Deutscher Gewerkschaftsbund

BAföG

"BAföG" ist die Abkürzung für das Bundesausbildungsförderungsgesetz. Das BAföG regelt die staatliche und finanzielle Unterstützung für Studierende. Es wurde in den 1970er Jahren eingeführt, um Kindern aus einkommensschwachen Familien den Zugang zur Uni zu erleichtern. Die Geldleistungen nach dem "BAföG" werden ebenfalls BAföG oder BAföG-Leistungen genannt.

Es sind staatliche Unterhaltsersatzleistungen, die in der Regel zur Hälfte als Zuschuss, zur anderen Hälfte als zinsloses Darlehen gewährt werden. Für Studierende werden - je nach errechnetem Bedarf - monatlich bis zu 735 Euro (seit dem Wintersemester 2016/2017) ausgezahlt, wobei die Zuschläge zur Kranken- und Pflegeversicherung bereits berücksichtigt sind.

Die Höchstgrenze des zurückzuzahlenden BAföG-Betrages liegt bei 10.000 Euro. Fünf Jahre nach dem Ende deiner Förderungsdauer – also nach dem Erhalt deiner letzten BAföG-Zahlung – musst du mit der Tilgung beginnen. Es gibt aber auch Möglichkeiten der Freistellung von der Rückzahlungspflicht (bis zu zehn Jahre lang) oder zur Stundung. Beides ist aber nur auf Antrag beim Bundesverwaltungsamt und unter Nachweis, dass du unterhalb gesetzlich festgelegter Einkommensgrenzen lebst, möglich.

Für wen ein BAföG-Antrag sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Da BAföG in der Regel elternabhängig gezahlt wird, kannst du zum Beispiel im Vorfeld grob überschlagen, ob du etwas bekommen würdest. Wenn du noch keinen (Hochschul-)Abschluss hast und immatrikuliert bist, aber keinen Unterhalt von deinen Eltern bekommst, kann es sinnvoll sein, BAföG zu beantragen.

Wenn du ein Vermögen von mehr als 7.500 Euro (seit Wintersemester 2016/2017) hast, macht ein BAföG-Antrag erst dann Sinn, wenn die über diesem Betrag liegenden Reserven in nächster Zeit aufgebraucht sein werden oder diese den Freibetrag nicht sehr übersteigen.

Als Vermögen gelten auch Wertpapiere, zum Beispiel Aktien. Ausschlaggebend ist der Wert der Papiere am Tag der Antragstellung (seit 1. April 2005).


 

 

BAföG-Antragstellung

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Den BAföG-Antrag stellst du beim Studentenwerk, das für deine Uni beziehungsweise FH zuständig ist. Die Antragstellung ist kostenlos und mit, aber auch schon vor der Immatrikulation möglich. Die Bearbeitungszeit beträgt zirka zwei bis sechs Wochen. Der Bewilligungszeitraum beginnt im Monat der Antragstellung bzw. der Immatrikulation, wenn der Antrag bereits vorher gestellt wurde.

Wenn sich abzeichnet, dass die Bearbeitung des Antrages länger als 6 Wochen dauert, obwohl du alle dafür wichtigen Unterlagen abgegeben hast, kannst Du einen Vorschuss beantragen. Der kann bis zu 80 Prozent des zu erwartenden Fördersatzes im Monat betragen und wird für maximal 4 Monate und dem Vorbehalt der Rückforderung gezahlt (seit 1. August 2015). Zu Studienbeginn ist auch der Bezug von ALG II als Darlehen möglich, wenn der ordnungsgemäße Beginn deiner Ausbildung durch eine lange BAföG-Bearbeitungszeit in Gefahr ist.

Wichtig: Auch wer bereits BAföG erhält, muss nach dem Ende des Bewilligungszeitraums, in der Regel zwei Semester, einen Wiederholungsantrag stellen. Wenn sich deine wirtschaftlichen Verhältnisse geändert haben, zum Beispiel weil die Einkommensverhältnisse deiner Eltern sich verschlechtert haben (Erziehungsurlaub, Arbeitslosigkeit etc.), kannst du jederzeit einen (erneuten) BAföG-Antrag (Aktualisierungsantrag) stellen.

Das Antragsformular ist lang und ausführlich. Es bedarf einer gewissen Übung im Umgang mit diesen Formularen, um sie problemlos ausfüllen zu können. Scheu nicht davor zurück, dir kompetente Hilfe zu holen: Die Studentenwerke selbst geben Auskünfte, wie das Formular ausgefüllt werden kann

An einigen Universitäten beziehungsweise Fachhochschulen gibt es studentische BAföG-Beratung vom AStA (Allgemeiner Studierenden Ausschuss). Dort kennt man sich auch mit den aktuellen Gepflogenheiten des örtlichen Studentenwerks aus. Im Zweifel kannst du dich auch immer an dein örtliches Campus Office/ Hochschulinformationsbüro wenden.

In der Regel richtet sich die Höhe des BAföG nach deinem Einkommen, dem deiner Eltern sowie nach deinem Bedarf. So kannst du z.B. einen Zuschuss für die Kosten in Kranken- und Pflegeversicherung bekommen, wenn du nicht kostenlos in der Familienversicherung deiner Eltern mitversichert bist. Aktuell gibt es 71 Euro für die Kranken- und 15 Euro Zuschuss für die Pflegeversicherung (seit dem 1. August 2016). Für den Zuschuss musst du mit deinem BAföG-Antrag eine Bescheinigung deiner Krankenkasse einreichen.

Sollten deine Eltern ihre Einkommensverhältnisse nicht darlegen, kann der BAföG-Antrag nicht entschieden werden. Damit diese Umstände nicht dazu führen, dass du gar keinen Unterhalt für das Studium bekommst, gibt es die Möglichkeit, beim Amt für Ausbildungsförderung einen Antrag auf Vorausleistung zu stellen. Von dieser Möglichkeit kannst du auch Gebrauch machen, wenn deine Eltern zwar finanziell in der Lage sind, für deinen Unterhalt aufzukommen, aber faktisch nicht zahlen.

Wenn du einen Antrag auf Vorausleistung gestellt hast, setzt sich das Amt für Ausbildungsförderung mit deinen Eltern in Verbindung, um die Hintergründe zu klären. Wenn deine Eltern sich weiterhin weigern, ihrer Unterhaltspflicht nachzukommen, diese aber eindeutig festgestellt wurde, strebt das Amt für Ausbildungsförderung eine Klage an.

Genaugenommen ist die Vorausleistung also keine Form des elternunabhängigen BAföG, sondern nur eine Möglichkeit, unabhängig vom Verhalten der Eltern erst einmal Geld zu bekommen. Nichtsdestotrotz kann auf diesem Wege aber auch (gerichtlich) festgestellt werden, dass tatsächlich keine Unterhaltspflicht der Eltern mehr vorliegt, obwohl die üblichen BAföG-Voraussetzungen dafür nicht (ganz) erfüllt sind. Unter elternunabhängigem BAföG versteht man Zahlungen unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Folgende Studierende können BAföG beantragen, ohne dass das Einkommen der Eltern relevant wird

  • wer bereits fünf Jahre lang erwerbstätig war. Arbeitslosigkeit mit Leistungsbezug vom Arbeitsamt und Wehr- oder Zivildienst werden ebenfalls als Berufstätigkeit verstanden,
  • wer eine dreijährige Berufsausbildung absolviert hat und danach drei Jahre (beziehungsweise bei Lehrzeitverkürzung entsprechend länger) berufstätig war,
  • wer älter als 30 Jahre ist und nicht von der Altersgrenze der BAföG-Förderung betroffen ist, zum Beispiel weil sie_er das Abitur über den zweiten Bildungsweg erlangt hat,
  • wenn die Eltern im Ausland leben und rechtlich oder tatsächlich nicht ihrer Unterhaltspflicht nachkommen können.

BAföG-Altersgrenze

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Wer bei Aufnahme des Studiums älter als 30 Jahre ist, hat keinen Anspruch auf BAföG.

Hierfür gibt es verschiedene Ausnahmen

  • wer die Hochschulzugangsberechtigung über den zweiten oder dritten Bildungsweg erlangt hat und anschließend unverzüglich das Studium aufnimmt, erhält ggf. BAföG auch wenn sie_er die Altersgrenze überschritten hat,
  • wer ein Masterstudium aufnimmt, kann BAföG bekommen, sofern sie_er bei Beginn des Masterstudiums nicht älter ist als 35 (seit Oktober 2010),
  • wer durchgängig vor Studienaufnahme wegen Kindererziehung von Kindern bis zum Alter von 10 Jahren oder anderen vergleichbaren Gründe, z.B. Pflege oder durch Krankheit daran gehindert war, das Studium früher aufzunehmen, für den verschiebt sich die Altersgrenze um diese Zeit der Kindererziehung bzw. der anderen Gründe nach hinten.

 

BAföG und Duales Studium

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Bei dualen Studiengängen gibt es hin und wieder Unsicherheit, ob auch ein Anspruch auf BAföG besteht. Das liegt daran, dass es sehr verschiedene Arten von dualen Studiengängen gibt - einige davon (insbesondere berufsbegleitende duale Studiengänge) sind so angelegt, dass eine Förderung nach dem BAföG nicht möglich ist, andere hingegen, vor allem praxisintegrierte duale Studiengänge, sind problemlos förderfähig.

Hier ist es am sichersten, schon vor Studienaufnahme genaue Erkundigungen an der Hochschule und beim örtlichen Studentenwerk einzuholen, damit am Ende keine böse Überraschung steht. Selbst wenn mit BAföG-Förderfähigkeit geworben wird, ist das nicht sicher - manchmal ist damit nur "Meister_innen-BAföG" gemeint, das mit dem klassischen Studierenden-BAföG nichts zu tun hat. Um ganz sicher zu gehen, kannst du im Vorfeld beim zuständigen BAföG-Amt einen Antrag auf Vorabentscheid stellen. Wenn dir darin prinzipiell BAföG-Leistungen zuerkannt werden, so ist das BAföG-Amt dann bei tatsächlicher Aufnahme des entsprechenden Studiums an diese Entscheidung gebunden!

Solltest Du im dualen Studium BAföG beantragen und zugleich vom Vertragsunternehmen eine Vergütung bekommen, gilt: Das Einkommen wird erst einmal mit dem eventuell bestehenden Förderanspruch verrechnet. Da die Zuverdienstgrenze beim BAföG bei ca. 406 Euro/Monat liegt, vermindert eine höhere Vergütung den BAföG-Anspruch. Je nachdem, wie hoch der BAföG-Anspruch eigentlich ausfällt, kann er durch eine hohe Vergütung letztlich gegen Null tendieren (siehe Absatz BAföG und Dazuverdienen).

 

BAföG und ALG II

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Im Allgemeinen gilt: Wer studiert, hat keinen Anspruch auf ALG II-Leistungen (Mehr dazu unter ALG II und Studierende). Wer aber mit einem ALG II-Empfänger zusammenlebt, sollte Folgendes wissen:

Anrechnung BAföG auf ALG II
Wenn ein_e BAföG-Empfänger_in mit einer_m ALG II-Empfänger_in in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, gilt nach Auffassung der Bundesregierung und einiger Gerichte, dass der Teil des BAföG, der zur Bestreitung des Lebensunterhaltes zur Verfügung steht, als Einkommen bei der Berechnung eines ALG II-Anspruches zu berücksichtigen ist.

Wenn, wie beim Schüler_innen-BAföG üblich, die_der BAföG-Empfänger_in zusätzlich auch einen Anspruch auf ALG II haben kann, mindert der BAföG-Anspruch diesen Anspruch auf ALG II. 20 % der BAföG-Förderung werden vom ALG II-Anspruch abgezogen, entschied 2010 das Bundesverfassungsgericht.

BAföG und Wohnkosten - bei den Eltern wohnen
BAföG-Empfänger_innen, die an einer Fachhochschule, Akademie oder Hochschule studieren und bei ihren Eltern wohnen, können ergänzend reguläres ALG II beziehen. Dies gilt sogar, wenn aufgrund der Anrechnung von Vermögen und Einkommen keine Leistungen aus dem BAföG bezogen werden. Gleiches gilt, wenn ein BAföG-Antrag gestellt wurde und das BAföG-Amt noch keine Entscheidung getroffen hat.

BAföG und Wohnkosten - mit anderen Wohnen
BAföG-Empfänger_innen, die mit ALG II-Empfänger_innen, die nicht ihre Eltern sind, zusammenleben, haben keinen Anspruch auf ALG II, ggf. aber auf Wohngeld.

 

BAföG für Studierende ohne deutschen Pass

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Beachtet unseren ausführlichen Artikel Studienfinanzierung für internationale Studierende. Dort findet ihr auch alles Wichtige zum BAföG ohne deutschen Pass sowie zu weiteren Finanzierungsmöglichkeiten.

Um grundsätzlich - unabhängig von den BAföG-Regelungen - in Deutschland studieren zu können, musst du einen Aufenthaltsstatus haben.

Um BAföG-berechtigt zu sein, muss man in der Regel die deutsche Staatsangehörigkeit oder seinen Daueraufenthalt in Deutschland haben. Je nach Aufenthaltsstatus, vorhergehender Berufstätigkeit oder Staatsangehörigkeit der Eltern können auch Studierende ohne deutschen Pass BAföG erhalten.

Eine wichtige Voraussetzung ist ein legaler Aufenthalt in Deutschland. Außerdem sollte eines der folgenden Kriterien auf dich zutreffen:

 

Studierende, die nicht aus einem EU-Staat stammen:

  • Du bist entweder heimatlos, Flüchtling, stehst unter Abschiebeschutz oder bist asylberechtigt.
  • Du hast deinen ständigen Wohnsitz in Deutschland und eines deiner beiden Elternteile oder dein_e Ehegatt_in/e bzw. eingetragene_r Parner_in hat die deutsche  oder eine andere EU-Staatsangehörigkeit.
  • Du hast deinen ständigen Wohnsitz in Deutschland und mindestens eines deiner beiden Elternteile hat sich in den letzten sechs Jahren in Deutschland aufgehalten und war davon mindestens drei Jahre erwerbstätig. Diese Zeit von drei Jahren verringert sich auf sechs Monate, wenn einer der folgenden Gründe eine weitere Erwerbstätigkeit verhindert hat: Arbeitsunfähigkeit, Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe, Mutterschaft, Fortbildung etc.
  • Du hast 60 Monate in Deutschland (legal und nachweisbar) deinen Lebensunterhalt verdient. Teilzeitarbeit (?), Ferienjobs und Ausbildungsgänge werden für diese Regelung nicht angerechnet.

 

 Studierende aus EU-Staaten:

  • Du selbst oder deine Eltern oder dein Gatte dürfen sich nach den EU-Freizügigkeitsregelungen zur Arbeitssuche oder Arbeitsaufnahme in Deutschland dauerhaft niederlassen.
  • Du warst mindestens sieben Monate in Deutschland erwerbstätig und du bist unverschuldet in deinem bisherigen Beruf arbeitslos geworden.


 

Diese Kriterienliste soll dir als grober Überblick dienen, sie ist nicht bis ins Detail ausgeführt. Daher ist es sinnvoll, dass du dich vor Antritt deines Studiums zum Beispiel beim Studentenwerk beraten lässt, ob du BAföG-berechtigt bist. Doch Vorsicht! Auch wenn du eventuell eine Förderungsberechtigung nach BAföG hast, dein Aufenthalt aber über ein Student_innenvisum geregelt ist, kann dich der Bezug von BAföG deine Aufenthaltsgenehmigung kosten. Im Zweifel lasse dich unbedingt vorher von einer entsprechenden Beratungsstelle beraten!

 

BAföG und Dazuverdienen

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Studierende, die BAföG erhalten, können zusätzlich jeden Monat 450 Euro brutto (entspricht den gesetzlich geregelten 290 Euro netto, Stand WiSe 2016/17) anrechnungsfrei aus abhängiger Beschäftigung verdienen. Wenn du nicht regelmäßig arbeitest, werden 5.400 Euro auf den Bewilligungszeitraum von zwölf Monaten angerechnet.

Der Nettofreibetrag liegt bei 290 Euro. Durch die Sozialabgaben und die Werbungskosten in Höhe von 1.000 Euro pro Jahr ergibt sich ein monatlicher Bruttobetrag von etwa 450 Euro bei abhängiger Beschäftigung.

Wer an einer privaten Hochschule studiert und dabei Studiengebühren zahlt, kann die Erhöhung des Einkommensfreibetrages beantragen, um über Mehrarbeit zusätzlich die Studienbeiträge finanzieren zu können. Nicht möglich ist  - nach aktueller Rechtslage - eine Erhöhung des Einkommensfreibetrages, wenn Du an einer staatlichen Hochschule studierst und dort Studiengebühren/Studienbeiträge zahlst, solange Du diese durch ein Studienbeitragsdarlehen finanzieren könntest.

Wer Einkünfte aus selbständiger Arbeit hat, kommt nicht in den Genuss der Werbungskostenpauschale. Damit sinkt auch die Grenze für anzurechnendes Einkommen um fast 1.000 Euro pro Jahr.

Neben Einkünften aus Arbeit werden auch andere Einkünfte angerechnet, z.B. eine Waisenrente. Wenn du verheiratet oder geschieden bist, werden die Unterhaltsverpflichtungen deines Partners ebenfalls berücksichtigt. Andere Einkünfte werden hingegen nicht angerechnet, z.B. Kindergeld oder Kinderzuschlag für deine eigenen Kinder. Auch dein Kindergeld wird nicht als dein Einkommen gezählt(sondern als das deiner Eltern) und kann ergänzend zum BAföG ausgezahlt bzw. abgezweigt werden. Für Einkünfte aus einem Praktikum gelten zum Teil Sonderregelungen - siehe nächster Abschnitt "BAföG und Praktikum".

Der Verdienst wird bei der BAföG-Antragstellung abgefragt und automatisch bei der Höhe des auszuzahlenden BAföG-Betrages berücksichtigt. Wenn du mehr als durchschnittlich 450 Euro brutto (bei abhäniger Beschäftigung) im Monat verdienst, bekommst du entsprechend weniger BAföG.

Einnahmen nicht anzugeben ist strafbar. Darüber hinaus musst du auch die Veränderungen deiner Einkommenshöhe dem BAföG-Amt melden.

BAföG und Praktikum

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Ist ein Praktikum verpflichtend in der Studienordnung vorgeschrieben und inhaltlich eingegrenzt, wird auch während des Praktikums weiter regulär Bafög gezahlt. Ebenso kann ein Bafög-Anspruch bestehen, wenn du vor Aufnahme eines Studiums ein Vorpraktikum ableistest, das Voraussetzung für die Zulassung zum Studiengang ist.

Ein Pflichtpraktikum, das im Ausland abgeleistet wird, wird wie ein Auslandsstudium gefördert (siehe Bafög im Ausland). Beachte aber, dass ein Praktikumsentgelt aus einem Pflichtpraktikum immer eins zu eins auf den Bafög-Anspruch angerechnet wird, ein Freibetrag wird nicht gewährt - lediglich Arbeitnehmerpauschbetrag, "Sozialpauschale" und gezahlte Steuern werden bei der Berechnung des anzurechnenden Einkommens berücksichtigt. Je nach Höhe des Praktikumsentgeltes kann also das Bafög in den Monaten des Pflichtpraktikums auch ganz entfallen.
 
Ein freiwilliges Praktikum hat keinen Einfluss auf den BAföG-Anspruch. Entgelt aus einem freiwilligen Praktikum wird als normales Einkommen betrachtet, es gelten die regulären Freibeträge (siehe BAföG und Dazuverdienen).
 
Achtung: Wer beurlaubt ist, erhält in dieser Zeit kein BAföG. Überlege also genau, ob du dich für ein Praktikum beurlauben lässt.

 

BAföG und Zweitausbildung

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Wer bereits einen Beruf gelernt, ein Studium abgeschlossen oder nach dem vierten Semester abgebrochen hat, beginnt mit dem nächsten Studium eine weiter Ausbildung. In diesem Fall gilt der Rechtsanspruch auf Elternunterhalt oder BAföG nicht unbedingt.

Wann ein Studium als weitere Ausbildung förderungswürdig ist, wann also ein Anspruch auf Unterhalt von den Eltern oder BAföG-Zahlungen besteht, ist stark vom Einzelfall abhängig.

Hier ein Beispiel, um die Komplexität dieser Frage anzudeuten: Ein vollständiges zweites Studium, nachdem das erste Unistudium bereits abgeschlossen ist, wird nicht gefördert. Ein Unistudium nach einem abgeschlossenen FH-Studium ist jedoch förderungswürdig, wenn es sich um das gleiche Studienfach handelt. Das BAföG wird hier als verzinstes Darlehen ausgezahlt.

Die Kombinationen "Schule - Ausbildung - Studium" oder "Schule - Ausbildung - Schule (Abitur über den zweiten Bildungsweg) - Studium" sind in der Regel förderungswürdig. Aber aufgepasst: Wer sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erwirbt und die Altersgrenze fürs BAföG (30 Jahre, für Masterstudium seit Oktober 2010 35 Jahre) überschritten hat, bekommt nur BAföG, wenn er unverzüglich ein Studium aufnimmt.

Wenn dein Studium eine weitere Ausbildung ist, solltest du dich vor Beginn dieses Studiums vergewissern, dass du Anspruch auf Unterhalt hast. Diese Art der Nachfrage kannst du schon vor Beginn des Studiums an das Amt für Ausbildungsförderung richten.

Wer nach dem dritten Fachsemester das Studienfach wechselt und im neuen Studiengang ins erste Fachsemester eingestuft wird, verliert in der Regel den Anspruch auf BAföG-Förderung. Dafür ist der Fachrichtungswechsel in den ersten zwei Hochschulsemestern nahezu unproblematisch.

 

BAföG und Kinder

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BAföG-Empfänger_innen, die mit eigenen oder Adoptiv-Kindern (bis 10 Jahre) in einem Haushalt leben, erhalten einen zusätzlichen monatlichen Zuschuss (so genannten Kinderbetreuungszuschlag).

Für jedes Kind werden 130 Euro gezahlt (seit 1. August 2016), ob andere Sozialleistungen für das Kind gezahlt werden, spielt dabei keine Rolle. Der Kinderbetreuungszuschlag wird pro Kind nur einmal gezahlt, auch wenn beide Eltern BAföG-Empfänger_innen sind. Er wird auf Zuschussbasis gewährt, das heißt, er muss nicht zurückgezahlt werden, wird nicht auf andere Sozialleistungen angerechnet) und wird auch neben der Hilfe zum Studienabschluss gezahlt.

Der Zuschlag kann für den jeweils laufenden Bewilligungszeitraum auch rückwirkend beantragt werden. Infos dazu hier.
 
Weitere Vorteile für BAföG-Empfänger_innen mit Kind(ern):

  • Der Nettofreibetrag für Nebeneinkünfte von 290 Euro je Monat erhöht sich pro Kind um 520 Euro je Monat (seit dem 1. August 2016)
  • Die Förderungshöchstdauer kann wegen Schwangerschaft und Kindererziehungszeiten verlängert werden. Die BAföG-Förderung, die wegen Kindererziehung über die Förderungshöchstdauer hinaus geleistet wird, wird als Zuschuss geleistet, muss also nicht zurückgezahlt werden!

 

Hilfe zum Studienabschluss

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Wer die Förderungshöchstdauer beim BAföG überschritten hat, aber dann innerhalb von vier Semestern zur Abschlussprüfung zugelassen wird, kann eine Hilfe zum Studienabschluss beantragen. Sie wird für bis zu zwei Semester gewährt, kann die Höhe des BAföG (Anspruch wird wie üblich errechnet) erreichen und wird als vollverzinsliches Darlehen der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau ausgezahlt. Du kannst die Höhe des Darlehens auf eigenen Wunsch auch begrenzen, wenn du z.B. wegen eines Nebenjobs nicht auf die volle Höhe angewiesen bist. Neben diesem besonderen "BAföG" kannst Du sogar Wohngeld beziehen.

Zusätzlich zur Hilfe zum Studienabschluss wird gegebenenfalls der Kinderzuschlag gezahlt (als Zuschuss, nicht als Darlehen). Daneben gibt es in einigen Bundesländern Studienabschlussdarlehen von studentischen Darlehenskassen, die an ähnliche, wenn auch zum Teil an weniger strenge Kriterien gebunden sind.

 

BAföG im Ausland

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Wer im Ausland studiert, kann dort trotzdem BAföG beziehen, wenn die allgemeinen Voraussetzungen erfüllt sind und der Aufenthalt dem Studium förderlich ist. Als Bonbon gibt es neben den regulären BAföG-Leistungen  Geld für die Heimreise, für die Krankenversicherung und ggf. einen Auslandszuschlag aufgrund der Währungsunterschiede.

  • Du wohnst in Deutschland und pendelst an eine Hochschule im Ausland (zum Beispiel nach Basel). Ein BAföG-Anspruch kann bestehen. Zuständig für den BAföG-Antrag ist dann das Amt für Ausbildungsförderung des Wohnortes (in der Regel bei der Stadt- oder Kreisverwaltung).
  • Du hast in der Bundesrepublik deine Abiturprüfung bestanden oder sogar schon ein Studium begonnen und willst nun im EU-Ausland oder in der Schweiz (weiter) studieren, vielleicht bis zum Abschluss. Ein BAföG-Anspruch kann bestehen, der Auslandszuschlag wird aber nicht gezahlt.
  • Du wohnst und studierst in Deutschland und gehst nur vorübergehend (ein bis zwei Semester) ins Ausland. Ein BAföG-Anspruch kann bestehen. Zuständig ist das BAföG-Amt des Landes, in dem du die Auslandssemester studieren möchtest.
  • Du wohnst im Ausland und studierst im Ausland. Dann gibt es nur in begründeten Ausnahmefällen BAföG.


Da es gerade in diesem Zusammenhang viele Sonderregeln und Tücken gibt, solltest du dich rechtzeitig vor einem geplanten Auslandsstudium beim BAföG-Amt und beim Akademischen Auslandsamt deiner Hochschule informieren und beraten lassen.

 

Das sagt die DGB-Jugend

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BAföG ist schön und gut - die DGB-Jugend findet aber eine elternunabhängige Studienfinanzierung, die alle Studierenden gleichermaßen rückzahlungsfrei in Anspruch nehmen können, besser. Studierende sind schließlich keine Minderjährigen mehr, die am Konto der Eltern und womöglich auch an deren Gängelband hängen wollen.

Aber selbst, wenn das BAföG, das schließlich trotz allem eine bemerkenswerte sozialpolitische Maßnahme ist, noch eine Weile bleibt, müsste es doch besser zu machen sein, als es heute ist.