Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudent+Minijob+kurzfristige Beschäftigung

Hallo liebes dgb-Team,

Ich stehe vor einem Problem: Lässt sich ein Werkstudentenjob mit einem Minijob und einer kurzfristigen Beschäftigung vereinen? Was muss ich beachten?

Ich bin Studentin und war dieses Jahr noch nicht Beschäftigung.
Ich werde ab Mitte November einen Minijob für nur 2 Monate annehmen. Hier handelt es sich nur um ein Paar einzelne Termine im November/Dezember. Die Wochenstundenzeit ist unterschiedlich, jedoch gibt es eine Woche in der ich die 20 Stunden Grenze überschreiten werde. Ist das schlimm? Außerdem werde ich dort im November ca. 300€ und im Dezember etwa 500€ verdienen und die 450€ Grenze überschreiten. In wie weit ist das erlaubt?

Außerdem wurde mir ebenso ab November eine werkstudentenstelle angeboten (unbefristet). Die Arbeitszeit beträgt hier bis zu 20/h die Woche. Lässt sich das mit dem Minijob vereinen? Was muss ich beachten bezüglich Wochenstunden und verdienst? Werden die Wochenstunden beider Jobs zusammengerechnet bzw. Ist es auch erlaubt mehr als 20/h die Woche zu arbeiten?

Außerdem wurde mir ebenso ab November eine kurzfristige Beschäftigung angeboten. Hier kann ich frei aussuchen an welchen Tagen und Termine ich arbeiten möchte und werde hier nur ab und zu tätig sein, je nach Zeit. Was muss ich hierbei beachten? Zählen die Arbeitsstunden mit dem werkstudentenjob und Minijob zusammen oder werden diese getrennt beachtet?

Lassen sich im allgemeinen die 3 Jobs so kombinieren und was muss ich beachten? Wäre so nur für November/ Dezember.
Der Minijob lässe sich auch über Gewerbeschein abbrechen. Ist die Kombi aus GS+Werkstudent+kurzfristige Beschäftigung vorteilhafter?
Ab Januar dann nur noch Werkstudent und kurzfristige Beschäftigung. Was gäbe es hierbei zu beachten?

Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße

Jenny: 03.11.2018 12:51:51 |
Tags:
  • RE: Werkstudent+Minijob+kurzfristige Beschäftigung

    Hallo Jenny,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung und beim Finanzamt angemeldet werden.

    Dabei ist die Kombi aus Werkstudijob, Minijob und kurzfristiger Beschäftigung rechtlich kein Problem. Die Jobs werden in der Sozialversicherung getrennt betrachtet und die Gehälter nicht zusammengezählt. Lediglich der Werkstudent_innestatus könnte für die Zeit der Überschneidung aller Jobs entfallen, was aber nur den Werkstudijob betreffen würde (für die geringfügigen Beschäftigungen gelten eigene gesetzliche Regelungen unabhängig davon, ob du Studentin bist oder nicht).
    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich nämlich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV), den Vollzeitstudent_innen in der Regel immer dann innehaben, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Dabei wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze zur Ermittlung dienes SV-Status herangezogen. Das heißt, dass du auch als Studentin über 20h/Woche arbeiten darfst, aber dann eben ggf. entsprechend angemeldet werden musst. Ausschlaggebend für die Ermittlung deines SV-Status ist deine regelmäßige Arbeitszeit (einzelne Spitzen spielen in der Regel keine Rolle) und daran orientiert, ob dein Studium im Vordergrund steht oder die Arbeit.
    Dabei zählt die Arbeitszeit aus allen Jobs zusammen. Das gilt auch für selbstständig ausgeübte Tätigkeiten, macht also in dem Bereich keinen Unterschied, ob du den einen Job als (abhängigen) Minijob oder auf Gewerbeschein ( = selbstständig) ausübst. Dafür hat Selbstständigkeit noch ganz ander Konsequenzen, das würde jetzt den Rahmen sprengen. Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​pyC

    Zurück zu der Kombi Werkstudijob, Minijob und kurzfristige Beschäftigung:

    - Einkommen aus kurzfristiger Beschäftigung ist grundsätzlich sozialversicherungsfrei, hierauf fallen also keine SV-Abgaben an, vermutlich aber Steuereinzüge (über Lohnsteuerklasse 6, mehr dazu im nächsten Absatz). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU

    - Einkommen aus Minijobs ist grundsätzlich bis auf 3,6% Rentenversicherung sozialversicherungsfrei. Von den Rentenversicherungsbeiträgen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Ausschlaggebend zur Bewertung, ob es sich um eine Miniojob handelt ist bei schwankendem Einkommen der Durchschnitt der Beschäftigungsmonate. Verdienst du im Schnitt nicht merh als 450€/Monat, gilt der Minijobsstaus auch für Monate mit über 450€.

    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.

    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9000€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. Das trifft vermutlich auch auf die kurzfristige Beschäftigung zu. So kann es auch dann zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    - Bei einem Werkstudijob handelt es sich arbeitstechtlich um einen Teilzeitjob (ggf. in der Gleitzone: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb). Das heißt, es handelt sich um eine reguläre Beschäftigung, auf die auch SV-Beiträge fällig werden.
    Je nachdem, wie viel du insgesamt (mit den anderen Jobs zusammen) arbeitest und ob die über der 20h/Woche liegende Zeit unter bestimmte Ausnahmeregelungen fällt, musst du unterschiedlich angemeldet werden und unterschiedliche SV-Beiträge zahlen:

    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin insgesamt nicht mehr als 20h/Woche (oder Ausnahmen greifen), wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat, ggf. "freiwillig" mind. 140€/Monat)

    Arbeitest du insgesamt mehr als 20h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.
    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina
    Arbeitsrechtlich spielt der Stuidierendenstatus keine Rolle, egal welchen SV-Status dub hast, dein Arbeitsvertrag gilt normal weiter.
    Entfällt ein Job, arbeitest du also weniger und erfüllst die Voraussetzungen des Werkstudent_innenstatus wieder, meldet dich dein_e Arbeitgeber_in auch wieder um.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Ich hoffe, ich habe nichts vergessen!
    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 05.11.2018 16:09:11


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.

WIR IM SOCIAL WEB