Deutscher Gewerkschaftsbund

Mitbestimmung macht gute Laune


Ausbildungsreport 2010: Die DGB-Jugend sieht Probleme beim ­Jugendarbeitsschutz und unterstreicht die große Bedeutung der Interessenvertretungen.

Harte Arbeit, viele Überstunden, rauer Umgangston – so heißt das prägende Beiwerk der Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Im Ranking der Gesamtbewertung der 25 meistgewählten Ausbildungsberufe im diesjährigen Ausbildungsreport, den die DGB-Jugend im September 2010 in Berlin vorgelegt hat, belegen die Ausbildungen zum/zur Hotel- und Restaurantfachmann/-frau die letzten beiden Plätze. Auf Platz eins: die Ausbildung zum/zur IndustriemechanikerIn. Bundesweit wurden 7.317 junge Menschen befragt, wie zufrieden sie mit ihrer Ausbildung sind.

Die DGB-Daten seien "ein jährlicher Gradmesser für die Qualität in der Ausbildung", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock anlässlich der Präsentation der Ergebnisse. Hier zeige sich, in welchen Berufszweigen es gut laufe und in welchen noch Nachholbedarf bestehe.

Von letzteren gibt es genug: Branchenübergreifend liegt der Anteil der Auszubildenden, die Überstunden leisten (müssen), bei sagenhaften 40,2 Prozent. Im Hotel- und Gaststättengewerbe kommen sogar zwei Drittel der Auszubildenden auf regelmäßige Überstunden.

Wie passend, dass die Bundesregierung plant, "Ausbildungshemmnisse im Gastgewerbe" durch ein "flexibleres Jugendarbeitsschutzgesetz" abzubauen – Klartext: Es soll gelockert werden.

Denn es legt fest, dass Auszubildende, die noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet haben, nur an fünf Tagen in der Woche arbeiten dürfen – und das insgesamt höchstens 40 Stunden.

Und? 17,4 Prozent der befragten Minderjährigen geben jetzt schon an, mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. 7,8 Prozent müssen mehr als fünf Tage pro Woche im Betrieb arbeiten. "Schutzvorschriften zu ›Ausbildungshemmnissen‹ zu erklären, ist eine nicht hinnehmbare Diffamierung des Jugendarbeitsschutzes", sagte DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf.

Auch sehr problematisch ist die häufig ungeklärte Übernahmesituation am Ende der Ausbildung: Zum Zeitpunkt der Befragung wussten 66,9 Prozent der Befragten nicht, ob sie am Ende der Ausbildung übernommen werden. Lediglich ein Fünftel (20,5 Prozent) der Befragten gab an, übernommen zu werden.

Zur Unterstützung in solchen und anderen Fällen gibt es für die Auszubildenden die betriebliche Mitbestimmung – und die ist wichtig: 82,5 Prozent der befragten Auszubildenden, die auf eine Interessenvertretung zurückgreifen können, zeigten sich zufrieden bzw. sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung – deutlich häufiger als jene, die nicht unterstützt werden (62,7 Prozent Zufriedenheit).

Rudolf: "Ein ganz klares Votum pro Mitbestimmung! Das gibt Anlass zu der Hoffnung, dass viele junge Kolleginnen und Kollegen zu den Wahlen der Jugend- und Auszubildendenvertretungen ab dem 1. Oktober 2010 kandidieren."


(aus der Soli aktuell 10/10, Autor: Jürgen Kiontke)

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