Deutscher Gewerkschaftsbund

Bestreikt die Krise!

SchülerInnen, Azubis, Studierende protestieren gemeinsam. Die DGB-Jugend ist bundesweit im Bildungsstreik aktiv.

"Wir sind das Sprachrohr der Azubis" - Tanja Trost, DGB-Jugendbildungsreferentin aus Stuttgart, macht klar, worauf es der Gewerkschaftsjugend ankommt. Bildungsstreik, das bedeutet nicht, dass sich ein paar Jugendliche übers Mensa-Essen beschweren. Bildungsstreik, das bedeutet die ganze Jugend - Studierende, SchülerInnen, prekär Beschäftigte, die in den Warteschleifen und in den Betrieben.

Dass keiner vergessen wird, dafür will die DGB-Jugend garantieren. Für den Bildungsstreik-Aktionstag am 9. Juni 2010 haben ihre Aktiven deshalb Flyer gedruckt, den Lautsprecherwagen für die Großdemonstration fit gemacht, Seminare organisiert und vieles mehr.

Man will sich nicht so einfach verteilen lassen. Junge Leute, so die Botschaft, haben - egal, wo sie gerade sind - durchaus die gleichen Interessen.

Denn nicht nur in den Hochschulen, sondern auch woanders herrschen schlimme Zustände: Deutschland hat ein sozial selektierendes Schulsystem mit einer zu hohen Zahl an Schulabbrüchen. 1,5 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren haben keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Gerade hat eine von dem Bildungsforscher Klaus Klemm durchgeführte und vom DGB in Auftrag gegebene Studie ergeben: Es fehlen mindestens 41 Milliarden Euro im Bildungsetat. DGB-Vize Ingrid Sehrbrock sagt: "Die Bildungsrepublik wird so zur Fata Morgana." Dumm, aber schuldenfrei - das sei keine Perspektive.

Deswegen gehen an diesem Tag in vielen Städten Tausende auf die Straße. So wie Holger Kindler, DGB-Jugendbildungsreferent in Kassel. Dort hat sich die Gewerkschaftsjugend im Bündnis "Zukunftspers­pektiven erkämpfen" mit SchülerInnen, Auszubildenden, Studierenden und jungen Beschäftigten zusammengeschlossen. "Wenn es nach Politik und Wirtschaft geht, sollen gerade wir jungen Menschen für die Wirtschaftskrise bezahlen. Wir haben die Krise aber nicht zu verantworten", sagt Kindler mit Blick auf neue "Sparpakete".

Die Forderungen: bessere Lehr- und Lernbedingungen an Schulen und Hochschulen. Unbefristete Übernahme für alle in Vollzeit in den Betrieben. Verkürzung der Lebensarbeitszeit, Eindämmung von Teilzeit- und befristeter Beschäftigung, Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns.

Wie in allen Bundesländern hat auch in Berlin die DGB-Jugend maßgeblichen Anteil an den Bildungsprotesten - und an den zentralen Demonstrationen. Das Motto hier: "Die Bildung aus der Krise streiken!"

Aktionen gibt es auch: Am Oberstufenzentrum Lotis in der Berliner Dudenstraße wird ein Workshop veranstaltet: "Auszubildende im Bildungsstreik" lautet der - ganz im Sinne der GewerkschafterInnen - lernerübergreifende Titel des Workshops, der an diesem Tag im Schulzentrum stattfindet.

"Bildung und Ausbildung stecken mitten in der Krise", sagt DGB-Jugendbildungsreferentin Mirjam Bürger.

Während Banken mit Steuergeldern gerettet würden, fänden immer weniger junge Menschen einen Ausbildungsplatz oder müssten nach ihrer Ausbildung um die Übernahmen bangen. Bürger: "Zahlen müssen am Ende alle: Studierende, Auszubildende, junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Schülerinnen und Schüler. Das nehmen wir nicht hin."


Die Proteste gehen weiter - wie und wann kann man der Homepage des Bildungsstreiks entnehmen.


(aus der Soli aktuell 6/10, Autor: Jürgen Kiontke)

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