Deutscher Gewerkschaftsbund

Guter Job, Gewerkschaftsjugend!

19. DGB-Bundeskongress: Die Gewerkschaftsjugend konnte ihre Forderungen ­weitestgehend durchsetzen.

"Ausbildung für alle!", "Generation prekär - Nicht mit uns!" und "Hände weg vom Jugendarbeitsschutzgesetz!": So lauten die Slogans auf den Plakaten der Gewerkschaftsjugend.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) steht gerade am Podium des 19. Ordentlichen DGB-Bundeskongresses (OBK). Um die 50 Gewerkschaftsjugendliche posieren eindrucksvoll in Gelb - der Farbe ihrer Kampagne "Gute Ausbildung. Gute Arbeit. Gutes Leben. Wir sind dran!".

Nein, an den Jugendarbeitsschutz kommt keiner ran, wenn es nach von der Leyen geht. Die im Koalitionsvertrag der schwarzgelben Regierung angekündigte Lockerung ist mit ihr nicht zu machen. Auf die anderen Forderungen geht sie nicht so konkret ein. Prekarität? Nun, genau genommen hat die Ministerin auch nur eine befristete Beschäftigung.

Wie dem auch sei: Der Kongress hat seinen bunten Auftritt bekommen. "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das hier so aktiv ist. Ich habe mir den Kongress bürokratischer vorgestellt. Ich bin begeistert", stellt Erstteilnehmer Frank Heine von der jungen NGG fest.

Gerade beim Jugendarbeitsschutz hat die NGG viel mitzureden. "Wir werden Frau von der Leyen auf ihre Aussagen festnageln", sagt Heine. In der Hotel und Gastronomie-Branche liegt vieles im Argen.

158 Anträge gibt es, sie behandeln die Finanzkrise ebenso wie die Krankenversicherung und die DGB-Strukturreform. Das Treffen der 400 Delegierten aus den Gewerkschaften vom 15. bis 20. Mai 2010 im Berliner Estrel-Hotel steht nicht immer so augenfällig im Zeichen der Jugend. Neun Prozent von ihnen sind unter 27 (35 Delegierte), das entspricht dem Schnitt der Gewerkschaften.

Dennoch: Die jungen Delegierten haben die meisten ihrer ca. 30 Anträge gut durchgebracht. Gute Ausbildung, gutes Leben? Guter Job, Gewerkschaftsjugend - du bist dran!

Die Schwerpunkte zu den Themen, die von der Bundesjugendkonferenz 2009 weitergeleitet wurden, sind im Wesentlichen bestätigt worden: Die betriebliche Ausbildung als wesentliche Ausbildungsform wurde gestärkt.

Der OBK stellt sich hinter die Forderung eines Grundrechts auf Ausbildung, unterstützt eine Bildungsoffensive als Instrument der Krisenbekämpfung. Die in ihrem Amt bestätigte stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock warnt vor jeglichen Kürzungen im Bildungswesen. Dringend erforderlich im Sinne der Bildungsgerechtigkeit: durchlässige Hochschulzugangsregelungen für Menschen mit dualen Ausbildungsabschlüssen.

Dass der OBK bestätigt hat, dass die Studierendenarbeit jetzt in der Verantwortung der DGB-Jugend gemeinsam mit den Gewerkschaften weiterentwickelt wird, "schafft eine solide Grundlage und ist ein Erfolg", sagt DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf.

Zum Bologna-Prozess - dem Umbau der Hochschulen - brachte die Jugend einenInitiativantrag ein und auch zum Thema Kolumbien und Gewerkschaftsrechte. Sie wurden mit überwältigender Mehrheit angenommen. Und die DGB-Jugend konnte eine eigene Position zum Thema Führungszeugnispflicht für Ehrenamtliche entwickeln und einbringen - sie wird abgelehnt. Die Delegierten verwiesen den Antrag zur Weiterbehandlung an den DGB-Bundesvorstand.

Was leider nicht ging: Die Abschaffung der Wehrpflicht zu beschließen. Dem Jugend-Antrag, jegliche Wehr- und Ersatzdienste zu streichen, mochte der OBK nicht folgen.

Alles Beschlüsse des 19. OBK sind einzusehen auf DGB-Homepage.


Guter ­Zusammenhalt"
Vanessa Haas, 20 und von der
IG Metall, war die jüngste Delegierte auf dem OBK.

Wie bist du zum DGB-Bundeskongress gekommen?

Ich wurde von meiner IG Metall-Ortsverwaltung in München gefragt, ob ich dort Delegierte sein möchte. Da habe ich mich informiert, worum es da geht.
Vor vier Jahren war ich ja erst 16, da hab ich nicht viel mitbekommen.

Wie kommst du zur IG Metall?

Mit 16 habe ich eine Ausbildung als Fertigungsmechanikerin bei BMW angefangen. Mein Job ist Drehen, Fräsen, Feilen. Bei der Vorstellungsrunde der Jugendvertretung bin ich gefragt worden, ob ich nicht in die IG Metall eintreten will. Da habe ich gesagt: Okay, mache ich.

Mir ist dann klar geworden, dass die Gewerkschaft wichtig ist. Also habe ich mich auch gleich zur JAV-Wahl aufstellen lassen.

Du bist dann übernommen worden?


Ja. Ich habe einen unbefristeten Vertrag - wie alle in meinem Jahrgang. Allerdings bekommt man nicht unbedingt eine Stelle am Ausbildungsort. Kann auch sein, dass man nach England gehen muss oder nach China. Das ist eine Chance für Jugendliche, die Welt zu entdecken. Das macht sich auch im Lebenslauf immer gut.

Übernahme ist aber nicht immer die Regel…

Nein. Ich habe viele Freunde, die nach der Ausbildung nicht übernommen worden sind - vielleicht, weil sie in einem nicht tarifgebundenen Betrieb gearbeitet haben.

Zurück zum OBK - woher wusstest du, wie du stimmen musst?

Es gab Delegiertenvorbesprechungen, da stimmt man sich gemeinsam ab. Ich habe die ganzen Unterlagen durchgelesen und mir meine eigene Meinung gebildet.

Hat die Gewerkschaftsjugend gut im Team gearbeitet?

Ich finde, wir sind sehr harmonisch aufgetreten. Die Gewerkschaftsjugend ging auch zusammen in die Kneipe. Die Jugendlichen halten echt gut zusammen.

Was war inhaltlich das Wichtigste?

Dass Zukunftsstrategien entwickelt werden. Wie es weitergehen soll mit der Finanzkrise und den Banken. Und dass man die Jugendlichen in der Krise nicht vergisst.

Willst du in der Gewerkschaft Karriere machen?

Zunächst einmal innerbetrieblich. Ich will Betriebsrätin werden.


(aus der Soli aktuell 6/10, Autor: Jürgen Kiontke)

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