Deutscher Gewerkschaftsbund

Nach der Geburt

Mutterschutz nach der Geburt

Auch acht Wochen nach der Entbindung, bei Mehrlingsgeburten sogar länger, darf die Mutter nicht arbeiten. Für die Bezahlung gelten dieselben Regeln wie beim vorgeburtlichen Mutterschutz. Nach Ende der Mutterschutzfrist muss deinE ArbeitgeberIn - wenn du keinen befristeten Vertrag hattest - dich wieder beschäftigen und bezahlen wie vor der Schwangerschaft.

Kindergeld und Kinderzuschlag

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Das Kindergeld ist ein Zuschuss des Staates zu den Kosten, die Eltern entstehen, solange das Kindsich nicht selbst finanziert. Das Kindergeld deckt aber lange nicht alles, was anfällt. Der Anspruch besteht unabhängig vom Einkommen ab der Geburt des Kindes. Anträge gibt es bei der Kindergeldstelle des Arbeitsamtes, die Geburtsbescheinigung muss mit eingereicht werden. Der Kindergeldanspruch besteht vier Jahre rückwirkend - aber so lange sollte man mit der Beantragung nicht warten.

Seit dem 1.1.2013 wurde die Einkommensgrenze fürs Kindergeld ersatzlos gestrichen.

Eltern minderjähriger Kinder, die über ausreichend Einkommen verfügen, um ihren eigenen Lebensunterhalt damit zu decken, aber rechnerisch nicht genug für den Unterhalt der Kinder haben, erhalten Kinderzuschlag. Zum Einkommen werden dabei auch Unterhaltszahlungen oder BAföG gezählt, Kindergeld oder Wohngeld hingegen nicht.

Kinderzuschlag gibt es für jedes minderjährige Kind im Haushalt der Eltern. Er kann pro Kind bis zu 170 Euro betragen und wird gemeinsam mit dem Kindergeld ausgezahlt. Kinderzuschlag wird bei der Familienkasse des Arbeitsamtes beantragt und - soweit die Anspruchsbedingungen vorliegen - unbefristet gezahlt.

Elterngeld

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Elterngeld erhält ein Elternteil, wenn es einen großen Teil seiner Zeit für die Betreuung des Kindes aufwendet. Es kann für die ersten 12 Monate nach der Geburt in Anspruch genommen werden. Alleinerziehende und Paare, bei denen sich beide Elternteile Zeit für die Betreuung nehmen, haben bis zu 14 Monate Anspruch. Außerdem kann man die Elterngeldbezugszeit verdoppeln - dann wird monatlich aber nur halb soviel ausgezahlt.

Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Einkommen, das ein Elternteil vor der Betreuung des Kindes hatte (aus abhängiger Beschäftigung oder aus selbständiger Arbeit).

Dabei wird das Durchschnittseinkommen des betreuenden Elternteiles aus den letzten 12 Monaten vor der Geburt zu Grunde gelegt. Das Elterngeld beträgt mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat.

Promovierende haben in der Regel einen Anspruch auf den Mindestbetrag von 300 Euro pro Monat. Auf ein Stipendium wird Elterngeld nicht angerechnet.

Wenn für die Betreuung lediglich die Arbeitszeit reduziert wird, werden 65 Prozent des dadurch entfallenden Einkommens erstattet.

Ein Arbeitsverhältnis muss einem Anspruch auf Elterngeld nicht entgegenstehen. Wer - egal ob selbständig oder angestellt - in einem oder mehreren Jobs insgesamt höchstens 30 Stunden je Woche arbeitet, gilt nicht als voll erwerbstätig, sondern als teilzeitbeschäftigt - und kann Elterngeld beziehen.

In der Regel wird Elterngeld auch dann gewährt, wenn das Studium nicht unterbrochen wird.

Das Elterngeld wird seit 2011 vollständig auf ALG II-Leistungen angerechnet. Sollte mehr als 300 Euro Elterngeld gezahlt werden, wird der Mehrertrag auch auf andere Sozialleistungen (Kinderzuschlag und Kindergeld, Wohngeld, Waisenrente) angerechnet.

Zudem wird Mutterschaftsgeld und ein zugehöriger Arbeitgeberzuschuss auf die ersten beiden Bezugsmonate des Elterngeldes angerechnet. Elterngeld wird zum steuerpflichtigen Einkommen hinzugerechnet.

Elterngeld kann gleich nach der Geburt und drei Monate rückwirkend beim Jugendamt beantragt werden. Können beide Eltern Elterngeld erhalten, müssen sie entscheiden, wer es nun tatsächlich bekommt. Das Jugendamt bietet auch ausführliche Beratung zum Thema.

Erziehungsurlaub und Elternzeit

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Wer in einem festen Arbeitsverhältnis steht, kann nach der Geburt eines Kindes bis zu drei Jahre Erziehungsurlaub, die so genannte Elternzeit nehmen. Ein Jahr davon (mit Zustimmung der/s ArbeitgeberIn) auch zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes. In dieser Zeit können die Eltern Zuhause bleiben, um sich um das Kind zu kümmern, sie haben aber meist auch einen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit (bis 30 Stunden). Beide Eltern können auch gleichzeitig in die Elternzeit gehen – und zusammen bis zu 60 Stunden in der Woche arbeiten.

Die Eltern oder ein Elternteil können am Ende der Elternzeit in ihr altes (Vollzeit-)Arbeitsverhältnis zurückkehren, wenn dieses nicht befristet war. Der Ausfall von Lohn oder Gehalt soll zum Teil durch die Zahlung des Elterngeldes (siehe oben) kompensiert werden.

Achtung: Für jeden Monat Elternzeit wird der Urlaubsanspruch um ein Zwölftel des Jahresurlaubs gekürzt.

Übrigens: Wer eigene Kinder erzieht, erhöht auch seinen Rentenanspruch. Pro Kind werden bis zu drei Jahre angerechnet.

Mit Kind an der Hochschule

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Immer mehr Hochschulen richten sich auf Studierende mit Kindern ein. Vielerorts gibt es Wickelräume, hin und wieder sogar einen Kindergarten. Manche Studienordnungen erlauben besondere Rücksicht auf oder Fristen für Studierende mit Kind - wenn das bei Dir noch nicht gilt, kannst Du Dich ja vielleicht dafür stark machen. Und immer öfter gründen sich auch studentische Elterninitiativen, in denen Studierende mit Kind Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig unterstützen und sich gemeinsam für Verbesserungen an ihrer Hochschule einsetzen.

Auch viele Studentenwerke tun mittlerweile mehr, als Kinderstühle in die Mensa zu stellen. An einigen Orten werden eigene Wohnheimplätze für Eltern mit Kindern angeboten und in ganz Baden-Württemberg können Studentenkinder kostenlos mitessen - alle Mensen bieten dafür spezielle Kinderteller an.

AnsprechpartnerInnen für Unterstützung an der Hochschule sind die Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule, der AStA oder StuRa sowie die Sozialberatung des Studentenwerks.

Urlaubssemester

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Für die Erziehung eines Kindes können sich die Eltern (auch abwechselnd) im Studium für ein oder mehrere Semester beurlauben lassen. Im Studienbüro/Immatrikulationsbüro sollten dafür Geburtsurkunde und gegebenenfalls die Sorgerechtserklärung vorgelegt werden.

Der Antrag muss jedes Semester neu gestellt werden. Bafög-Zahlungen entfallen während der Beurlaubung – lass Dich beraten, ob ein Urlaubssemester sinnvoll ist. Allerdings kann während der Beurlaubung Sozialhilfe beantragt werden.

Wer sich beurlauben lässt, sollte trotzdem Kontakt zu seinem Institut halten. Je nach Prüfungsordnung ist es sogar möglich, an Prüfungen teilzunehmen, wenn diese nicht Teil einer regulären Lehrveranstaltung sind.

BAföG

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BAföG-EmpfängerInnen, die mit eigenen oder Adoptivkindern (bis 10 Jahre) in einem Haushalt leben, erhalten einen zusätzlichen monatlichen Zuschuss (so genannten Kinderbetreuungszuschlag).

Für jedes Kind werden 130 Euro gezahlt, ob andere Sozialleistungen für das Kind gezahlt werden, spielt dabei keine Rolle. Der Kinderbetreuungszuschlag wird pro Kind nur einmal gezahlt, auch wenn beide Eltern Bafög-EmpfängerInnen sind. Er muss nicht zurückgezahlt werden, wird nicht auf andere Sozialleistungen angerechnet und wird auch neben der Hilfe zum Studienabschluss gezahlt.

Der Zuschlag kann für den jeweils laufenden Bewilligungszeitraum auch rückwirkend beantragt werden.

Weitere Vorteile für BAföG-EmpfängerInnen mit Kind:

  • Der Nettofreibetrag für Nebeneinkünfte von 290 Euro je Monat erhöht sich pro Kind um 520 Euro je Monat.
  • Die Förderungshöchstdauer kann wegen Schwangerschaft und Kindererziehungszeiten um bis zu acht Semester je Kind verlängert werden. Die BAföG-Förderung, die wegen Kindererziehung über die Förderungshöchstdauer hinaus geleistet wird, wird als Zuschuss geleistet, muss also nicht zurückgezahlt werden!

Krankenversicherung

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Das Kind muss krankenversichert werden. Ist ein Elternteil selbst versichert, kann das Kind als familienversichert bei der Krankenkasse angemeldet werden. Sind beide Eltern über ihre eigenen Eltern oder die Großeltern familienversichert, gibt es zwei mögliche Wege.

Ein Elternteil kann sich selbst bei einer Krankenkasse versichern und lässt das Kind bei sich familienversichern. Diese Kosten werden zwar bei der Berechnung des Bafög-Satzes berücksichtigt – sind aber eben zur Hälfte nur ein Darlehen.

Das Kind kann auch bei seinen Großeltern oder Urgroßeltern familienversichert werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Lebensunterhalt des Kindes von diesem (Ur-) Großeltern hauptsächlich bestritten wird. Viele Krankenkassen verlangen dafür, dass das Kind im Haushalt der (Ur-) Großeltern lebt. Die Kassen prüfen dies aber selten nach.

Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind Kinder von jeglichen Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenkasse befreit.

Wohngeld

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Grundsätzlich haben Studierende keinen Anspruch auf Wohngeld, solange sie nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) einen Unterhaltsanspruch gegenüber ihren Eltern oder gegenüber dem Bafög-Amt haben. Unabhängig davon kann aber für das Kind ein Wohngeldanspruch bestehen. Ein Antrag sollte also schnell nach der Geburt der Kindes gestellt werden, denn wie beim Bafög gilt: Gezahlt wird frühestens für den Monat der Antragstellung.

Unterhaltsvorschuss

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Solltest Du Dein Kind allein erziehen und der andere Elternteil kann oder will keinen angemessenen Unterhalt zahlen, kannst Du beim Jugendamt sogenannten Unterhaltsvorschuss beantragen. Der wird pro Kind (bis zum 12. Lebensjahr) für bis zu 72 Monate (sechs Jahre) Monate gezahlt - und evt. holt sich das Jugendamt das Geld beim anderen Elternteil zurück. Der Vorschuß kann bis zu 180 € im Monat betragen, Unterhaltsleistungen des anderen Elternteiles werden angerechnet.

ALG II/Sozialhilfe

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Seit 2005 stehen "Arbeitslosengeld II" (ALG II, für Erwerbsfähige) und Sozialhilfe (für Menschen, die nicht erwerbsfähig sind) nebeneinander. Im Einzelfall könne Studierende ausnahmsweise Anspruch auf diese Leistungen haben.

  • Studierende mit Kind können für ihre Kinder Sozialgeld nach SGB II Paragraf 28 beantragen und zudem Sozialleistungen (Kinderzuschlag) für die Kinder beantragen.
  • Beurlaubte Studierende können reguläre ALG-II-Leistungen beantragen, da sie nicht als ordentliche Studierende eingeschrieben sind und keinen Bafög-Anspruch haben.
  • Teilzeitstudierende reguläre ALG-II-Leistungen beantragen, da sie ebenfalls keinen Baföganspruch haben.

Ferner gilt: Wohngeld und ALG II werden nicht parallel gezahlt. Kindergeld und Unterhalt gehen in voller Höhe in die Bedarfsberechnung mit ein. Wichtig ist es, sämtliche Leistungen frühzeitig zu beantragen, da sie rückwirkend nicht in Anspruch genommen werden können. Bevor man aber den Gang zum Arbeitsamt/Sozialamt wagt, sollte man sich vorbereiten und bei universitären Stellen beraten lassen (Sozialberatungen der ASten, des Studentenwerks).

Job und krankes Kind

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Wer ein krankes Kind hat, das nicht älter als zwölf Jahre ist, und daneben einen Job, kann zur Pflege des Kindes Zuhause bleiben - wenn das kein anderes Haushaltsmitglied kann. Wenn in dieser Zeit nicht nach Arbeits- oder Tarifvertrag weiter Lohn gezahlt wird, zahlt die gesetzliche Krankenkasse für mitversicherte Kinder in der Regel „Kinderkrankengeld“ (private Krankenversicherungen zahlen meist nichts).

Pro Kind gilt diese Regelung (mit Ausnahmen) für zehn Arbeitstage im Jahr (je Elternteil), insgesamt aber für höchstens 25 Tage (für alle Kinder je Elternteil). Alleinerziehende haben einen Tage-Anspruch in doppelter Höhe.

Achtung: Wird ein Kind während des Urlaubs krank, gilt der Urlaub trozdem als genommen. Im Gegensatz zur Regelung für ArbeitnehmerInnen, die, wenn sieim Urlaub krank werden, die dadurch verlorenen Urlaubstage nachholen können, werden Urlaubstage, in denen man ein krankes Kind beaufsichtigen mußte, nicht ersetzt.

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