Deutscher Gewerkschaftsbund

Bachelorand_innen, Masterand_innen

In manchen Studiengängen ist es üblich oder zumindest möglich, die Abschlussarbeit (meist Bachelor- , Master- oder Diplomarbeit) in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen zu erstellen. Die_der Student_in erforscht oder entwickelt dabei etwas für das Unternehmen und stellt diese Ergebnisse nicht nur dem Unternehmen zur Verfügung, sondern verwertet sie auch in seiner_ihrer Abschlussarbeit.

Strenge Voraussetzungen

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Hier gilt: Begibst du dich allein zur Erstellung der für den Studienabschluss erforderlichen Abschlussarbeit in einen Betrieb und erbringst in dieser Zeit neben der Erstellung deiner Abschlussarbeit keine für den Betrieb verwertbare Arbeitsleistung, gehörst du nicht zu den abhängig Beschäftigten. Stattdessen zählst du als Bachelorand_in, Masterand_in oder Diplomand_in. Die Zeit, die du im Betrieb verbringst, wird dann auch nicht auf die 20-Stunden-Regelung (Werkstudent_innenregelung) bei der Sozialversicherung angerechnet.

Voraussetzung ist auch, dass deine Arbeit nicht in den Betriebsablauf eingegliedert ist. Du arbeitest selbständig und eigenverantwortlich und kannst dir deine Arbeitszeit frei einteilen. Vom Unternehmen werden lediglich Betreuungsaufgaben übernommen.

Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, wird deine Tätigkeit im Unternehmen nicht als Bachelor- bzw. Masterand_innen-Tätigkeit, sondern als reguläre studentische Beschäftigung (ggf. auch als Minijob oder kurzfristige Beschäftigung) betrachtet und auch hinsichtlich der Sozialversicherung und des Arbeitsrechtes so behandelt. Das gilt vor allem, wenn die Abschlussarbeit im Rahmen einer Beschäftigung, in der noch weitere (Arbeits-) Leistungen geschuldet sind, erbracht wird.

Vor- und Nachteile

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Der Vorteil des Bachlor- bzw. Masterand_innenjobs ist also, dass man hier so lange "arbeiten" kann, wie man möchte und trotzdem keine Beiträge zur Sozialversicherung zahlen muss. Aus eventuell gezahlten Honoraren oder Bezügen besteht keine Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht, in der Regel sind die Einkünfte aber einkommensteuerpflichtig. Eventuell fällt zudem die kostenlose Familienversicherung bei der gesetzlichen Krankenkasse weg.

Da du keinen Arbeitnehmer_innenstatus hast, fehlen allerdings auch Anspruch auf Entgelt, Urlaub oder Kündigungsschutz. Hinzu kommt: Wer zur Erstellung seiner_ihrer Abschlussarbeit in einen Betrieb geht und den echten Bachelor-/Masterand_innenstatus hat, ist auch nicht über den Betrieb unfallversichert.

In einigen Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Niedersachsen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) gewähren die Landesunfallkassen, bei denen ja sonst für alle Tätigkeiten im Rahmen des Studium Unfallversicherungsschutz besteht, auch hier Schutz. In anderen Bundesländern wird Unfallversicherungsschutz nur gewährt, wenn die Diplomarbeit an einer Einrichtung erstellt wird, die mit der Hochschule wissenschaftlich zusammen arbeitet (Bremen, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein). Wieder andere (Brandenburg, Nordrhein-Westfalen) lassen Bachelor-/Masterand_innen im Betrieb ganz im Regen stehen.  

Bachelor-/Masterand_in, aber kein_e Student_in?

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Auch wer sich, weil nur noch die Abschlussarbeit geschrieben werden muss, bereits von der Hochschule exmatrikulieren lassen hat, kann möglicherweise den Bachelor-/Masterand_innenstatus in Anspruch nehmen.

Beachte aber, dass du nach deiner Exmatrikulation natürlich weiter krankenversichert sein musst. Wenn du kein Einkommen hast, aus dem einkommensabhängige Beiträge zur Krankenversicherung gezahlt werden müssen und eine Familienversicherung nicht in Frage kommt, gibt es in der Regel nur noch die freiwillige Versicherung

In die Berechnung der Beiträge zur freiwilligen Versicherung wird das Einkommen aus dem Bachelor-/Masterand_innenjob einbezogen.

Das sagt die DGB-Jugend

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Der Bachelor-/Masterand_innenstatus in der Sozialversicherung ist eine gute Sache - schließlich geht es bei diesen Jobs nicht darum, Geld zu verdienen, sondern darum, das Studium abzuschließen. Wenn eine Firma dafür zahlt, weil sie sich von der Abschlussarbeit auch was erhofft - um so besser für dich. Damit alles wasserdicht ist, habe wir einen Mustervertrag erarbeitet, denn du hier direkt herunterladen kannst - mit dem bist du auf der sicheren Seite, was die Sozialversicherung oder das Urheberrecht angeht.

Einigermaßen daneben ist freilich, daß du in einigen Bundesländern nicht unfallversichert bist, wenn du deine Abschlussarbeit im Betrieb erstellst. Dabei ist das Unfallrisiko besonders hoch, wenn man recht neu in einem Betrieb ist und die Gepflogenheiten nicht genau kennt. Hier kämpft die DGB-Jugend für eine Gesetzesänderung.