Deutscher Gewerkschaftsbund

Arbeitszeit/Pausen

Arbeitszeit

Unabhängig davon, welche Arbeitszeit im Arbeitsvertrag festgelegt wird, gibt es gesetzliche Einschränkungen für die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit. Pro Tag darf höchstens 8 Stunden (plus die Zeit der Pausen) gearbeitet werden. In Ausnahmefällen - aber nicht dauerhaft - kann die tägliche Arbeitszeit 10 Stunden betragen. Weitere einschränkende Festlegungen können sich aus dem Arbeitsvertrag oder aus Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen ergeben. Auch nach unten hin gibt es Grenzen: Es darf z.B. nicht null Stunden als regelmäßige Arbeitszeit vereinbart werden und dir dann nur Gehalt gezahlt werden, wenn Arbeit anfällt. Denn das würde das unternehmerische Risiko einseitig auf die Arbeitnehmer_innen abwälzen.

Zur Arbeitszeit gehören natürlich alle Tätigkeiten, die du regulär für den_die Arbeitgeber_in verrichtest, also auch das Abrechnen der Kasse (z.B. bei Kellner_innen oder Kassierer_innen), eine Dokumentation am Ende des Arbeitstages (z.B. in der Pflege) oder das An- und Auskleiden vorgeschriebener Arbeitsschutz- oder Dienstkleidung, wenn die Kleidung so auffällig oder unpraktisch ist, dass sie auf dem Weg zur Arbeit nicht getragen werden muss.

Die Lage der Arbeitszeit (also ob du morgens um 7 oder um 9 anfangen musst) kann die_der Arbeitgeber_in - wenn sie nicht vertraglich festgelegt ist - selbst bestimmen, muss aber berechtigte Interessen der Arbeitnehmer_innen (zum Beispiel familiäre Belange) dabei berücksichtigen.

Zwischen zwei Arbeitseinsätzen/Schichten müssen mindestens 11 Stunden liegen, in denen nicht gearbeitet wird.

Übrigens: Studierende dürfen auch mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Die 20-h-Regel hat nichts mit dem Arbeitsrecht zu tun und daher gibt es kein Verbot mehr zu arbeiten. Jedoch ist die Regel in der Sozialversicherung für jobbende Studierende relevant, die im Status der Werkstudent_innen arbeiten.

Pausen

Nach oben

Wer ununterbrochen arbeitet, kann sich irgendwann kaum mehr konzentrieren. Deshalb schreibt das Gesetz nach 6 Stunden Arbeit mindestens 15 Minuten Pause vor - als Verpflichtung für Arbeitnehmer_innen und Arbeitgeber_in gleichermaßen. Wer 6 bis 9 Stunden arbeitet, muss innerhalb dieser Zeit insgesamt 30 Minuten Pause machen (dürfen). Wer mehr als 9 Stunden arbeitet, muss sogar 45 Minuten Pause machen.

Pausen werden nicht bezahlt, du solltest sie auch nicht an deinem Arbeitsplatz verbringen. Du darfst sie frei nach deinen Vorstellungen gestalten, meist sogar den Betrieb verlassen. Und: Pausen sind keine Bereitschaftszeiten: Dein_e Chef_in kann dich in dieser Zeit nicht mal eben zurückrufen.

Zulässig ist übrigens der Gang zur Toilette oder ein kurzer Schwatz unter Kolleg_innen auf dem Büroflur während der Arbeitszeit - hierfür braucht man nicht "in die Pause zu gehen". Anders sieht es bei der 'Rauchpause' aus. Auf diese gibt es keinen gesetzlichen Anspruch, sondern sie ist Privatsache. Während der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen darfst du natürlich rauchen, denn die Gestaltung dieser steht dir frei zu. 

Überstunden

Nach oben

Niemand macht gern Überstunden? Gerade wer nicht Vollzeit arbeitet und immer knapp bei Kasse ist, freut sich vielleicht über den einen oder anderen Euro mehr. Dennoch ist es auf Dauer und oft auch im Einzelfall anstrengend, wenn man unvorbereitet länger bleiben soll, weil es noch genug zu tun gibt. Darum gibt es auch zu Überstunden rechtliche Regelungen:

  • Überstunden werden zusätzlich zum vereinbarten Arbeitslohn bezahlt. Wer länger arbeitet, hat auch Anspruch auf mehr Geld.
  • Freizeitausgleich, das so genannte Abbummeln von Überstunden, kann die_der Arbeitgeber_in nur verlangen, wenn es eine entsprechende Vereinbarung im Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag gibt. Dann entscheidet der_die Arbeitgeber_in allein, ob er Freizeitausgleich gewährt oder die Überstunden bezahlt. Solche Vereinbarungen im Arbeitsvertrag solltest du genau von einer Arbeitsrechtsexpertin prüfen lassen, denn sie enthalten oft unzulässige Klauseln.
  • Überstundenzuschlag gibt es nur, wenn er im Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag festgeschrieben oder in der Branche üblich ist.
  • Eine Klausel im Arbeitsvertrag, nach der zum Beispiel wegen angeblicher übertariflicher Bezahlung Überstunden mit dem vereinbarten Arbeitsentgelt pauschal abgegolten sind, ist nur zulässig, wenn kein geltender Tarifvertrag dagegenspricht. Außerdem muss im Vertrag klar festgeschrieben sein, wie viele Überstunden pro Monat pauschal abgegolten sind. Außerdem sollte das Gesamteinkommen so hoch sein, dass bei Berücksichtigung der Überstunden noch ein vernünftiger Stundenlohn besteht.
  • All das gilt freilich nicht, wenn du die Überstunden aus freien Stücken leistest. Anspruch auf Bezahlung und ähnliches besteht in der Regel nur, wenn die Mehrarbeit vom Vorgesetzten angeordnet wurde.

Sonntagsarbeit

Nach oben

Der Sonntag ist arbeitsfrei. Wer regelmäßig die ganze Woche (also an allen sechs Werktagen) arbeitet und - zum Beispiel in der Krankenpflege oder der Gastronomie - an einem Sonntag ebenfalls arbeiten muss, hat gesetzlichen Anspruch auf Freizeitausgleich. Das heißt, innerhalb von zwei Wochen muss man an einem normalen Werktag nicht arbeiten.

Die Bezahlung ändert sich dadurch nicht - im Durchschnitt arbeitet man an sechs Tagen pro Woche - und wird also auch immer für sechs Tage pro Woche bezahlt (Gegebenenfalls kommen aber Zuschlägen für Nacht-, Wochenend- oder Schichtarbeit hinzu, mehr dazu unter Lohn).

Mindestens 15 Sonntage müssen trotzdem übers Jahr arbeitsfrei bleiben. Für Nacht- und Schichtarbeit gelten zudem weitere Einschränkungen.

Auch wer regulär nur fünf Tage oder weniger pro Woche arbeitet, hat Anspruch auf 15 arbeitsfreie Sonntage im Jahr. Wenn an anderen Sonntagen gearbeitet wird, ohne dass die vereinbarte Zahl der Wochenarbeitstage überschritten wird, besteht nach aktueller Rechtsprechung kein Anspruch auf einen zusätzlichen Ausgleichstag für die Sonntagsarbeit.

Das sagt die DGB-Jugend

Nach oben

Gerade wer jung ist und ungebunden, erklärt gern: Ich kann auch mal zwölf Stunden am Stück arbeiten. Und manche_r Arbeitgeber_in erwartet Einsatzbereitschaft bis spät in die Nacht und am Wochenende. Mag sein, dass das mal geht, wenn gerade vorlesungsfreie Zeit ist - aber auf Dauer ist das für alle gesundheitsschädlich - köperlich und psychisch.

Deshalb sind die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten genauso richtig und wichtig wie die verpflichtenden Pausenzeiten, die dafür sorgen, dass man mal abgelenkt ist, auftanken, entspannen kann - um danach konzentriert weiterarbeiten zu können. Deshalb ist es auch richtig, dass Überstunden zuerst mit Freizeit ausgeglichen werden - denn das schönste Geld ist nichts Wert, wenn man keine Zeit hat.

Besonders wichtig ist uns auch die Einschränkung von Nacht- und Sonntagsarbeit auf das notwendigste Maß: Krankenhäuser, Nahverkehr, Gastronomie. Dienstleistungsanbieter_innen und Einzelhandelsgeschäfte, die sieben Tage die Woche 24 Stunden geöffnet haben, braucht hingegen niemand. Wer nicht mehr arbeitet, als im Gesetz vorgeschrieben, kann auch zu den üblichen Landenöffnungszeiten Einkaufen gehen.