Deutscher Gewerkschaftsbund

Minijob + über 450€ Job als Studentin

Hallo,

ich bin total überfordert..ich arbeite nun seit fast 2 Jahren auf 450€ Basis (7 Stunden/Woche).
Nun reicht das leider nicht wirklich aus, weshalb ich nun einen weiteren Job angeboten bekommen habe (Bei einem anderen Arbeitgeber). Hier soll ich nun 12Std/Woche arbeiten und würde somit wöchentlich auf insgesamt 19 Stunden kommen. Alles schön und gut, aber was genau wird mir nun jetzt abgezogen? Ich habe gehört, dass einer der beiden Jobs auch bei Studenten in die Steuerklasse 6 muss?! Da würde ich doch eigentlich fast nichts mehr übrig haben vom Bruttogehalt, wenn ein Job in die Steuerklasse 6 fallen würde....Worauf muss ich nun achten? Ich muss mich wahrscheinlich selbstversichern, das wird um die 93€/Monat kosten. Aber was muss ich noch alles berechnen?
Bei dem anderen Job würde ich pro Stunde 10,50€ verdienen. Das wären 505€ ca. im Monat. Somit würde ich insgesamt 950€ ca. Brutto verdienen. Die Frage ist nur..wie viel bleibt davon übrig? :-(
Leider kann ich nicht in einer Stelle 20 Std/Woche arbeiten - deshalb bin ich gezwungen meine Stunden zu "splitten".

Ich würde mich über eure Antworten sehr freuen.

Vielen lieben Dank!

Marlena: 11.07.2018 21:58:20 |
Tags:
  • RE: Minijob + über 450€ Job als Studentin

    Hallo Marlena,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Mit dem Splitten in einen sv-pflichtigen Job ( >450€/Monat) und einem Minijob (nicht mehr als 450e/Monat), kommst du sogar gü+nstiger weg als mit nur einem Job à 20h/Woche ;-)

    Ich versuch das mal aufzudröseln:

    Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin insgesamt nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der Sozialversicherung (SV) als sogenannte Werkstudentin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Abzüge: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat).
    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Die 9,3% RV fallen aber nur auf dein Gehalt aus dem Werkstudijob an. Beim Minijob bleibst alles beim alten. Das heißt, hier fallen 3,6% RV an, von denen du dich auch befreien lassen kannst (erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus).

    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann (hier solltest du den Job mit dem höheren Einkommen angeben).
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9000€/Jahr (plus 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, wieviel du insgesamt verdienst und was du eventuell an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Insgesamt sollte bei der von dir angegeben Gesamteinkommenshöhe also gar keine Einkommsteuer fällig werden. Wird über LSK 6 dennoch welche eingezogen, kannst du die zurückbekommen.
    Oder du kannst folgendes versuchen: Du kannst beim zuständigen Finanzamt einen Übertrag eines Teils deines Freibetrags auf die LSK 6 zu beantragen. Wird der Antrag bewilligt, kannst du den hohen Steuereinzug über deine LSK 6 ggf. vermeiden oder zumindest vermindern. Schau mal hier unter "Freibeträge flexibel handhaben": https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQn

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 12.07.2018 15:04:42


  • RE: Minijob + über 450€ Job als Studentin

    Wow vielen lieben Dank für diese tolle und schnelle Antwort.

    Ich habe sofort bei meinem jetzigen Arbeitgeber angerufen und die haben mir auch sofort angeboten, dass sie für mich diese Pauschalsteuer zahlen. Das heißt also für mich, dass ich die KV zahlen muss und die Rentenbeiträge für mich nur auf den Job fallen, der über 450€ im Monat vergütet wird, oder?
    Super! Jetzt bin ich echt beruhigt, da ich wirklich Panik vor der SK 6 hatte.

    Wünsche Dir noch einen erfolgreichen und sonnigen Tag :-)

    Marlena: 12.07.2018 15:35:19


  • RE: Minijob + über 450€ Job als Studentin

    Danke! Dir auch :-)

    Liebe Grüße
    Andrea

    S@W: 12.07.2018 15:46:39


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