Deutscher Gewerkschaftsbund

Vier Cent pro Kilo

Die DGB-Jugend Thüringen ist extrem und sammelt rechte Presse fürs Altpapier. Das ist nötig und erfolgreich, sagt Sandro Witt.

Die DGB-Jugend Thüringen hat die Aktion "Brauner Dreck ins Altpapier" gestartet. Was hat es damit auf sich?

Die NPD in Thüringen, deren Landtagseinzug wir mit der gemeinsamen Initiative "Deine Stimme gegen Nazis" im Jahr 2009 verhindert haben, hat ein neues Zeitungsprojekt angekündigt. Diese Blättchen, die vor allem kommunalpolitische Themen aufgreifen, sollen in den Kreisen verteilt werden, in denen die NPD schon starke Wahlergebnisse eingefahren hat. Nach Angaben der NPD in Thüringen soll durch dieses Projekt die Lücke ausgenutzt werden, welche die "etablierten Parteien und Medien" hinterlassen haben. Wir wollen dem mit unserem Aufruf etwas entgegensetzen und vor allem die Menschen sensibilisieren.

Wozu fordert ihr die Leute auf?


Die NPD-Zeitungen, die wir namentlich benennen, aus dem Briefkasten zu holen und uns direkt zu geben oder selbst zu den Altpapiersammelstellen zu bringen. Pro gesammeltes Kilo Altpapier gibt es vier Cent von der Stadt.

Was erhofft ihr euch davon?


Drei Dinge: Durch das Weiterleiten des Aufrufes gibt es eine Debatte und vor allem Aufklärung über die Vorhaben der extrem rechten NPD. Die zweite Hoffnung hat sich bereits erfüllt: Wir wollen der NPD – wie in den Jahren zuvor – ein Dorn im Auge sein. Dass uns das auch mit diesem Aufruf wieder gelungen ist, zeigt, dass sich auf einer Website der Naziszene intensiv mit unserem Aufruf auseinandergesetzt wird.

Wie ist die Resonanz?


Ich habe gerade erfahren, dass die Mutter eines unserer Jugendlichen den Aufruf genommen hat und nun von seiner Schule aus Zeitungen für uns gesammelt werden. Das führt zu Debatten und Diskussionen, die so vorher nicht stattfanden. Viele Jugendverbände und Parteien unterstützen den Aufruf. Damit haben wir ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet. Da wir den Aufruf in eine laufende Kampagne der DGB-Jugend mit einbinden, werden wir erst im Dezember wissen, wie erfolgreich wir waren…

Und diese Kampagne heißt: "Wir sind extrem…". Nun ist die Gewerkschaftsjugend nicht unbedingt für ihren Extremismus bekannt – worauf zielt das Motto ab?


Nach Auffassung eines Teils unserer Landesregierung ist die politische Auseinandersetzung mit der extremen Rechten etwas "Linksextremes". Damit wird notwendiger antifaschistischer Protest, an dem auch der DGB und seine Jugend beteiligt sind, diffamiert und kriminalisiert. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat nachgewiesen, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus durchaus in der Mitte der Gesellschaft zu finden sind. Die Antwort der Gewerkschaftsjugend darauf ist eindeutig: Angesichts von neu aufgelegten Programmen gegen einen herbei geredeten Phantomschmerz Linksextremismus haben wir uns entschieden, dem etwas entgegenzusetzen. Wir wollen den Begriff "Extremismus" ad absurdum führen, da wir ihn als ideologisches Monstrum ablehnen. Mit T-Shirts, Postkarten und eigenen Veranstaltungen werden wir klarmachen, worum es uns geht. Die nächste Veranstaltung heißt "Wir sind extrem… gefährdet" und wird sich mit den Angriffen auf das Jugendarbeitsschutzgesetz befassen. Denn die Gewerkschaftsjugend – und das gilt bundesweit – ist nämlich extrem demokratisch! Und vor allem: extrem gutaussehend.

Infos: www.dgbjugend-th.de

Sandro Witt war bis 30. September 2010 Jugendbildungsreferent der DGB-Jugend Thüringen und ist nun DGB-­Organisationssekretär.


(aus der Soli aktuell 10/10, Autor: Jürgen Kiontke)

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