme? Fehlanzeige.

Die Liste ließe sich beliebig verlängern, allen Punkten gemein ist jedoch: Das immer wiederkehrende Wort von der "mangelnden Ausbildungsfähigkeit" junger Menschen wird von Unternehmen und Politik auf allen Ebenen als Begründung genutzt, weniger auszubilden. Dafür steht die Ausbildungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit jedes Jahr geschönter da.

Die DGB-Jugend wird sich weiter ins Thema vertiefen und die Kampagne "Ausbildung für alle" wiederbeleben. Außerdem wird an einer eigenen, alternativen Ausbildungsplatzstatistik gearbeitet.

Das zweite große BJA-Thema hieß: Jugendarbeitsschutzgesetz bleibt! Es ist erklärtes Ziel der schwarz-gelben Bundesregierung, den Jugendarbeitsschutz entscheidend zu verschlechtern. Die BJA-Delegierten haben dazu gesagt: Die DGB-Jugend bekennt sich zu einem wirkungsvollen Jugendarbeitsschutz und lehnt alle Vorschläge zu seiner Einschränkung ab.

  • Alle politischen Akteur/-innen sind dazu aufgefordert, gemeinsam zu verhindern, dass z.B.: 
  • das Züchtigungsverbot aus dem Gesetz gestrichen wird
  • die Ruhepausen gekürzt werden
  • die Nachtruhe durch längere oder früher beginnende Arbeitszeiten eingeschränkt wird
  • Samstags- und Sonntagsarbeit ausgeweitet wird.

Nicht zu fassen, dass man das noch sagen muss. Dieses Gesetz ist wichtig. Und es sollte nicht verschlechtert, sondern verbessert werden.

Fazit im BJA: Wir lassen unsere jungen Gewerkschaftsmitglieder nicht im Regen stehen – oder besser hinterm Tresen, um bis in die Puppen Bier auszuschenken.
Ein schöner Geburtstagsgruß – am 20. Mai 2010 hat das Jugendarbeitsschutzgesetz Geburtstag – hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Florian Haggenmiller ist politischer Referent der DGB-Jugend.

(aus der Soli 3/10, Autor: Florian Haggenmiller)

WIR IM SOCIAL WEB