Deutscher Gewerkschaftsbund

Stipendium

Das Stipendium hat den Ruf, nur für Streber_innen oder Leute mit Verbindungen interessant zu sein. Das stimmt nicht. Zwar werden nur zwei Prozent aller Studierenden so gefördert, doch warum solltest du nicht dazugehören? Vielleicht findest du ja in den folgenden Texten einen guten Tipp, der dich einem Stipendium näher bringt. 

Übrigens: Wer ein Stipendium aus Mitteln der Begabtenförderung des Bundes bekommt, kann nicht zugleich BAföG erhalten. Gibt es aber Geld aus anderen, privaten Kassen, werden bis zu 300 € (bis Sept. 2010: 255 €) davon nicht aufs BAföG angerechnet.

Bewährte Begabtenförderung des Bundes

Die Bundesregierung gibt jedes Jahr über 100 Mio Euro für Stipendien aus - aber sie verteilt das Geld nicht selbst. Zwölf Begabtenförderungswerke, Stiftungen von Parteien und Kirchen, von Staat, Wirtschaft und Gewerkschaft, fördern damit mittlerweile 20.000 Studierende und dreieinhalbtausend Promovierende jährlich. Zielgruppe sind Studierende, die politisch oder sozial engagiert sind oder fachlich und persönlich qualifiziert ihr Studium verfolgen.

Die Hans-Böckler-Stiftung des DGB fördert Studierende ab dem ersten Semester, die ein gewerkschaftliches oder ein gewerkschaftsnahes Engagement aufweisen. Parteizugehörigkeit oder Gewerkschaftsmitgliedschaft sind keine notwendigen Voraussetzungen für ein Stipendium. Wenn du politisch aktiv bist, lohnt sich ein kleiner Check, ob es ein Studienförderungswerk gibt, das auf deiner politischen Linie liegt.

Die Bewerbungsverfahren der Förderwerke sind recht unterschiedlich, bei einigen musst du sogar vorgeschlagen werden. Das Stipendium selbst wird elternabhängig gezahlt, ähnlich wie beim Bafög, doch es muss nicht zurückgezahlt werden. Neben der materiellen gibt es bei jedem Stipendium auch eine ideelle Förderung: Studierendengruppen, die sich gegenseitig unterstützen; ein zielgruppengerechtes Bildungsprogramm; Tipps und Kontakte für den Berufseinstieg. Hinzu kommt ein sogennantes Studienkostenpauschale von bis zu 300€ monatlich, das elternunabhängig gezahlt wird.

Stipendienprogramm der Bundesregierung

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Seit 2011 gibt es auch noch das Stipendienprogramm der Bundesregierung - zusätzlich zu den bestehenden Förderungen. Bis zu 10.000 Studierende sollen monatliche Stipendien in Höhe von 300 € erhalten - wenn sich genügend Geldgeber_innen finden. Denn die Bundesregierung stellt (mit 450 Mio € im Jahr) nur einen Teil der Förderung bereit - den Rest sollen Privatleute und Firmen erbringen. Die Hochschulen sollen diese Stipendien einwerben, verwalten und nach Leistung und Begabung vergeben. Neben den bisher erbrachten Leistungen und dem persönlichen Werdegang sollen, so die Idee, "gesellschaftliches Engagement, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, oder besondere persönliche Umstände berücksichtigt werden, die sich beispielsweise aus der familiären Herkunft oder einem Migrationshintergrund ergeben". Die staatliche Finanzierung eines Hochschulstudiums wird dadurch freilich noch unübersichtlicher - aber nicht gerechter.

Ein Erfolg ist das neue Stipendium bisher nicht. Drei Viertel aller Hochschulen können ihr Stipendienkontingent mangels privater Sponsor_innen nicht ausschöpfen oder verzichten gleich ganz auf das Stipendium. 2011 wurde deshalb nur die Hälfte der bereitgestellten Bundesmittel auch abgerufen.

Regionale Stipendien

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Regionale Stiftungen fördern Studierende, die aus folgenden Orte stammen

Besondere Zielgruppen

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Dazu kommen (z.T. private) Stiftungen, die nicht von gesetzlichen Förderungsregeln abhängig sind und sich oft nur an eine eingeschränkte Zielgruppe wenden.

Frauen

Spezielle Förderprogramme für Frauen, die an Studium oder wissenschaftliche Arbeit in der Institution gebunden sind, gibt es zum Beispiel

NichtakademikerInnenfamilien und MigrantInnen

Ohne deutschen Pass

Ausland

Neben dem Beruf

Studienförderung auf dem Dritten Bildungsweg

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2012 hat die Hans Böckler Stiftung ein neues Studienförderungsprogramm 'Studieren ohne Abitur' ins Leben gerufen, mit dem speziell Berufstätige angesprochen werden sollen, die aus dem gewerblich-technischen Bereich kommen. Das Modellprojekt findet an der Universität Duisburg-Essen und der Hochschule Niederrhein in Krefeld statt. Ziel ist es, den Weg ins Studium mit möglichst wenig Hindernissen zu gestalten. erfolgreichem Berufsabschluss und mindestens drei Jahren beruflicher Praxis. Grundvoraussetzungen sind ein erfolgreicher Berufsabschluss und mindestens drei Jahren berufliche Praxis.

Das sagt die DGB-Jugend

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Stipendien sind super - aber warum bekommen sie nur zwei Prozent aller Studierenden? Wer BAföG bekommt, steht am Ende des Studiums vor einem Schuldenberg. Wer kein (oder zu wenig) BAföG bekommt, muß - wie schon heute zwei von drei Studierenden - nebenher jobben und hat dadurch weniger Zeit fürs Studium. Wer ein auskömmliches Stipendium bekommt hat hingegen genug Zeit zu studieren und steht am Ende auch ohne Schulden da. Wer keins bekommt, studiert länger und hat am Ende weniger Geld. Oder bricht sein Studium ab - die Abbrecherquote unter Stipendiaten ist besonders niedrig.

Dabei sind es nicht immer die besten Studierenden, die ein Stipendium erhalten: Soziales Engagement ist bei vielen Förderwerken offizielle ebenso wichtig wie gute Leistungen. Inoffiziell scheint auch die soziale Herkunft mit zu entscheiden - bei gleicher Leistung sind die Chancen von Akademiker_innenkindern auf ein Stipendium deutlich höher als von Bewerber_innen aus Arbeiterhaushalten. Entsprechend sind sie unter den Stipendiaten stärker vertreten als insgesamt in der Studierendenschaft. Das zeigt: Das derzeitige Stipendiensystem kann nicht dabei helfen, die Studierenden- und Absolvent_innenzahlen an unseren Hochschulen zu steigern oder die Studienfinanzierung gerechter zu machen.

Deshalb ist es sinnvoller, ein einziges staatliches System der Studienfinanzierung aufzubauen, das zugleich eine auskömmliche und elternunabhängige Unterstützung für alle Studierende bietet und als Zuschuß auch für sozial Schwache Anreiz zum Studium bietet - anstatt neben dem mäßig erfolgreichen BAföG noch zwei teure Stipendiensysteme zu unterhalten, die viel kosten und dabei die Ungerechtigkeit des Bildungssystems verstärken helfen.

Weiterführende Links

Die Gewerkschaftsstiftung