Deutscher Gewerkschaftsbund

Bildungshürdenlauf

Die Böckler-Stiftung hat die Lage der Arbeiterkinder an den Universitäten untersucht.

Arbeiterkinder, die studieren, bekommen weniger Unterstützung von Zuhause, müssen häufiger Geld verdienen und werden auch von den Professoren seltener gefördert. Das macht eine Studie der Konstanzer Hochschulforscher Holger und Tino Bargel für die Hans-Böckler-Stiftung deutlich.

Die Hindernisse für Arbeiterkinder an den Hochschulen müssen "als groß und folgenreich für das Studium eingeschätzt werden", schreiben die Wissenschaftler.

Ein niedriger ökonomischer Status der Eltern ist an Universitäten und Fachhochschulen ein erheblicher Nachteil - "ebenso schwer wirkt sich nur noch eine körperliche Behinderung aus".

Mit dem Bologna-Prozess und der zunehmenden Internationalisierung dürfte sich die Benachteiligung nochmals verschärfen. Darum mahnen die Autoren mehr Anstrengungen für Chancengleichheit an und bestätigen damit die Forderungen der DGB-Jugend nach mehr Durchlässigkeit des Bildungssystems und Chancengerechtigkeit.

Das BAföG allein trägt dem Finanzbedarf nicht Rechnung: Denn heute können weniger Studierende ihre Ausbildung hauptsächlich durch das BAföG finanzieren als noch 1993. Etwa jedes zweite Arbeiterkind an Uni oder Fachhochschulen bekommt BAföG; 1993 waren es 63 Prozent.

Zudem erweist sich der Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium zunehmend als Problem. Viele Unis sehen inzwischen an dieser Stelle ein erneutes Auswahlverfahren vor. Es spreche viel dafür, so die Studie, "dass beim Übergang in ein Masterstudium eine erhebliche soziale Schieflage eintreten wird".

"Die DGB-Jugend fordert daher die Aufhebung der Zulassungsbeschränkungen", sagt Sabrina Klaus-Schelletter, bei der DGB-Jugend zuständig für Hochschulpolitik.
Fazit: Studierende aus bildungsfernen Familien benötigen besondere Unterstützung, finanziell wie ideell.

Paradoxerweise werden jedoch gerade sie seltener gefördert als andere. Sowohl das von der Bundesregierung initiierte Stipendienprogramm als auch die bereits existierende Begabtenförderung nimmt sich nicht vorrangig der Bedürftigen an: 71 Prozent der Geförderten stammen aus Akademikerfamilien. Das werde in der Öffentlichkeit oft damit begründet, dass Arbeiterkinder schlechtere Leistungen bringen, heißt es in der Studie.

Es gebe jedoch keinen wissenschaftlichen Befund, der diese These stützt.

Zur Studie geht es hier.

(aus der Soli aktuell 6/10, Autor: Jürgen Kiontke)


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