Deutscher Gewerkschaftsbund

Übernahme wird zur Ausnahme

Eine Studie der DGB-Jugend belegt: Junge Leute sind die Hauptleidtragenden der Finanz- und Wirtschaftskrise – und der Berufseinstieg findet oft gar nicht mehr statt.

Die derzeitige Wirtschafts- und Finanzmarktkrise hat sich in Deutschland offiziell bisher nicht so stark auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Massenentlassungen blieben bisher aus, die Wunderwaffe hieß Kurzarbeit. Jetzt aber hat die DGB-Jugend mit einer Studie zutage gefördert, wer für die Krise bezahlen muss: Es sind junge Leute, die nach der Ausbildung in ihrem Beruf arbeiten wollen.

Die DGB-Jugend hat bis Oktober 2009 1.957 Auszubildende in ihrem jeweils letzten Ausbildungsjahr befragt – ob sie schon wüssten, wie es für sie nach der Ausbildung beruflich weitergehen werde.

Das zentrale Ergebnis der Befragung: Nur etwas mehr als ein Drittel der Auszubildenden hat kurz vor Ende des dritten Lehrjahrs bereits eine sichere Perspektive im Betrieb über die Ausbildungszeit hinaus. Etwa jeder vierte befragte Auszubildende hingegen wusste schon sicher, dass er nach der Ausbildung nicht übernommen wird. Hinzu kommen weitere 40 Prozent, die teilweise auch kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung noch keinerlei Informationen darüber haben, ob ihnen eine Weiterbeschäftigung nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung angeboten werden wird.

Ähnlich düstere Zahlen hat zeitnah auch die Bundesagentur für Arbeit herausgebracht. In ihrem Bericht zum Arbeitsmarkt angesichts der anhaltenden Krise betont sie zwar, dass die Erwerbslosigkeit in Deutschland im internationalen Vergleich "relativ moderat" gestiegen sei. Dies gelte aber mitnichten für alle Altersgruppen: Die Arbeitslosigkeit der 15- bis 25-Jährigen sei zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 um knapp zwölf Prozent gestiegen – 50 Prozent schneller als die Arbeitslosigkeit insgesamt.

Dieses Ergebnis ist auch ein Beleg dafür, dass gerade junge Menschen zunehmend von atypischer Beschäftigung betroffen sind. Schon in ihrer Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2008 hatte die DGB-Jugend kritisiert, dass 26 Prozent der jungen Beschäftigten unter 30 Jahren in zeitlich befristeten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten müssen. Passiert ist nichts.

"Die Zunahme von prekärer Beschäftigung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der Politik der letzten Jahre", sagt DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf.

Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und der Beschäftigungsverhältnisse sowie der Abbau von Arbeitnehmerrechten führten dazu, dass es schwieriger bis unmöglich werde, das weitere Leben zu planen. Ängste in Bezug auf das Alter bestimmten das gesamte Lebensgefühl der jungen Generation.

"Die DGB-Jugend fordert angesichts der Zahlen die unbefristete Übernahme in ein – sofern gewünscht – Vollzeitbeschäftigungsverhältnis", sagt Rudolf. "Die absolvierte Ausbildung muss dabei ebenso berücksichtigt werden wie der Wohnort. Denn alle jungen Menschen brauchen die Chance für ein selbstbestimmtes Leben mit vielfältigen Perspektiven und materieller Sicherheit."

Die Studie im Download: www.dgb-jugend.de/ausbildung

(aus der Soli aktuell 1/2010, Autor: Jürgen Kiontke)

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