Deutscher Gewerkschaftsbund

Frage

Hey, ich bin gerade auf euer Beratungsangebot gestoßen und hoffe, dass ihr mir weiterhelfen könnt.
Ich habe gerade finanzielle Schwierigkeiten und muss deswegen neben meinem Job als Werkstudentin noch einen zweiten Job aufnehmen.
Jetzt bin ich sofort überfordert, wieviel ich überhaupt arbeiten darf und so weiter und so fort. Möchte nichts falsch machen.
Kurz um es zu erklären. Ich arbeite 12 Stunden die Woche als wissenschaftliche Mitarbeiterin, jetzt könnte ich noch einen 450 Euro job nebenbei annehmen. Könnt ihr mir sagen, ob ich da Probleme mit kriege? Ich habe nämlich gelesen, dass ich nicht mehr als 20 Stunden arbeiten darf die Woche, was das aber übersteigen würde. Oder muss ich mein Studium abbrechen? Ich schaff es nicht das selbst zu finanzieren, wenn ich nicht mehr als 450 Euro verdiene.
Ich bin total überfordert und hoffe, ihr könnt mir etwas Klarheit geben. Einen Steuerberater kann ich mir nämlich auch nicht leisten...
Solidarische Grüße

Chiara : 06.09.2018 12:57:17 |
Tags:
  • RE: Frage

    Hallo Chiara,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss. Dort bist und bleibst du Studentin, solange du immatrikuliert bist - egal, wieviel du nebenbei (oder auch hauptsächlich) arbeitest.
    Je nach Umfang und Art der Beschäftigung(en), je nach Kombination und jeweiliger sowie gesamter Einkommenshöhe, musst du nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden.

    Dabei wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze innerhalb der Sozialversicherung (SV) herangezogen:
    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich nämlich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung und keine arbeitsrechtliche Kategorie! Diesen haben Vollzeitstudent_innen i.d.R. immer dann inne, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi Arbeiten sie regelmäßig mehr, ändert sich der Status in der SV, sonst nichts. Das kann für dich sogar Vorteile haben.

    Hier der Unterschied:

    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat)

    Arbeitest du insgesamt regelmäßig mehr als 20h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Je nach Einkommenshöhe ist eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina
    Die SV-Beiträge werden auch nur auf das Gehalt aus deinem ersten Job fällig, wenn du als Zweitjob lediglich einen Minijob aufnimmst. Davon gehe ich zumindest aus, denn bei 12h/Woche müsstest du bereits bei Mindestlohn über 450€/Monat verdienen und ich hoffe, du verdienst dort deutlich mehr ;-)

    Gehalt aus Minijobs ist bis auf 3,6% RV grundsätzlich sv-frei - egal ob du studierst, nebenbei mehr arbeitest oder was auch immer. Hier ist allein die Einkommensgrenze von 450€/Monat ausschlaggebend. Von der RV kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Steuerlich werden Minijobs zudem in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi "gefühlt steuerfrei" obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.
    Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über die Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9000€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 06.09.2018 15:51:02


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