Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudent, 20-Stunden-Regel


Hallo,

ich habe ab Oktober einen Werkstudentenjob mit 20 Std in der Woche. Nun ist mein Problem das mein alter Werkstudentenjob mit auch 20 std noch bis Ende Oktober geht. Das heißt ich hätte eine Überschneidung. Ich möchte den neuen Job nicht ablehnen da er studiennah ist und bei dem alten Job kann ich nicht zum 01. Oktober aufhören. Ich könnte mich bei dem alten Job auf 450eur Basis runter stufen lassen, aber auch dann überschreite ich die 20-Stunden-regel. (Ich bin selbst studentisch krankenvers.)

Daher meine Frage...gibt es irgendeine Möglichkeit? Es geht ja wirklich nur um 4 Wochen.

Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen!

Anna: 06.09.2018 11:49:19 |
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  • RE: Werkstudent, 20-Stunden-Regel

    Hallo Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.
    Du kannst also zwei Jobs à 20h/Woche ausüben (sofern du das zeitlich vereinbart bekommst). Einzige gesetzliche Begrenzung kommt aus dem Arbeitszeitgesetz, danach sind maximal 48h/Woche erlaubt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQj

    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich lediglich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV). Dabei wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze herangezogen: Den Werkstudent_innenstatus haben Vollzeitstudent_innen i.d.R. nämlich immer dann inne, wenn sie nicht mehr als 20h/Woche arbeiten. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Der Unterschied: Im Werkstudistatus werden von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat)

    Arbeitest du mehr als 20h/Woche, wirst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmerin angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, keine weiteren Kosten für KV/PV.

    In den Semesterferien kannst du auch Vollzeit arbeiten, ohne dass das Einfluss auf deinen Status als Werkstudentin hat. Laut Rechtsprechung kannst du dabei ohne Statusänderung sogar bis zu zwei Wochen in die Vorlesungszeit hinein Vollzeit arbeiten.

    Du musst also schlimmstenfalls nur entsprechend in der Sozialversicherung angemeldet werden. Je nachdem, wann deine Vorlesungen beginnen, passiert vielleicht gar nichts.

    Zudem müssen beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9000€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM

    Wenn die Überschreitung nicht durch zwei 20h-Jobs, sondern durch 20h-Job plus Minijob zustandekommt, verhält sich alles ähnlich. Bei der Kombination werden allerdings die SV-Beiträge nur vom neuen Job fällig, da Minijobs bis auf 3,6% Rentenverwsicherungsbeitrag sozialversicherungsfrei sind. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Zudem werden Minijobs steuerlich in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt verdienst und was du eventuell an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Außerdem noch ein Hinweis: wenn es keine (oder keine wirksame) Klausel zu Kündigungsfristen in deinem Arbeitsvertrag gibt, gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen. Nach diesen kannst du immer mit 4 Wochen Frist zum 15. oder zum Monatsende kündigen. Damit könntest du den ersten Jobs eventuell schon zum 15.10. kündigen.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2y oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 06.09.2018 15:22:10


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