Deutscher Gewerkschaftsbund

Perspektiven schaffen

Die IG BCE hat etwas Neues erreicht: eine Branchenumlage für die Übernahme nach der Ausbildung. Was das bedeutet, sagt Katy Hübner.

Zunächst einmal: IG BCE und Chemie-Arbeitgeber haben den bis Ende 2010 geltenden Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung" fortgeschrieben. Von 2011 bis 2013 ist ein hohes Ausbildungsniveau von 9.000 Plätzen pro Jahr garantiert. Die Chemie-Sozialpartner hatten das Abkommen 2003 auf den Weg gebracht. Bis 2008 konnte die Zahl der Ausbildungsplätze um rund neun Prozent gesteigert werden. Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2009 sollen jetzt die Ausbildungsanstrengungen wieder verstärkt werden.

Mit dem neuen Tarifvertrag "Brücke in Beschäftigung - 1.000 für 1.000" schaffen wir Anreize für die Übernahme. Alle 1.900 Betriebe der chemischen Industrie zahlen in einen Fonds ein - insgesamt rund 25 Millionen Euro.

Damit werden Betriebe unterstützt, die trotz einer schwierigen wirtschaftlichen Lage Ausgelernte übernehmen. Für jede mindestens zwölfmonatige Übernahme gibt es einen monatlichen Entgeltzuschuss von bis zu 1.000 Euro, befristet auf ein Jahr. Auf diese Weise können 2010 und 2011 mindestens jeweils 1.000 Übernahmen von IG BCE-Mitgliedern gefördert werden. Alle Azubis erhalten eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro.

Und: Schon in elf Monaten werden wir wieder über die Höhe der Ausbildungsvergütungen verhandeln.


Katy Hübner ist Bundesjugendsekretärin der IG BCE.


(aus der Soli aktuell 6/10, Autorin: Katy Hübner)


Die IG BCE-Übernahme-Umlage - ein Modell für andere Branchen?
Das sagen uns Jugendsekretäre anderer Gewerkschaften:


Generell könnten wir uns das natürlich vorstellen, allerdings ist derzeit der Bedarf nicht gegeben. Bei der Bahn stellen wir momentan fest, dass 95 Prozent aller Azubis übernommen werden. Die Formen der Übernahme sind durchaus zu diskutieren, allerdings wird uns eine tarifvertragliche Regelung nicht wirklich weiterhelfen.

Für die anderen Verkehrsunternehmen ist das allerdings ein Punkt, den man verankern könnte. Es ist so, dass bei Ausschreibungen im Öffentlichen Personennahverkehr keine Ausbildungsquote berücksichtigt wird. Die Transnet kämpft seit einigen Monaten für einen Branchentarifvertrag, in dem man versuchen wird, dies zu berücksichtigen. Dabei ist auch eine weitergehende Regelung vorstellbar, die dem Tarifvertrag der IG BCE entspricht.
Marco Rafolt, Transnet-Bundesjugendsekretär


Die Fondslösung ist für uns nichts Unbekanntes. Unsere Ausbildungsumlage im Bauhauptgewerbe funktioniert seit über 30 Jahren so: Alle Betriebe zahlen in einen Topf und jene, die Ausbildungsplätze schaffen, erhalten daraus Unterstützungen. Außerdem werden so die Überbetrieblichen Ausbildungsstätten, die die Ausbildung ergänzen, finanziert. Ich halte die Fondsmethode für eine gute Lösung. So müssen alle Arbeitgeber ihren Beitrag für bessere Zukunftschancen der jungen Beschäftigten leisten. Das ist solidarisch und vor allem auch notwendig.
Christian Beck, IG BAU-Bundesjugendsekretär


Das Modell ist für unseren Organisationsbereich durchaus interessant. Deshalb werden wir uns mit diesem Abschluss näher auseinandersetzen. Allerdings gibt es durchaus nicht wenige Bereiche, in denen eine unbefristete Übernahme in Vollzeit und mit vernünftiger Vergütung möglich wäre. Darauf setzen wir nach wie vor den Schwerpunkt.
Ringo Bischoff, ver.di-Bundesjugendsekretär

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