Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudentenjob über 20h/Woche

Hallo!
Ich habe einen Werkstudentenjob für 20h/Woche. Da ich dieses Semester kaum Uni habe, würde ich gerne mehr arbeiten. Soweit ich weiß geht das ja auch 26 Wochen im Jahr, und diese würde ich nicht überschreiten. Mein Arbeitgeber sagt aber, dass es eine intere Regel gibt, dass sie Werktstudenten nur in den Semesterferien anbieten, über 20h zu arbeiten. Das muss ich leider akzeptieren und kann daher nicht mehr als 20h/Woche während des Semesters arbeiten. Nun wäre aber meine Frage, ob ich einfach einen zweiten Job für einige Monate annehmen dürfte, unter dem Semester. Ich frage deshalb, weil mein jetziger Arbeiteber immer einen "Antrag auf Nebentätigkeit" verlangt, wenn man weitere Jobs annehmen will. Und da habe ich mich gefragt, wenn deren interne Regel ist, dass ich bei ihnen nicht mehr als 20h/Woche im Semester arbeiten darf ("um ein Studium nicht zu gefährden"), können sie mir dann als Hauptarbeitgeber auch verbieten, woanders gleichzeitig zu arbeiten? Damit würde ich ja mein Studium genauso gefährden. Also dürften sie mir eine Nebentätigkeit untersagen?
Danke und viele Grüße,
Anna

Anna: 11.07.2018 14:22:27 |
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  • RE: Werkstudentenjob über 20h/Woche

    Hallo Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erstmal grundsätzlich: Auch als Studentin darfst du so viel arbeiten und verdienen, wie du möchtest. Auf deinen Status innerhalb der Uni hat das keinen Einfluss.

    Arbeitsrechtlich bist du ganz normale Teilzeitangestellte.
    Beim sogenannten Werkstudent_innenstatus handelt es sich lediglich um einen Status innerhalb der Sozialversicherung (SV). Dabei wird die sogenannte 20h-Regel als Orientierungsgrenze herangezogen, um deinen SV-Status zu bestimmen. Hier kommt auch die 26-Wochen-Regel her. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Mit internen betrieblichen Regelungen hat all das eigentlich wenig zu tun (diese werden vermutlich herangezogen, um die Personalverwaltung durch dieses komplexe Thema zu führen).

    Grundsätzlich gilt: Arbeitest du als Vollzeit immatrikulierte Studentin insgesamt nicht mehr als 20h/Woche, wirst du in der SV als Werkstudentin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst auf eigene Kosten und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene KV/PV (studentisch ca. 90€/Monat)

    Arbeitest du mehr als 20h/Woche, wirst du als Arbeitnehmerin voll sozialversicherungspflichtig angemeldet. Dann werden von deinem Gehalt anteilig Beiträge in die RV, KV, PV und AV abgeführt.
    Kosten: Insgesamt knapp 20% SV-Abgaben vom Gehalt, keine weiteren Kosten für KV/PV.

    Je nach Einkommenshöhe kann eine volle SV-Pflicht also sogar finanziell günstiger für dich sein als der Status als Werkstudentin. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). Allerdings müssen auch deine Arbeitgeber_innen höhere Sozialversicherungsabgaben für dich bezahlen, wenn der Werkstudent_innnestatus wegfällt. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Von dieser 20h-Regel gibt es dann auch noch Ausnahmen, nach denen du mehr als 20h/Woche arbeiten kannst, ohne dass sich dein Status von Werkstudentin auf Arbeitnehmerin verändert. Ausnahmen sind demnach in der vorlesungsfreien Zeit und unter bestimmten Umständen bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit möglich.

    Letzteres ist z.B. der Fall, wenn durch befristete Beschäftigungen in nicht merh als 26 Wochen im Jahr die über den 20h/Woche liegende Arbeitszeit auf Wochenende, nachts oder die Semesterferien fällt. ( = 26-Wochen-Regel).

    Eine Änderung deines SV-Status ist aber kein Kündigungsgrund und sollte eigentlich auch kein Grund sein, dir die Aufnahme einer weiteren Beschäftigung zu verbieten. Da dies aber vermutlich auch mit Mehrkosten für deinen bisherigen Arbeitgeber verbunden ist, kann es schon sein, dass er zumindest versucht, das zu verbieten. Wenn du rechtssichere Auskunft darüber haben möchtest, ob das in deinem Fall zulässig sein kann oder es grundsätzlich nicht ist, solltest du dich am besten anwaltlich beraten lassen.

    Als Gewerkschaftsmitglied hättest du sofort ab Eintritt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung über deine Mitgliedsgewerkschaft. Der gewerkschaftliche Rechtsschutz (Vertretung deiner Anliegen vor Gericht) greift allerdings nur, wenn du schon vorher Mitglied warst. http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inX
    Auch kannst du bei euch an der Uni/FH mal schauen, ob es eine kostenlose (Arbeits-)Rechtsberatung für Studierende, z.B. über den AStA gibt und dich dort erstberaten lassen.
    Gibt es das nicht und möchtest du auch kein Gewerkschaftsmitglied werden, kannst du dich ggf. über Beratungshilfe bei eine_r/m Anwält_in deiner Wahl beraten lassen und, wenn nötig, Prozesskostenhilfe beantragen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​i0H

    Was du sonst noch beachten solltest, wenn du mehrere Jobs kombinierst, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inS oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 12.07.2018 14:25:23


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