Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudent_innen

Studierende, die neben dem Studium in einer abhängigen Beschäftigung arbeiten - ganz gleich, ob es ein Minijob, Midijob, eine kurzfristige oder eine reguläre studentische Beschäftigung ist oder ob es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt, werden oft als Werkstudent_innen bezeichnet. (Für nähere Infos zu Beschäftigungsarten und Kombinationen lest bitte hier weiter.)

Der Werkstudent_innenstatus ist allerdings ein Status innerhalb der Sozialversicherung. Dieser gilt für alle „ordentlichen Studierenden“, die neben dem Studium in abhängiger Beschäftigung arbeiten und nicht geringfügig beschäftigt sind, also einen Minijob oder eine kurzfristige Beschäftigung ausüben.

Studierendenstatus in der Sozialversicherung

Für Studierende gibt es einen Sonderstatus in der Sozialversicherung. Weil ein_e Studierende_r nicht automatisch ein Einkommen hat, kann sie_er auch nicht einkommensabhängige Beiträge (also Pflichtbeiträge, deren Höhe abhängig vom Einkommen variiert) zur Sozialversicherung leisten. Wer aber keine Beiträge zahlt, hat auch keinen Anspruch auf Leistungen. Es besteht aber eine Pflicht zur Krankenversicherung in Deutschland.

Deshalb gilt auch für Studierende, die an einer anerkannten Hochschule des Inlandes immatrikuliert sind, dass sie während ihres Studiums krankenversichert sein müssen. In Frage kommen dafür die studentische Krankenversicherung, die Familienversicherung in einer gesetzlichen Krankenkasse, die "freiwillige Versicherung" oder der Abschluss eines privaten Krankenversicherungsvertrages bzw. die Mitversicherung dort über die Eltern.

Die Pflegeversicherung wird zusammen mit der gesetzlichen Krankenversicherung abgeführt.

In anderen Sozialversicherungszweigen besteht keine Versicherungspflicht, allerdings gewährt der Staat einen kostenlosen Unfallversicherungsschutz. Anders als Auszubildende in Unternehmen fallen Studierende und Doktorand_innen in den Aufgabenbereich der Unfallkassen der jeweiligen Bundesländer. Die Mitgliedschaft in der Unfallversicherung ist für Studierende und Doktorand_innen beitragsfrei, die Tragung der Prämien erfolgt aus dem Landeshaushalt.

Beschäftigte Studierende sind zudem über die Unfallversicherung ihrer Arbeitgeber_innen versichert. Je nachdem, ob sich ein Unfall in der bzw. auf dem Weg zur Uni oder zur Arbeit ereignet, greift die entsprechende Unfallversicherung.

Der Studierendenstatus in der Sozialversicherung endet mit der Exmatrikulation. Wer nach Absolvieren der letzten Abschlussprüfung weiterhin (also bis zum Semesterende) immatrikuliert bleibt, kann in dieser Zeit weiter studentisch krankenversichert sein. Ausnahme: Wer arbeiten geht und sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist (also kein Minijob, keine kurzfristige Beschäftigung), muss nach Ablauf des Monats, in dem sie_er schriftlich vom Gesamtergebnis der Prüfungsleistung offiziell unterrichtet wurde, aus seinem_ihrem Einkommen ganz regulär Beiträge in alle Sozialversicherungszweige entrichten. Also auch in die Kranken- und Pflegeversicherung. Eine studentische Krankenversicherung kommt dann nicht in Frage.

Wer sich vom Studium beurlauben lässt und während dieser Zeit nicht arbeiten geht, behält den Studierendenstatus in der Sozialversicherung. Nur wer arbeiten geht und sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist (also kein Minijob, keine kurzfristige Beschäftigung) gilt während des Urlaubssemesters als reguläre_r Arbeitnehmer_in und muss Beiträge in alle Sozialversicherungszweige entrichten.

Im Masterstudium besteht der Studierendenstatus weiter, im Promotionsstudium besteht er hingegen nicht. Teilzeitstudierende gelten in der Sozialversicherung als Arbeitnehmer_innen. Wenn ihr Studium allerdings mehr als die Hälfte der üblichen Zeit eines Vollzeitstudiums ausmacht, können auch Teilzeitstudierende im Nebenjob als Werkstudent_innen angemeldet werden.

Für Studierende, die neben dem Studium arbeiten, gibt es folgende Sonderregelungen:

Werkstudent_innenstatus

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Werkstudent_innenstatus oder auch bekannt als die 20h-Regel, heißt die Regelung, nach der beschäftigte Studierende einen besonderen Status in der Sozialversicherung einnehmen.
Sie besagt, dass, wer hauptsächlich studiert und nicht mehr als 20h/Woche arbeitet, grundsätzlich als „ordentliche Student_in" in der Sozialversicherung gilt.

Dahinter steckt die Idee, dass bei einer Wochenarbeitszeit von nicht mehr als 20h, bei Vollzeit immatrikulierten Student_innen das Studium bzw. die Zeit, die sie dafür aufwenden, generell überwiegt. Davon wird dann auch grundsätzlich ohne weitere Überprüfung ausgegangen.

Werkstudent_innen müssen vom Gehalt nur in die Rentenversicherung reguläre Beiträge einzahlen. Die Kranken- und Pflegeversicherung wird bei Studierenden anders abgedeckt (siehe oben). Die Arbeitslosenversicherung fällt weg.

Die damit verbundenen Regelungen ergeben sich aus dem Sozialrecht. Dort ist häufig von „ordentlichen Studierenden" die Rede. Was damit genau gemeint ist, welche Ausnahmen möglich sind und wer (ggf. noch) unter diesen Begriff fällt, wird in Vereinbarungen zwischen den Sozialversicherungsträgern konkretisiert, in denen die Paragraphen des Sozialrechts vor allem auf Grund der Rechtsprechung ausgelegt werden. Bei Problemen mit dem Studierendenstatus in der Sozialversicherung ist deine Krankenkasse die erste Ansprechpartnerin, da sie diese Einstufung vornimmt.

Wenn sich deine Auffassung, wie du korrekt angemeldet werden musst, von der der Krankenkasse oder deiner Arbeitgeber_innen unterscheidet, kannst du auch über die Deutsche Rentenversicherung Bund ein sogenanntes Statusfeststellungsverfahren beantragen. Dort wird dein sozialversicherungsrechtlicher Status geprüft. Sowohl du, die Krankenkasse als auch deine Arbeitgeber_innen müssen sich an diese Entscheidung halten oder Rechtsmittel einlegen.

Bei der 20h-Regel handelt es sich zudem nicht um eine Verbotsgrenze, sondern lediglich um eine Orientierungsrichtlinie innerhalb der Sozialversicherung. Auch als Student_in darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status als Student_in innerhalb der Hochschule hat das keinen Einfluss. Dort bist und bleibst du Student_in, solange du immatrikuliert bist.

Ausnahmen:

Die regelmäßige Arbeitszeit kann auch im Werkstudent_innenstatus 20h/Woche überschreiten, soweit die Beschäftigung bzw. die erhöhte Wochenstundenzahl auf die vorlesungsfreie Zeit beschränkt ist.

Arbeitest du in einer auf bis zu max. 26 Wochen befristeten Beschäftigung, kann die wöchentliche Arbeitszeit 20h auch während der Vorlesungszeit überschreiten, wenn der überschreitende Teil deiner Arbeitszeit aufs Wochenende, nachts oder abends entfällt.

Dies gilt auch bei mehreren befristeten Beschäftigungen, die du im Laufe des Jahres nach- oder nebeneinander ausübst. Die Arbeitszeit aus kurzfristigen Beschäftigungen und Minijobs wird dabei ebenso miteingerechnet, wie die Arbeitszeit aus befristeten regulären studentischen Beschäftigungen, in- und außerhalb der Vorlesungszeit. Auch, wenn die kurzfristigen Beschäftigungen und Minijobs für sich sozialversicherungsfrei sind/bleiben.

Der ausschlaggebende Zeitraum für die 26-Wochen-Regel bezieht sich nicht auf das laufende Kalenderjahr, sondern es wird für ein Jahr vom angenommenen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung aus zurückgerechnet.

Kein Werkvertrag: Werkstudent_innenjobs sind nicht Jobs mit Werkvertrag. Werkstudent_innen sind abhängig Beschäftigte, also Arbeitnehmer_innen. Sie haben einen Arbeitsvertrag geschlossen (am besten schriftlich!). Wer einen Werkvertrag abschließt, ist hingegen selbstständig tätig.

Wichtig für Werkstudent_innen

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Immatrikulationsbescheinigung: Werkstudent_innen müssen regelmäßig eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung (einer anerkannten Hochschule des In- oder Auslandes) bei ihrer_m Arbeitgeber_in abgeben, die_der leitet sie an die Krankenkasse weiter. Nur wer immatrikuliert ist, sich nicht im Urlaubssemester befindet und auch die Abschlussprüfungsnote noch nicht offiziell erhalten hat, gilt als Werkstudent_in. Nicht nötig ist hingegen, dass die Arbeitstätigkeit in irgendeiner Beziehung zum Studienfach steht.

Arbeitsrecht:
Arbeitsrechtlich sind Werkstudent_innen i.d.R. Teilzeitbeschäftigte. Die üblichen Regeln des Arbeitsrechtes gelten auch in Werkstudent_innenjobs. Es gibt keine Sonderregeln für Studierende im Arbeitsrecht.

Kündigung:
Es ist kein Kündigungsgrund, wenn die_der Werkstudent_in den Studierendenstatus in der Sozialversicherung verloren hat und die_der Arbeitgeber_in folglich die vollen Sozialversicherungsbeiträge für sie_ihn entrichten muss.

Arbeitsvertrag:
Eine Änderung des Arbeitsvertrages ist nicht nötig, nur weil sich der Sozialversicherungsstatus ändert. Relevant ist nicht, wie der Arbeitsvertrag überschrieben ist (z. B. "studentische Aushilfe", "Werkstudierendenvertrag"), sondern nur die Kriterien, die erfüllt werden. Der Arbeitsvertrag gilt unverändert fort, ggf. sogar wenn dein Studium beendet ist (Ausnahme: studentisch Beschäftigte an Hochschulen).

Sollte es hier Probleme geben, kann eine persönliche Beratung, zum Beispiel bei der Gewerkschaft helfen.

Als Werkstudent_in gilt:

  • Wer Vollzeit immatrikuliert ist. Dies gilt auch für Student_innen an Fernuniversitäten.
  • Wer im Teilzeitstudium nachweist, dass sie_er mehr als die Hälfte der Zeit eines Vollzeitstudiums studiert.
  • Wer mit allen Nebenjobs eine regelmäßige Wochenarbeitszeit von insgesamt 20h nicht überschreitet. Dies gilt auch für Student_innen im Masterstudium oder einem eigenständigen Zweitstudium.
  • Wer ihr_sein Studium an einer anderen Hochschule fortsetzt und beim Wechsel zwischen FH und Uni wegen asynchroner Semesterzeiten (Lücke zwischen Semesterende an der alten und Semesterbeginn an der neuen Hochschule) für längstens einen Monat nicht immatrikuliert ist.
  • Aber auch, wer wegen Überschreitung der Alters- oder Semestergrenze von der studentischen Krankenversicherung ausgeschlossen ist. Sie_Er zahlt dann ggf. Beiträge zur freiwilligen Krankenversicherung. Der_die Arbeitgeber_in zahlt hier weiterhin nichts dazu.

Als Werkstudent_in gilt nicht:

  • Wer in unbefristeter(n) Beschäftigung(en) mehr als 20h/Woche arbeitet, unabhängig von der Lage der Arbeitszeit, also auch bei Nacht- oder Wochenendarbeit.
  • Wer mehr als 25 Fachsemester studiert und nicht belegt, dass das Studium weiterhin im Vordergrund steht.
  • Wer für die Dauer des Studiums von der_dem Arbeitgeber_in beurlaubt ist, aber weiterhin als angestellt gilt und auch weiter volles Gehalt bekommt.
  • Wer in Teilzeit eingeschrieben ist und nebenher arbeiten geht - selbst wenn die 20h-Grenze nicht überschritten wird. Dies gilt für Fachhochschulen, Universitäten und Fernhochschulen gleichermaßen.
  • Wer für betriebliche Weiterbildungen in berufsintegrierten und berufsbegleitenden Studiengängen oder Fernstudiengängen an einer beliebigen ordentlichen Hochschule eingeschrieben ist.
  • Wer einen Dualen Studiengang absolviert. Da das Studium hier Bestandteil eines Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses ist, besteht Versicherungspflicht als zur Berufsausbildung Beschäftigte_r.
  • Wer sich in einer Lücke zwischen der Beendigung des Bachelor- und dem Beginn des Masterstudiums befindet.
  • Wer sich im Promotionsstudium befindet.
  • Wer sich im Urlaubssemester befindet. Wenn du in einem solchen Fall sozialversicherungspflichtig beschäftigt bist (also kein Minijob, keine kurzfristige Beschäftigung), musst du aus deinem Einkommen ganz regulär Beiträge in alle Sozialversicherungszweige entrichten, also auch in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Nach dem Urlaubssemester kannst du aber wieder in den Werkstudierendenstatus und ggf. in die studentische Krankenversicherung zurückwechseln.
  • Wer lediglich selbständig (also gegen Honorar oder auf Rechnung) arbeitet. Grund: Selbständige sind mir ihrem Einkommen nicht gleichermaßen sozialversicherungspflichtig. Anspruch auf die studentische Krankenversicherung kann aber auch für sie bestehen, solange sie immatrikuliert sind und höchstens 15-20h pro Woche in der selbständigen Tätigkeit arbeiten. Wer abhängige Beschäftigung und Selbständigkeit nebeneinander ausübt, muss ebenfalls die Arbeitszeit aus beiden Bereichen zusammenrechnen und darf damit 20h/Woche nicht überschreiten.