Deutscher Gewerkschaftsbund

Duales Studium

Grundsätzliches

Duale Studiengänge verknüpfen ein Studium an einer Hochschule oder (Berufs-)Akademie mit regelmäßigen ausgiebigen Praxisphasen in einem Betrieb oder gar einer anerkannten betrieblichen Berufsausbildung. Dabei wechseln sich Theoriephasen an der Hochschule oder Akademie und praktischen Phasen im Ausbildungsbetrieb ab. An einigen Hochschulen werden diese Studiengänge auch anders bezeichnet, z.B. als Studium im Praxisverbund.

Das duale Studium ist heute schon ein fester und gleichwertiger Bestandteil des Hochschulwesens: 2011 gab es mehr als 60.000 dual Studierende in über 900 Studiengängen in der Bundesrepublik und ca. 30.000 Firmen, die dafür mit Hochschulen kooperierten.

Voraussetzung für eine Zulassung ist in der Regel, dass nicht nur die Hochschule einen Studienplatz bereitstellt, sondern auch ein Betrieb sich bereiterklärt, die Praxisbetreuung zu übernehmen bzw. einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen.

Derzeit werden vier Arten des Dualen Studiums unterschieden:

  • Ein ausbildungsintegriertes duales Studium umfasst neben dem Studium eine anerkannte betriebliche Berufsausbildung. In vielen Studiengängen sind daher neben Veranstaltungen an der Hochschule und Praxisphasen im Betrieb auch regelmäßige Besuche der Berufsschule Pflicht. In manchen Fällen werden aber die theoretischen Inhalte des Ausbildungsberufes auch an der Hochschule vermittelt. Am Ende hat man einen Hochschulabschluss und zugleich einen anerkannten Berufsabschluss erworben.
  • Ein praxisintegriertes duales Studium umfasst neben der Hochschulausbildung zahlreiche Praxisphasen im Betrieb, in den meisten Fällen bei ein und demselben Unternehmen. Das Studium ist praxisnäher als die klassischen Fachhochschulstudiengänge, durch die enge Bindung zum Betrieb hat man zudem oft gute Chancen auf eine Weiterbeschäftigung.
  • Ein berufsintegrierender dualer Studiengang kommt in Frage, wenn bereits ein Berufsabschluss besteht. Hochschulreife wird oft nicht vorausgesetzt. Neben dem Studium wird meist eine Teilzeittätigkeit mit inhaltlichem Bezug zum Studienfach ausgeübt.
  • Ein berufsbegleitender dualer Studiengang wird - einem klassischen Fernstudium vergleichbar - neben dem regulär ausgeübten Beruf aufgenommen. Im Unterschied zum ganz normalen nebenberuflichen Studium gibt es hier aber Unterstüzung von der/dem ArbeitgeberIn, z.B. durch Freistellungen oder Sachmittel.

Studium, Ausbildung, Praktikum oder was?

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Die praktische Ausbildung und die Vergütung werden in einem Ausbildungs-, Praktika- oder Volontariatsvertrag geregelt. Um den Anforderungen beider Seiten zu entsprechen, gibt es eine enge inhaltliche und organisatorische Abstimmung und Kooperation zwischen Hochschule und Unternehmen.

Während man an der Hochschule studiert, ist man ganz regulär StudentIn - mit Semesterticket, Studierendenausweis und vielleicht auch einem Wohnheimzimmer. Auch ein Anspruch auf BAföG oder auf Kindergeld kann - zumindest während eines praxisintegrierten oder eines ausbildungsintegrierten dualen Studiums - bestehen, wenn alle Voraussetzungen stimmen. Schwierig ist aber: Die Vergütung des Ausbildungs/Partnerbetriebes zählt als Einkommen. Mehr dazu im nächsten Absatz (Vergütung).

Während man im Betrieb ist, ist man

  • AuszubildendeR im Sinne des Berufsausbildungsgesetzes (im ausbildungsintegrierten dualen Studium)
  • ArbeitnehmerIn (im berufsintegrierten oder berufsbegleitenden dualen Studium)
  • ArbeitnehmerIn im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes (im praxisintegrierten dualen Studium)

In allen Fällen gelten arbeitsrechtliche Mindeststandards, zum Beispiel die Regeln des Arbeitsschutzes oder die gesetzlichen Festlegungen zu Arbeits- und Pausenzeiten. Der Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis ist ebenfalls unstrittig. Auch die betriebliche Interessenvertretung ist in allen Fällen gewährt - der Betriebsrat oder die Jugendauszubildendenvertretung sind deine AnsprechpartnerInnen bei Problemen mit dem/der ArbeitgeberIn - und in der Regel bist du auch wahlberechtigt.

Vergütung

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Während des Studiums zahlt der Ausbildungs/Partnerbetrieb in der Regel eine Vergütung. Sie wird im Einzelfalll auch Stipendium, Ausbildungsgeld o.ä. genannt. Die Höhe der Vergütung ist meist mit dem Ausbildungsbetrieb frei verhandelbar (zumindest theoretisch, praktisch lässt hier selten ein/e ArbeitgeberIn mit sich verhandeln) und sollte mit jedem Studienjahr steigen.
In wenigen Betrieben - z.B. im Volkswagen-Konzern - gibt es einen Tarifvertrag, der die Höhe der Vergütung verbindlich regelt. Dazu gibt es seit Herbst 2011 sogar zwei Flächentarifverträge, die die Bezahlung für dual Studierende regeln - im Metallhandwerk in Niedersachsen und Baden-Württemberg. Einige ArbeitgeberInnen übernehmen auch zusätzliche Kosten, z.B. die Zahlung der Studiengebühren.

In der Regel sind diese Vergütungen einkommensteuerpflichtig. Lediglich in praxisintegrierten dualen Studiengängen kann es im Einzelfall sein, dass die Vergütung einkommensteuerfrei ist. Hier lohnt im Zweifelsfall eine Überprüfung durch das Finanzamt.

Kindergeld können auch volljährige Kindern beziehen, wenn sie sich in ihrer Erstausbildung befinden. Während der Erstausbildung gibt es keine Hinzuverdienstgrenze. In der Zweitausbildung hängt es von der Höhe des Einkommens oder der Arbeitszeit ab. Soweit bereits ein Studium oder eine Berufsausbildung abgeschlossen wurde, kann das Kindergeld weiterhin während einer zweiten Ausbildung bezogen werden, wenn keiner anspruchsschädlichen Erwerbstätigkeit nachgegangen wird. Von unschädlicher Erwerbsarbeit wird ausgegangen, wenn es

Beim BAföG gibt es einen Einkommenfreibetrag, wird der überschritten, sinkt die BAföG-Förderung (es entstehen also weniger Schulden).

Immer wieder taucht die Frage auf, ob Vertragsklauseln, in denen die Rückzahlung von Aus- oder Fortbildungskosten festgelegt wird, falls man nach Ende der Ausbildung nicht lange genug im Betrieb bleibt, zulässig ist. Hier kommt es auf die Umstände des Einzelfalles an, eine allgemeine Bewertung ist nicht möglich.

Sozialversicherungspflicht

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Studierende in allen dualen Studiengängen, ganz gleich, ob ausbildungsintegriert, praxisintegriert, berufsintegriert oder berufsbegleitend, gelten im Sozialversicherungsrecht nicht als Studierende, das sogenannte WerkstudentInnenprivileg entfällt. Sie müssen aus ihrem Arbeitseinkommen (soweit es höher als 450 €/Monat ist) oder ihrer Ausbildungsvergütung (soweit sie höher als 325 €/Monat ist - Wert gilt 2012) in alle Zweige der Sozialversicherung einkommensabhängige Beiträge zahlen. Wer nicht beitragspflichtig ist, weil sie/er zu wenig verdient, kann sich bei den Eltern familienversichern.

Achtung: Nach einem Gerichtsurteil im Jahr 2010 galten vorübergehend (bis Ende 2011) abweichende Regelungen zur Sozialversicherungspflicht für Studierende in praxisintegrierten dualen Studiengängen. Die Bundesregierung hat durch eine Gesetzesänderung alle dualen Studiengänge zum 01.01.2012 gleichgestellt.

Übrigens: Unfallversicherungsschutz besteht im dualen Studium natürlich sowohl im Betrieb als auch an der Hochschule. In der Hochschule ist die Landesunfallkasse zuständig, im Betrieb die ArbeitgeberInnen. Nur bei praxisintegrierten dualen Studiengängen kann auch in der Praxisphase Unfallversicherungsschutz durch die Landesunfallkasse bestehen. Im Zweifel gilt: Unfallversichert bist Du ganz sicher, wenn Du wissen willst wo, prüfe es gleich bei Studienbeginn.

Das sagt die DGB-Jugend

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Duale Studiengänge sind ein gelungener Weg, wissenschaftliches Studium und betriebliche Ausbildung miteinander zu verbinden. Besonders im Vergleich mit den vor allem in vielen Fachhochschulstudiengängen üblichen umfangreichen Pflichtpraktika schneiden diese Studiengänge besser ab - weil verbindliche Vereinbarungen mit den Unternehmen zu Inhalten und Ausgestaltung der Praxisphasen verhindern helfen, dass ein Praktikum mehr Regelarbeit zum Nutzen des Unternehmens als Ausbildungszeit zum Nutzen der Praktikantin/des Praktikanten ist.

Hinzu kommt, dass üblicherweise regelmäßig eine Vergütung gezahlt wird - ähnlich wie bei Azubis. Damit wird den Studierenden ermöglicht, sich auf das - vergleichsweise zeitintensive - Studium zu konzentrieren, denn ihr Lebensunterhalt ist deutlich besser gesichert, als bei 'normalen' Studierenden.

Schöner wäre freilich eine allgemeine staatliche Studienfinanzierung, denn bezüglich der Entgelthöhe sind Studierende fast überall auf den guten Willen der Unternehmen angewiesen - gesetzliche Regelungen fehlen. Immer mehr Gewerkschaften versuchen daher, dual Studierende tariflich zu verankern.

Auch die parallele Entwicklung am Ausbildungsmarkt verträgt einen kritischen Blick. Mancherorts scheinen duale Studiengänge die regulären Ausbildungsplätze zu verdrängen, was auch wegen der oft fehlenden tariflichen Regelungen für dual Studierende finanziell günstiger für den Unternehmer sein kann. Sinnvoller ist es, duale Studiengänge und klassische Berufsausbildung schärfer voneinander abzugrenzen - und den Zugang zum dualen Studium für jeden mit abgeschlossener Berufsausbildung zu öffnen.