Deutscher Gewerkschaftsbund

Unfit in den Job

Ganz im Zeichen der Gesundheit steht die Sonderauswertung "Junge Beschäftigte" des DGB-Index Gute Arbeit 2009.

Junge Beschäftigte gehen auch zur Arbeit, wenn sie krank sind. Das zeigt die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2009 "Junge Beschäftigte", der am 15. Dezember 2009 in Berlin vorgestellt wurde.

Danach gaben 79 Prozent der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal trotz Krankheit arbeiten gegangen zu sein. 46 Prozent haben sich sogar Medikamente verschreiben lassen, um fit für die Arbeit zu sein. Die Krankheit, krank zur Arbeit zu müssen, grassiert. In den Medien kursiert schon eine Zuschreibung für dieses Verhalten: "Arbeitnehmer-Doping".

Logisch, dass viele junge Beschäftigte von starken Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit berichteten. Neben den weit verbreiteten Rückenschmerzen (60 Prozent) berichteten 45 Prozent derjenigen mit "schlechter Arbeit" von Schlafstörungen, aber nur fünf Prozent jener mit Guter Arbeit. "Dieser Unterschied von 40 Prozentpunkten zeigt den enormen Spielraum, den es für Gute Arbeit immer noch gibt", sagt daher auch DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf.

Der Zynismus bei den Arbeitnehmerorganisationen, er ist angebracht: Offenbar haben sich viele daran gewöhnt, ihre Gesundheit hintan zu stellen – aus Sorge um den Arbeitsplatz. Das Phänomen sei mittlerweile so verbreitet, dass es Eingang in wissenschaftliche Untersuchungen gefunden hat: unter dem schönen Schlagwort "Präsentismus". Gemeint: Man geht zur Arbeit, obwohl es einem nachweislich nicht gut tut. Dass bereits junge Beschäftigte unter diversen gesundheitlichen Beschwerden litten, mache deutlich, dass eigentlich "vom ersten Arbeitstag an gute Arbeitsbedingungen und Prävention angesagt" seien, wie Rudolf sagt.

Ein anderer Punkt ist das Geld. Im Klartext: die schlechte Bezahlung. Denn auch die ist weit verbreitet. Angesichts der schlechten Einkommenssituation junger Beschäftigter fordert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock einen Mindestlohn von zunächst 7,50 Euro: "Die Pläne der Bundesregierung, die Sittenwidrigkeit von Löhnen als unterste Auffanglinie gelten zu lassen, helfen den Arbeitnehmer/-innen im Niedriglohnbereich nicht aus ihrer Bedrängnis. Unterhalb des Mindestlohns darf es nichts geben." Alles andere sei eine Einladung zum Lohndumping an die Arbeitgeber/-innen.

Für den repräsentativen DGB-Index Gute Arbeit 2009 wurden im ersten Quartal dieses Jahres 7.930 Beschäftigte befragt. Die Ergebnisse wurden im Sommer veröffentlicht. Die nun vorliegende Sonderauswertung bezieht sich auf die Auskünfte von 882 Befragten im Alter von bis zu 30 Jahren.

DGB-Index Gute Arbeit 2009 "Junge Beschäftigte", zu bestellen auf www2.dgb-jugend.de/dgb_jugend/broschueren

(aus der Soli aktuell 1/2010, Autor: Jürgen Kiontke)

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