Deutscher Gewerkschaftsbund

Fair statt prekär

Der parlamentarische Abend der DGB-Jugend in Berlin.

Junge Generation – wie wollen wir leben?" – so lautet das Motto, das DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf dem Parlamentarischen Abend der DGB-Jugend an diesem 10. November 2010 im Berliner Club Oxymoron voranstellt.

Denn um die Lebens-und Arbeitsbedingungen junger Menschen in Deutschland ist es trotz angeblichem Wirtschaftsboom nicht gut bestellt: "Mehr als 70.000 junge Leute sind aktuell ohne Ausbildungsplatz", rechnet er den Gästen aus dem Deutschen Bundestag vor. "Und 1,5 Millionen sind ohne Berufsausbildung."

Der Abend ist eröffnet, der rote Faden ist klar. "Mit Tarifpolitik allein kommen wir nicht mehr weiter. Wir brauchen die Unterstützung der Abgeordneten", sagt die zweite Rednerin, Katy Hübner.

Die IG BCE-Bundesjugendsekretärin ist eigens gekommen, um von der Übernahmesituation junger Leute nach der Ausbildung zu berichten.
So werden die Verhältnisse, denen die jungen ArbeitnehmerInnen selbst in der Vorzeigebranche Chemie ausgesetzt sind, zunehmend prekärer: Nach der Ausbildung geht es erstmal sechs Monate in die Probezeit zu verringertem Gehalt. Und dann weiter in die betriebseigene Leiharbeitsfirma – ohne Aussicht auf ein reguläres Arbeitsverhältnis.

Was vonnöten ist, beschreibt Jessica Heyser von der DGB-Jugend. Sie hat die neuesten DGB-Index-Zahlen für junge Beschäftigte im Gepäck. "Niedriglöhne, Mini-Jobs und Leiharbeit bestimmen das Arbeitsleben junger Leute."

53 Prozent verdienen unter 1.500 Euro brutto im Monat. Vollzeitstellen werden massiv abgebaut. Die DGB-Jugend fordert einen gesetzlichen Mindestlohn, die Unterbindung von Befristungen, die Abschaffung von Minijobs und Regeln fürs Praktikum.

Was sagt die Politik? "Wir sind beim Mindestlohn ziemlich weit", weiß Harald Weinberg von der Linksfraktion. Die Arbeitgeber würden da wohl irgendwann einlenken. Und die Leiharbeit habe sich ohnehin blamiert.

Katja Mast von der SPD sagt: "Alles, was dazu dient, Jugendliche ›billiger‹ zu machen, lehnen wir ab." Sicher, Jugend hätte es schwer in der Politik. "Aber wenn man sagt: Jugendliche brauchen einen fairen Einstieg in das Berufsleben – dann gewinnt man auch die ältere Generation für das Thema."

Ein Prozess, an dem auch die Kampagne um die Petition für ein Grundrecht auf Ausbildung großen Anteil gehabt habe. Als eine der ersten sozialen Gruppen habe die DGB-Jugend die öffentlichkeitswirksame Gestaltung von Petitionsanliegen für sich entdeckt.


(aus der Soli aktuell 11/10, Autor: Jürgen Kiontke)

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