Deutscher Gewerkschaftsbund

Duales Studium

Grundsätzliches

Duale Studiengänge sind ein Studienformat, das vergleichbar der Berufsausbildung im dualen System zwei Lernorte unter das Dach eines auf einen Abschluss gerichteten Studienganges bringt. In diesem Fall die Lernorte Berufsakademie oder Hochschule und ein betrieblicher Praxispartner. Eher selten können zusätzlich noch die Berufsschule als dritten und gegebenenfalls die überbetriebliche Berufsbildungsstätte (ÜBS) als vierten Lernort dazukommen.

In der Regel zeichnen sich duale Studienangebote zudem durch ein doppeltes Vertragsverhältnis aus. Dual Studierende haben einen privatrechtlichen Vertrag mit einem Betrieb oder Bildungsträger (Ausbildungsvertrag o.ä.) und einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit einer Hochschule (Immatrikulation).

Das duale Studium ist heute ein fester Bestandteil des Hochschulwesens: 2016 gab es mehr als 100.000 dual Studierende in fast 1.600 Studiengängen in der Bundesrepublik und ca. 47.000 Firmen, die dafür mit Hochschulen kooperierten.

Voraussetzung für eine Zulassung an der Hochschule ist in der Regel, die Hochschulreife und die Zusage des Betriebs, die Praxisbetreuung zu übernehmen bzw. einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen.

Im Bereich des grundständigen Studiums lassen sich zwei Varianten unterscheiden:

  • Ein ausbildungsintegriertes duales Studium umfasst neben dem Studium eine anerkannte betriebliche Berufsausbildung. In vielen Studiengängen sind daher neben Veranstaltungen an der Hochschule und Praxisphasen im Betrieb auch regelmäßige Besuche der Berufsschule Pflicht. In manchen Fällen werden aber die theoretischen Inhalte des Ausbildungsberufes auch an der Hochschule vermittelt. Am Ende hat man einen Hochschulabschluss und zugleich einen anerkannten Berufsabschluss erworben.
  • Ein praxisintegriertes duales Studium umfasst neben der Hochschulausbildung Praxisphasen im Betrieb, in den meisten Fällen bei ein und demselben Unternehmen. Das Studium ist praxisnäher als die klassischen Fachhochschulstudiengänge, durch die enge Bindung zum Betrieb hat man zudem oft gute Chancen auf eine Weiterbeschäftigung.

Studium, Ausbildung, Praktikum oder was?

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Die vertragliche Grundlage für den betrieblichen Teil der Ausbildung, inklusive Vergütung wird in einem Ausbildungs-, Praktikums- oder Volontariatsvertrag geregelt. Hier werden allerdings nicht die Studieninhalte geregelt. Im besten Fall sollten aber betriebliche und hochschulische Ausbildungsphasen und Inhalte eng abgestimmt und miteinander verzahnt sein.

Während man an der Hochschule studiert, ist man ganz regulär Student_in - mit Semesterticket, Studierendenausweis und vielleicht sogar einem Wohnheimzimmer. Anspruch auf BAföG ist trotzdem nur in seltenen Fällen gegeben, da die Vergütung aus dem dualen Studium vollständig auf die BAföG-Förderung angerechnet wird. (siehe weiter unten)

Während man im Betrieb ist, ist man

  • Auszubildende_r im Sinne des Berufsausbildungsgesetzes (im Rahmen des ausbildungsintegrierten dualen Studiums)
  • Arbeitnehmer_in im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes, genauer "zur Berufsausbildung Beschäftigte" (im praxisintegrierten dualen Studium)

In beiden Fällen gelten arbeitsrechtliche Mindeststandards, zum Beispiel die Regeln des Arbeitsschutzes oder die gesetzlichen Festlegungen zu Arbeits- und Pausenzeiten. Der Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis ist ebenfalls unstrittig. Auch die betriebliche Interessenvertretung ist in allen Fällen gewährt - der Betriebsrat oder die Jugendauszubildendenvertretung sind deine Ansprechpartner_innen bei Problemen mit dem/der Arbeitgeber_in - und in der Regel bist du auch wahlberechtigt.

Vergütung

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Während des Studiums zahlt der Ausbildungs-/Partnerbetrieb in der Regel eine Vergütung. Die Höhe der Vergütung wird entweder individuell mit den Arbeitgeber_innen verhandelt oder im besten Fall durch einen Tarifvertrag geregelt (siehe unten). In der Regel sind Vergütungen einkommensteuerpflichtig.

Der Mindestlohnanspruch gilt für dual Studierende nicht:

  • Bei ausbildungsintegrierten dualen Studiengängen sind die Praxisphasen durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt und damit vom Mindestlohn ausgenommen.
  • Bei praxisintegrierten dualen Studiengängen sind die Praxisphasen in der Regel in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschrieben. Damit handelt es sich um einen Pflichtteil des Studiums, für den es keinen Mindestlohnanspruch gibt.

Wesentlich besser läuft es mit den Vergütungen und Arbeitsbedingungen, wenn ein Tarifvertrag existiert, der zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber_innen ausgehandelt wird. Es gibt noch nicht so viele, aber immer mehr Tarifverträge für dual Studierende,
Zum Beispiel gibt es in Niedersachsen im metallverarbeitenden Handwerk und bei der Volkswagen AG, bei Mahr und Sartorius in Göttingen, bei Elster in Osnabrück sowie bei ZF Lemförder solche Tarifverträge.

Auch im DB Konzern, bei der Deutschen Telekom und bei Continental regeln Tarifverträge die Bedingungen. Die Vereinbarungen zu Ausbildungsvergütung, Arbeitszeit oder Urlaubsanspruch liegen somit weit über dem gesetzlichen Mindestmaß. Zudem gibt es Regelungen zur Übernahme nach Beendigung des Studiums. Der rückwirkend zum 01. Januar 2018 geltende Tarifvertrag mit dem Thyssenkrupp-Konzern garantiert darüber hinaus sogar die Übernahme der Studienkosten (inklusive Semesterticket) und zwei Freistellungstage vor jeder Prüfung. Gewerkschaftliches Engagement lohnt sich!

Kindergeld

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Kindergeld kann in der Regel auch während eines dualen Studiums bezogen werden. Denn auch volljährige Kinder sind kindergeldberechtigt, wenn sie sich in ihrer Erstausbildung befinden. Hier gibt es auch keine Hinzuverdienstgrenze. Wenn bereits ein Studium oder eine Berufsausbildung abgeschlossen wurde, kann das Kindergeld weiterhin während einer zweiten Ausbildung bezogen werden, wenn keiner anspruchsschädlichen Erwerbstätigkeit nachgegangen wird. Von unschädlicher Erwerbsarbeit wird ausgegangen, wenn es

  • es sich um einen Minijob oder eine kurzfristige Beschäftigung handelt oder
  • diese die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit von 20 h nicht übersteigt.

BAföG

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Dual Studierende erhalten in der Regel kein BAföG, da die im BAföG geregelten Freibeträge nicht für Einkommen aus Ausbildungsverträgen oder Pflichtpraktika gelten und sie so schlicht "zu viel" verdienen. Bei sehr geringem Einkommen kann sich eine Antragstellung jedoch ggf. lohnen. Liegen Praxisbetrieb und Hochschule sehr weit auseinander gibt es ggf. die Möglichkeit über eine Steuererklärung die Förderfähigkeit zu erreichen. Eine Beratung bei Steuerberat_innen ist hier aber unabdingbar.

Sozialversicherungspflicht

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Studierende in allen dualen Studiengängen, ganz gleich, ob ausbildungs- oder praxisintegriert gelten im Sozialversicherungsrecht nicht als Studierende. Das sogenannte Werkstudent_innenprivileg entfällt. Sie müssen aus ihrem Arbeitseinkommen (soweit es höher als 450 €/Monat ist) oder ihrer Ausbildungsvergütung (soweit sie höher als 325 €/Monat ist) in alle Zweige der Sozialversicherung einkommensabhängige Beiträge zahlen. Wer nicht beitragspflichtig ist, weil sie_er zu wenig verdient, kann sich ggf. bei den Eltern familienversichern.

Übrigens: Unfallversicherungsschutz besteht im dualen Studium natürlich sowohl im Betrieb als auch an der Hochschule. In der Hochschule ist die Landesunfallkasse zuständig, im Betrieb die Arbeitgeber_innen. Nur bei praxisintegrierten dualen Studiengängen kann auch in der Praxisphase Unfallversicherungsschutz durch die Landesunfallkasse bestehen. Im Zweifel gilt: Unfallversichert bist du ganz sicher, wenn du wissen willst wo, prüfe es gleich bei Studienbeginn.

Das sagt die DGB-Jugend

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Duale Studiengänge erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sowohl die Angebote, als auch die Nachfrage steigt in den letzten Jahren stetig. Doch die Bedingungen, unter denen gelernt wird, sind nicht immer die besten. Aus Sicht der Gewerkschaften gibt es zahlreiche Handlungsfelder.

Dazu gehören die oft unzureichende Verzahnung vom hochschulischen und betrieblichen Teil des dualen Studiums, eine hohe zeitliche Belastung sowie unklare Karrierewege. Deshalb fordern wir:

  • eine bessere Abstimmung von Theorie und Praxis, um dem häufig unverbundenem Nebeneinander von Hochschule und Betrieb entgegen zu wirken.
  • eine Regulierung der engen Studienbewerber_innenauswahl sowie der finanziellen Belastung der Studierenden (Studierenden (z.B. durch Studiengebühren an privaten Hochschulen), um sozialer Auslese vorzubeugen.
  • eine Begrenzung der hohen Arbeitsbelastung.
  • die Abschaffung der unzureichenden vertraglichen Absicherung durch Praktikumsverträge. Ausbildungsverträge sollen hier Standard werden.

Nur wenn hier tragfähige Lösungen gefunden werden, kann das duale Studium seinen besonderen Profilanspruch erfüllen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und seine Mitgliedsgewerkschaften haben in einem Positionspapier ausführlich dargestellt, wo die Probleme liegen und was zu tun ist.