Deutscher Gewerkschaftsbund

2 Minijobs - Fragen zu Steuern & Krankenversicherung

Hallo ihr Lieben,

ich arbeite zur Zeit als SHK (10Std/Woche) an meiner Uni und verdiene etwa 413€ im Monat. Da nun Hilfen wie BAföG und Kindergeld aus Altersgründen/Semesteranzahl weggefallen sind, würde ich gerne einen weiteren 450€/Minijob annehmen.
Nun bin ich aber unsicher, wie sich das bezüglich Steuern & Krankenversicherung verhält. Wahrscheinlich würde ich über die 20Std-Regel kommen. Was bedeutet dies hinsichtlich der Krankenversicherung? Bzw. wenn ich jetzt nicht nur am Wochenende/abends/Semesterferien arbeite, sondern unter der Woche, wie verhält es sich da mit den Steuern? Ich gebe zu, so langsam verliere ich den Überblick über die verschiedenen Regelungen ...
Vielen Dank im Voraus!

Anja K.: 06.10.2018 11:12:02 |
Tags:
  • RE: 2 Minijobs - Fragen zu Steuern & Krankenversicherung

    Hallo Anja,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Student darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Welche Auswirkungen welche Jobkombi in den unterschiedlichen Bereichen Steuern und Sozialversicherung hat, hängt maßgeblich von Art und Umfang der einzelnen Beschäftigungen und der jeweiligen sowie gesamten Einkommenshöhe ab.

    Wenn ich es richtig verstehe, ist dein bisheriger Job ein Minijob? Oder handelt es sich um einen Midijob (brutto zwischen 450,01€ und 850€/Monat), bei dem du netto 413€ rausbekommst? Das macht einen ziemlichen Unterschied, wenn du planst, einen weiteren Minijob (bis 450€/Monat) aufzunehmen! Davon hängt ab, auf ob die SV-Abgaben nur auf eins oder beide Gehälter anfallen. Auch steuerlich macht das eine Unterschied.

    Ich versuich das mal aufzudröseln:
    Verdienst du in beiden Jobs nicht mehr als jeweils 450€/Monat, handelt es sich bei beiden um geringfügige Beschäftigungen/Minijobs. Diese werden in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, wirst du in beiden als Werkstudentin angemeldet. Dann fallen auf beide Gehälter je 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an. Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat, ggf. "freiwillig" mind. 140€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Arbeitest du insgesamt regelmäßig mehr als 20h/Woche und wirst deshalb voll sv-pflichtig, werden nicht nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, sondern auch in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV).
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, dafür keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Zudem müssen in der Kombi dann auch beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9000€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Kombinierst du aber einen Midijob mit einem Minijob, fallen die oben genannten SV-Beiträge (egal ob die aus dem Werkstudistatus oder voll sv-pflichtig) nur auf das Gehalt aus dem Midijob an. Zudem werden dort die SV-Beiträge für dich günstiger berechnet. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb
    Der Minijob bliebe dann ein Minijob und so fielen nur 3,6% Rentenversicherungsbeiträge auf das Gehalt daraus an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. Ansonsten ist Gehalt aus einem Minijob sozialversicherungsfrei.

    Zudem werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6 (dann siehe oben).

    Die steuerlichen Regelungen sind übrigens unabhängig vom Studierendenstatus, dieser ist nur für die SV relevant.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inS oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 08.10.2018 13:57:03


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die DGB-Jugend Datenschutzerklärung gelesen.

WIR IM SOCIAL WEB