Deutscher Gewerkschaftsbund

gleichzeitig: kurzfristiger Arbeitsvertrag + neuer Werkstudentenjob

Hallo,

eine schnellstmögliche Antwort wäre sehr gut!

Ich studiere und habe am 24.05.2017 einen Verkaufs-Job ausgeführt, bei dem ich 12 Stunden pro Tag gearbeitet habe. (kurzfristiger Arbeitsvertrag vom 24.05 bis 30.06.17) Ich habe bereits den Lohn erhalten: Brutto = Netto. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen festen Job.

In dem kurzfristigen Arbeitsvertrag steht u.a., dass keine weiteren kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse bestehen oder bestanden haben, durch die die Grenze von 3 Monaten oder 70 Arbeitstagen überschritten wurden.

Seit dem 01.06 habe ich nun einen Job als Werkstudent. Bisher besteht leider nur ein mündlicher Vertrag.
Die Stundenzahl pro Woche variiert bisher stark.
Den Lohn werde ich dennoch im Juli auf meinem Konto erhalten.

Mir wurde angeboten diesen erstgenannten Verkaufs-Job (kurzfristiger Arbeitsvertrag) noch einmal für 3 Tage jeweils 12 h diese Woche (Do-Samstag) auszuüben.

Ich werde diese Woche zwei mal in dem Werkstudenten-Job arbeiten (Mttwoch und einmal Sonntag).

Nun zu meiner Fragen:

- Kann ich ohne Bedenken beide Jobs ausführen?
- Falle ich dadurch in die Steuerklasse 6.?
- Werde ich steuerliche Abzüge haben?
- Ist die Ausführung der beiden Jobs rechtens?
- Muss ich den jeweiligen Arbeitnehmer mitteilen, dass ein weiterer Job "besteht"?

Vielen Dank für eure Hilfe, es ist wirklich sehr dringend. Danke!!

Michel: 12.06.2017 19:20:10 |
Tags:
  • RE: gleichzeitig: kurzfristiger Arbeitsvertrag + neuer Werkstudentenjob

    Hallo Michel,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Also prinzipiell darfst du so viel arbeiten, wie du möchtest. Zumindest von Seiten der Hochschule aus gibt es keine Begrenzung dafür, wie viel du arbeiten darfst. Die Grenze bildet hier wie für alle Arbeitnehmer_innen die gesetzliche Maximalarbeitszeit von 8h/Tag und 48h/Woche (zeitweise bis zu 10h/Tag bzw. 60h/Woche): http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xqj.

    Allerdings gibt es einen sogenannten Werkstudent_innen-Status in der Sozialversicherung. Den hast du, wenn du hauptsächlich studierst, was in erster Linie dadurch geprüft wird ob du regelmäßig nicht mehr als 20h/Woche neben deinem Studium arbeitest. Arbeitest du regelmäßig mehr giltst du als regulär Beschäftigter und wirst prinzipiell sozialversicherungspflichtig (Ausnahmen wie für alle Arbeitnehmer_innen bei geringfügiger Beschäftigung, d.h. bei Minijobs oder kurzfristiger Beschäftigung). Bei 20h oder weniger giltst du als Studierender und bist damit im Job nur rentenversicherungspflichtig (in der kurzfristigen Beschäftigung auch das nicht). Alles zur sog. Werkstudent_innen-Regel findest du hier: http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Soviel erstmal zum Bereich Sozialversicherung.
    Allgemein zu kurzfristigen Beschäftigungen: Du darfst insgesamt im Jahr maximal 70 Arbeitstage kurzfristig beschäftigt sein, egal bei welchen Arbeitgeber_innen. Das dürfte der Hintergrund sein, dass du erklären musstest bislang nicht kurzfristig beschäftigt gewesen zu sein. Mehr dazu hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU

    Eine ganz andere Baustelle sind die Steuern, hier gibt es keine Sonderregeln für Studierende. Sowohl kurzfristige Beschäftigungen, als auch reguläre, sind einkommenssteuerpflichtig. Es zählt alles, was du in einem Kalenderjahr verdienst, zusammen. Der jährliche Freibetrag liegt derzeit bei 8820€ + 1000€ Werbungskostenpauschale (Stand 2017). Nur was diesen Betrag übersteigt, muss versteuert werden.
    Allerdings passiert bei Aufnahme eines weiteren Jobs folgendes: Er wird in Steuerklasse VI einsortiert. Dort gibt es keine Freibeträge, was bedeutet, dass zunächst Lohnsteuer abgezogen wird. Wenn du bis zum 31. Mai des folgenden Kalenderjahres eine Einkommenssteuererklärung einreichst, kannst du aber die zu viel gezahlten Lohnsteuern zurück bekommen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durchzutauschen. Mehr Infos dazu findest du im Abschnitt "Freibeträge flexibel handhaben" hier: http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQn

    Übrigens: ein mündlicher Arbeitsvertrag ist immer ein unbefristeter Arbeitsvertrag, denn Befristungen bedürfen immer der Schriftform. Nach einem Monat Beschäftigung hast du das Recht, die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich ausgehändigt zu bekommen. Mehr dazu hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQL. Auch schwankende Arbeitszeiten sind nicht einfach mal so nach Gutdünken des_der Arbeitgeber_in möglich, sondern sind erstmal nur möglich, wenn Arbeit auf Abruf vereinbart wurde und auch da gibt es eine Mindesarbeitszeit pro Tag und Woche, die auch vergütet werden muss: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhc

    Was deine letzte Frage angeht: ja, du bist verpflichtet, beiden Arbeitgeber_innen deine jeweiligen anderen Beschäftigungen mitzuteilen. Hintergrund ist, dass sie nur so in der Lage sind, dich richtig anzumelden. Sie können dir aber normalerweise nicht verbieten die andere Tätigkeit aufzunehmen und ein Kündigungsgrund ist ein etwaiger Wechsel im Status der Sozialversicherung auch nicht. Mehr dazu hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in unserem Büro bei dir vor Ort beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2n oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße,
    Valentin
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 17.07.2017 09:14:03


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