Deutscher Gewerkschaftsbund

Zwei Jobs gleichzeitig

Hallo,

neben dem Studium arbeite ich 20 Stunden die Woche als Erzieherin in einer Einrichtung. Dort werde ich als Erzieherin bezahlt, jedoch studentisch abgerechnet. Diesen Job habe ich jetzt gekündigt und fange am 1. Oktober in einer neuen Einrichtung zu den gleichen Konditionen an.
Ich habe bis jetzt so viele Überstunden, dass ich noch bis Ende Oktober in der alten Einrichtung angestellt bleiben könnte, ohne zu arbeiten. So könnte ich quasi doppeltes Gehalt bekommen.
Daher meine Frage: Ist es möglich, zwei Jobs gleichzeitig zu haben und studentisch abgerechnet zu werden oder lohnt sich das steuerlich nicht?

Vielen Dank!

Steffi : 11.09.2018 09:54:52 |
Tags:
  • RE: Zwei Jobs gleichzeitig

    Hallo Steffi,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Grundsätzlich darfst du auch als Student so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung und beim Finanzamt angemeldet werden.

    Bei der Berechnung wieviel Lohnsteuer abgeführt wird, spielt der Studierendenstatus gar keine Rolle. Hier kommt es auf deine Einkommenshöhe und die Lohnsteuerklasse an. Hast du zwei Jobs, die über deine Steuer-ID abgerechnet werden, wird einer davon voraussichtlich über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen müssen. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9000€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Bei der Sozialversicherung wiederum gibt es Sonderregelungen für Student_innen. Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet (das meinst du vermutlich mit studentisch abgerechnet). Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat) https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Arbeitest du mehr als 20h/Woche (egal ob in einem oder durch Kombination in mehreren Jobs), wirst du als Arbeitnehmerin voll sozialversicherungspflichtig angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger oder zumindest nicht wesentlich teurer als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Wie das gerechnet wird, wenn du im einen Job faktisch nicht arbeitest und nur Überstunden abbummelst, kann ich dir nicht sagen. Dass müsste im Einzelfall geprüft werden.
    Es kann aber sein, wenn du angibst, dass du im ersten Job nicht mehr arbeitest, weil du so viele Überstunden hast, dass dann unterstellt wird, dass du dann ja schon längst voll sv-pflichtig im alten Job hättest sein müssen (20h/Woche laut Vertrag + viele Überstunden = regelmäßige Arbeitszeit >20h/Woche). Es könnte sich also ggf. rechnen, wenn du einfach 1 Monat die volle SV-Pflicht akzeptierst, die vermutlich eintritt, wenn du offiziell für einen Monat beide Jobs zeitgleich ausübst.

    Ja nachdem, wann deinen Vorlesungen anfangen, könnte es auch sein, dass trotz der Überschneidung der Werkstudent_innenstatus in beiden Jobs erhalten bleibt und zwar dann, wenn die 20h/Woche nur bis zu 2 Wochen in die Vorlesungzeit fallen. Fängt bei euch die Vorlesungszeit z.B. am 22.10. erst an, würde das zutreffen. Fangen die Veranstaltungen aber schon Anfang Oktober an, wird das vermutlich nicht gehen. (Quelle: http:/​/​www.deutsche-rentenversicherung.de/​Allgemein/​de/​Inhalt/​3_Infos_fuer_Experten/​02_arbeitgeber_steuerberater/​01a_summa_summarum/​04_rundschreiben/​2016/​versicherungsrechtl_beurteilung_beshaeft​igte_studenten_praktikanten_pdf.pdf?__bl​ob=publicationFile&v=2)

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 11.09.2018 15:40:42


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.



Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.

WIR IM SOCIAL WEB