Deutscher Gewerkschaftsbund

Mehrere Jobs kombinieren

Viele Student_innen haben nicht nur einen Job, sondern mehrere. Manch eine_r kombiniert Selbstständigkeit mit abhängiger Beschäftigung, der_die andere mehrere abhängige Beschäftigungen miteinander. Das alles ist grundsätzlich möglich und legal, allerdings sollten nicht nur bestimmte Freibeträge, Einkommens- und Arbeitszeitgrenzen beachtet werden, sondern auch andere rechtliche Regelungen, wie Informations- und Meldepflichten sowie Besonderheiten im Umgang mit arbeitsrechtlichen Schutz- und Mindeststandards.

Freibeträge und Einkommensgrenzen

Wo immer es Einkommensgrenzen bzw. Freibeträge gibt, müssen die Einkünfte aus allen Tätigkeiten in der Regel zusammengezählt werden. Das gilt insbesondere beim BAföG, beim Wohngeld, bei der Familienversicherung der gesetzlichen Krankenkassen, der Einkommens-/ Lohnsteuer und beim ALG II. In vielen Fällen werden sogar noch andere Einkünfte oder Bezüge dazugerechnet. Unter bestimmten Umständen kann es aber auch Ausnahmeregelungen von einer Anrechnung geben, wie zum Beispiel bei Einkünften, die unter die Übungsleiter_innenpauschale fallen - mehr dazu auf den jeweiligen Seiten.

Steuern

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Einkommenssteuer wird fällig, wenn die Summe aller deiner Einkünfte so hoch ist, dass sie deinen Freibetrag übersteigt und sich eine Steuerpflicht ergibt.
Hier werden also alle Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit und abhängiger Beschäftigung zusammengerechnet. Einkommenssteuer wird aber nur auf den Betrag fällig, der deinen Freibetrag übersteigt. Bei abhängiger Beschäftigung kannst du dazu noch die Werbungskostenpauschale geltend machen sowie ggf. weitere Kosten wie Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen und höhere Werbungskosten.

Wenn Du mehrere abhängige Beschäftigungen ausübst, werden diese eventuell über unterschiedliche Lohnsteuerklassen abgerechnet. Beachte dann, dass nur auf einer dein Freibetrag eingetragen ist, auf alle anderen Klassen wird vom ersten Cent an Lohnsteuer abgeführt, die Du dir aber ggf. durch eine Steuererklärung zurückerstatten lassen kannst.

Denke daran, dass du bei Selbstständigkeit selbst dafür verantwortlich bist, dich anzumelden und deine Steuern abzuführen. Zur Abgabe einer Steuererklärung bist du bereits verpflichtet, wenn dein Gewinn aus selbstständiger Tätigkeit neben abhängiger Beschäftigung über 410€/Jahr liegt.

Sozialversicherung

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Bei der Berechnung der Beiträge zur Sozialversicherung, die für Einkünfte aus abhängiger Beschäftigung erhoben werden, zählt jeder Job für sich. In den meisten Fällen ist es unproblematisch, wenn verschiedenartige oder gleichartige Jobs nebeneinander (bei verschiedenen Arbeitgeber_innen) ausgeübt werden. Allerdings gibt es Sonderregelungen, insbesondere bei geringfügigen Beschäftigungen, wie Minijobs und kurzfristiger Beschäftigung, die ihr in den jeweiligen Artikeln nachlesen könnt.

Wenn Selbstständigkeit und abhängige Beschäftigung(-en) neben dem Studium parallel ausgeübt werden, hat das zumeist keine Auswirkungen auf die Einstufung der jeweiligen Tätigkeit in der Sozialversicherung. Die Ausnahme ist hier die mögliche Einstufung einer selbstständigen Tätigkeit als hauptberuflich, da dort unter anderem zeitlicher Aufwand und Verdiensthöhe der beiden Beschäftigungsarten gegeneinander aufgewogen werden können. Lies hierzu in unserer Broschüre Selbstständigkeit und Studium weiter.

Informations- und Meldepflichten

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Du bist grundsätzlich dazu verpflichtet, immer allen deinen Arbeitgeber_innen alle für deine korrekte Anmeldung relevanten Informationen zukommen zu lassen sowie umgehend zu melden, wenn du (z.B. wegen Krankheit) daran gehindert bist, zur Arbeit zu kommen.

Denke bei Mehrfachbeschäftigung daran, dass du zu Semesterbeginn bei allen Arbeitgeber_innen eine Immatrikulationsbescheinigung einreichen musst. Bekommst du von deiner Hochschule zu wenige ausgehändigt und kannst diese nicht selber über Internetportale deiner Hochschule ausdrucken, wende dich an dein zuständiges Immatrikulationsbüro bzw. den Studierendenservice deiner Uni. Ggf. reicht es der einen oder dem anderen Arbeitgeber_in auch aus, wenn du eine einfache Kopie unter Vorlage deines Studierendenausweises einreichst.

Auch wenn du deine letzte Prüfungsleistung erbracht hast (dies ist in der Regel die Abgabe deiner Abschlussarbeit), musst du das deine_r/m Arbeitgeber_in mitteilen. Ab diesem Zeitpunkt endet nämlich der Werkstudent_innenstatus in der Sozialversicherung.

Außerdem bist du verpflichtet, immer allen deinen jeweiligen Arbeitgeber_innen deine jeweils anderen Jobs mitzuteilen. Dazu gehören ggf. auch Informationen über deine Verdiensthöhe, deine regelmäßige Wochenarbeitszeit sowie deren Lage. Nur so können deine Arbeitgeber_innen ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen, dich korrekt anzumelden und deine Sozialabgaben richtig zu berechnen und abzuführen.
Aber selbst wenn es deswegen mal Stress geben sollt: Keine Panik! Verbieten kann dir dein_e Arbeitgeber_in eine weitere Beschäftigung nämlich nicht so ohne weiteres. Mehr dazu hier im nächsten Abschnitt zu arbeitsrechtliche Regelungen.

Arbeitsrechtliche Regelungen

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Arbeitszeit
Eine tägliche Arbeitszeit von mehr als 10 h (durchschnittlich 8h) sowie eine vertragliche Wochenarbeitszeit von mehr als 48h in abhängiger Beschäftigung sind gesetzlich verboten. Hier werden die Arbeitszeiten aller abhängigen Beschäftigungen (Minijob, Midijob, kurzfristige Beschäftigung, reguläre Beschäftigung), zu denen Du vertraglich verpflichtet bist oder die Du tatsächlich ableistest, zusammengerechnet. Auch sind die gesetzlichen Pausen- und Ruhezeiten bei mehreren Jobs zu beachten.
Besteht bereits ein Arbeitsverhältnis und wird mit eine_r/m weiteren Arbeitgeber_in ein Vertrag geschlossen, durch den eine dieser Grenzen überschritten würde, ist dieser Arbeitsvertrag nichtig. Im schlimmsten Fall kannst du dich damit sogar schadensersatzpflichtig machen.
Du kannst Dich allenfalls mit de_r/m Arbeitgeber_in einigen, dass der Vertrag nur für den gesetzlich erlaubten Arbeitszeitumfang gilt.

Für Studierende ist außerdem die Wochenarbeitszeit von 20h für den Werkstudent_innenstatus in der Sozialversicherung interessant. Hier gilt: Die Arbeitszeiten aus allen Tätigkeiten werden zusammengezählt, wenn es um die Überprüfung des Sozialversicherungsstatus geht. Hier wird auch die Arbeitszeit aus selbstständiger Arbeit hinzugerechnet - obwohl man nur in der abhängigen Beschäftigung von dem Sonderstatus profitiert. Selbstverständlich gelten auch bei mehreren Jobs die Ausnahmen von der 20h-Regel. Beachte, dass es sich hier nicht um eine arbeits- sondern um eine sozialversicherungsrechtliche Regelung handelt. Das heißt, es ist nicht verboten, mehr als 20h/Woche – auch während eines Studiums – zu arbeiten! Auf deinen Status als Student_in innerhalb deiner Hochschule hat das keinen Einfluss.

Kündigung wegen Wegfall Werkstudent_innenstatus
Eine personenbedingte Kündigung ist nicht möglich, weil du den Student_innenstatus in der Sozialversicherung verloren hast und die_der Arbeitgeber_in folglich die vollen Sozialversicherungsbeiträge für dich entrichten muss. Dies ist z.B. der Fall, wenn du ein Urlaubssemester nimmst, auf Teilzeitstudium wechselst oder dein Studium beendest/abbrichst. Auch wenn sich dein Sozialversicherungsstatus durch die Aufnahme einer weiteren Tätigkeit ändert, z.B. wenn du erst dadurch regelmäßig über 20h/Woche arbeitest, kann dir nicht aus diesem Grund gekündigt oder die Ausübung dieser Tätigkeit verboten werden. Eine persönliche Beratung, zum Beispiel bei deiner Gewerkschaft, kann da helfen.

Verbot der Mehrfachbeschäftigung
Ein Arbeitsverbot in einem anderen Job/Unternehmen ist nur in wenigen Ausnahmefällen möglich, z.B. wenn es sich inhaltlich um gegensätzliche Interessen, wie insbesondere bei Tendenzbetrieben, handelt. Lass dich im Zweifel zu dieser Thematik bei deiner Mitgliedsgewerkschaft beraten oder nutze eine andere anwaltliche Beratung.

Urlaub
Während des gesetzlichen Urlaubs darfst du keiner Tätigkeit nachgehen, die dem Urlaubszweck entgegensteht. Das heißt, dass du bei mehreren Jobs darauf achten musst, deinen Urlaub zeitgleich zu nehmen. Urlaub im einen Job zu nehmen, um eine Zusatzschicht im anderen zu übernehmen, ist nicht erlaubt! Auch ist es nicht erlaubt, im Sommer z.B. 4 Wochen Urlaub zu nehmen und dann in dieser Zeit einem – ggf. besser bezahlten – Ferienjob nachzugehen.
Es besteht kein gesetzlicher Freistellungsanspruch im einen Job, um im anderen Job deinen vertraglichen Pflichten nachzukommen. Wäge am besten vor Arbeitsaufnahme ab, ob du zwei oder mehrere Jobs unter einen Hut bekommst. Sprich Arbeitszeiten so klar und genau wie möglich im Vorfeld ab und lass diese ggf. vertraglich festschreiben.

Krankheit
Wenn du krank wirst und dich arbeitsunfähig schreiben lässt, teile dies immer umgehend allen deinen Arbeitgeber_innen mit! Nur so verwirkst du deinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung nicht, den du in allen deinen abhängigen Beschäftigungen gesetzlich hast.
Sprich im Vorfeld schon mal ab, wie du und deine Arbeitgeber_innen damit umgehen wollt, dass nur eine_r deine_r Arbeitgeber_innen das Original deiner Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bekommen kann.

Weitere Kombinationsmöglichkeiten

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