Deutscher Gewerkschaftsbund

Zweiter HiWi-Vertrag?

Hallo,

könnt Ihr mir bitte einen Ratschlag geben?

Es geht darum, ob ich einen zweiten HiWi-Vertrag annehmen soll. Bisher verdiene ich 396 Euro Brutto. Ein zweiter Vertrag über 10 Std/Monat (über 6 Monate) wurde mir jetzt zusätzlich angeboten. Dadurch, und durch eine Erhöhung des Stundenlohns würde ich 513 Euro/Monat verdienen.

Damit ist es kein Minijob mehr, so weit so klar. Rentenversicherung zahl ich auch jetzt schon.

Mit 6 Monaten 396,8 Euro + 6 Monaten 513,5 Euro komme ich auf ein Jahresgehalt von 5461 Euro. Bei 5400 Euro ist doch nochmal eine wichtige Einkommensgrenze, oder?

Also müsste ich Sozialabgaben und Steuern zahlen, die ich aber zum Teil über die Steuererklärung zurückbekommen könnte - nehme ich an.

Ein wichtiger Punkt ist aber vor allem die Krankenversicherung. Ich bin schon Ü30 und im fortgeschrittenen Semester, sodass ich inzwischen aus der studentischen Krankenversicherung raus bin. Mich würde es also freuen, wenn ich >450 Euro verdienen würde, weil dann mein Arbeitgeber die Hälfte meiner Krankenversicherung bezahlen müsste. Stimmt doch, oder?

Jetzt weiß ich einfach nicht, wie ich das genau berechne, ob es sich lohnt, mehr zu arbeiten.

Hoffe Ihr könnt mir weiterhelfen.

T: 03.08.2018 13:59:37 |
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  • RE: Zweiter HiWi-Vertrag?

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Ich versuch das mal aufzudröseln:

    5400€/Jahr ist eine relevante Grenze bei Minijobs (als mögliches jährliches Gesamtminijobeinkommen bei schwankender Gehaltshöhe), im BAföG und bei der Familienversicherung. Von dem was du angegeben hast, dürfte das bei dir alles nicht (mehr) relevant sein.
    Ich habe allerdings nicht verstanden, wie du dein Gesamteinkommen aus beiden Jobs berechnest. Da du den Minijob ja schon länger hast und auch nicht schreibst, dass du ihn zugunsten des zusätzlichen Vertragsangebots aufgeben möchtest, müsstest du >6 Monate Minijob + 6 Monate neuer Job haben ;-).

    Wenn du einen Minijob (bis max. 450€/Monat) mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (über 450€/Monat) kombinierst, bleibt beim Minijob alles wie bisher. Dort fallen dann weiterhin nur die 3,6% Rentenversicherungsbeiträge an.
    Steuerlich werden Minijobs zudem in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs über deine Steuer-ID hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9000€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast. Wird dein Minijob pauschal versteuert, fällst du als alleinstehende_r Kinderlose_r im neuen Job automatisch in LSK 1 (solltest du verheiratet sein und/oder Kinder haben, gibt es noch ander Steuerklassen).
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt verdienst und was du eventuell noch an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Sozialabgaben kannst du nie über die Steuererklärung wiederbekommen. Das Sozialversicherungsrecht funktioniert nach eigenen gesetzlichen Grundlagen, Regeln und Kriterien. Durch die Abgabe einer Steuererklärung kannst du nur zuvor eingezogene Steuern zurückbekommen, wenn der Steuereinzug zu hoch angesetzt war und tatsächlich weniger fällig geworden sind.

    Kommen wir nun zum neuen sozialversicherungspflichtigen Job. Ob du hier voll sozialversicherungspflichtig angemeldet werden kannst, hängt nicht nur davon ab, dass der Job brutto über 450€/Monat liegt. Für jobbende Studierende gibt es nämlich einen Sonderstatus in der Sozialversicherung (SV), den sogenannten Werkstudent_innenstatus. Dabei handelt es sich um einen Status innerhalb der SV, den Vollzeitstudent_innen i.d.R. immer dann innehaben, wenn sie insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeiten https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Das heißt: liegt deine Arbeitszeit aus Minijob plus neuem Job nicht über 20h/Woche, kannst du bei Vollzeitimmatrikulation nicht voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer_in angemeldet werden. Du wirst dann in der SV als Werkstudent_in angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur die regulären Beiträge in die Rentenversicherung (RV, 9,3%) abgeführt werden, aber keine Beiträge in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann weiterhin selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV ( "freiwillig" ca. 160€/Monat).

    Nur wenn du regelmäßig insgesamt mehr als 20h/Woche arbeitest und nicht unter die Ausnahemregelungen (wie. z.B. Arbeit in den Semesterferien) fällst, kannst du voll sv-pflichtig als Arbeitnehmer_in angemeldet. Erst dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt und dein_e Arbeitgeber_in zahlt anteilig die andere Hälfte der Beiträge. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina
    Student_innen, die nicht mehr als 20h/Woche arbeiten, können nur dann bei einer Gehaltshöhe >450€/Monat voll sv-pflichtig gemeldet werden, wenn sie Teilzeit immatrikuliert oder vom Studium beurlaubt ( = im Urlaubssemester) sind.

    Ich hoffe, die Infos helfen dir bei deiner Entscheidung weiter! Insgesamt wirst du mit zwei Jobs in der Kombi aber sicher deutlich mehr verdienen als bisher.

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2D oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 06.08.2018 15:41:37


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