Deutscher Gewerkschaftsbund

Midijob und wissenschaftliche Hilfskraft

Hallo,
und zwar habe ich eine Frage zu meinem speziellen Fall. Ich studiere und gehe seit Anfang September einem Midijob mit 518€ Netto im Monat nach. Nun kann ich demnächst einer Stelle als wissenschaftlicher Hilfskraft nachgehen, bei der ich nur 8h/Woche arbeiten und damit im Monat nicht über die 450€ kommen würde. Daher meine Frage wie das mit den Steuerklassen der beiden Jobs aussieht und ob der Job als wissenschaftliche Hilfskraft versteuert wird oder nicht, da er unter 450€ sein wird? Gilt das als Minijob? Falls beides versteuert werden muss, was wäre sinnvoller wie anzugeben, um nach Möglichkeit das höchstmögliche Gehalt beider Jobs rauszubekommen?
Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

MfG,
Sebastian B.

Sebastian B.: 05.09.2018 15:45:20 |
Tags:
  • RE: Midijob und wissenschaftliche Hilfskraft

    Hallo Sebastian,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Solange du in dem zweiten Job nicht mehr als 450€/Monat verdienst, handelt es sich um einen Minijob. Dieser wird nach Minijobregeln abgerechnet. Dann fallen 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an. Von diesen kannst du dich auch befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Midijob und midijob werden in der Sozialversicherung (SV) nicht zusammengerechnet. Dein Midijob bleibt ein Midijob. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Solange du mit beiden Jobs zusammen insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest, bleibst du im Midijob als Werkstudent angemeldet. Dann fallen auf das Gehalt daraus weiterhin 9,3% Rentenversicherungsbeiträge an und du musst dich selbst auf eigene Kosten krankenversichern (studentisch ca. 90€/Monat, ggf. "freiwillig" mind. 160€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Arbeitest du insgesamt regelmäßig mehr als 20h/Woche, entfällt der Werkstudent_innenstatus. Du wirst dann voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer im Midijob angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nicht mehr nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, sondern auch in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV).
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt (im Mdidjob für dich günstiger berechnet), keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Die volle SV-Pflicht wäre hier sogar finanziell günstiger als der Status als Werkstudent. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.
    Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deinen Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9000€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM

    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt verdienst und was du eventuell an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon. Ausführlicheres zu Steuern: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 06.09.2018 14:58:49


  • RE: Midijob und wissenschaftliche Hilfskraft

    Vielen Dank für die schnelle Antwort, Andrea!

    Das heißt für mich, da ich den Minijob auch unter meiner Steuer-ID angeben muss, fällt er unter LSK 6, aber ich muss keine Steuern zahlen, weil er ja unter den 450€ pro Monat liegt? Sehr verwirrend mit den genauen Steuervorgängen.

    Danke im Voraus für die Antwort.

    Beste Grüße,
    Sebastian B.

    Sebastian B.: 06.09.2018 15:13:55


  • RE: Midijob und wissenschaftliche Hilfskraft

    Hallo Sebastian,

    nein, abndersherum. Wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, kommt es dort in LSK 6 sehr wahrscheinlich zu ziemlich hohen Steuereinzügen. Sämtliche zuviel eingezogenen Steuern kannst du am Jahresende mit einer Steuererklärung ggf. zurückbekommen (was und wieviel kann ich aber so nicht einschätzen).

    Nur wenn der Minijob pauschal versteuert wird, ist er quasi "gefühlt" steuerfrei.
    In der Regel zahlt die 2% die Arbeitgeber_innenseite, so dass für die meisten Minijobber_innen das Gehalt aus Minijobs steuerfrei ist. Nur wenn im Arbeitsvertrag explizit ein Bruttogehalt vereinbart ist, musst du entweder über deinen Steuer-ID abrechnen lassen (und dann ggf. über LSK 6) oder die 2% selbst bezahlen.

    Lies dir mal unsere Seiten zum Thema Steuern und Minijobs durch (beides oben verlinkt), vielleicht klärt sich dann alles etwas auf.

    Beste Grüße
    Andrea

    S@W: 06.09.2018 15:38:18


  • RE: Midijob und wissenschaftliche Hilfskraft

    Hallo Sebastian,

    wenn du dir den Aufwand einer Steuererklärung sparen und die 2% Pauschsteuer zahlen willst, bist du au dem richtigen Dampfer ;-)
    Die 2% kannst du aber nicht wieder zurückbekommen. Die sind dann weg.

    Wenn du dich für die Variante über LSK 6 entscheidest, hast du zwar höhere Steuereinzüge, dafür aber die Möglichkeit, diese mit einer Steuererklärung wieder zurückzubekommen.

    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt im Jahr verdienst und was du eventuell an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Viel Erfolg!
    Beste Grüße
    Andrea

    S@W: 10.09.2018 14:18:59


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