Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudentin und Minijob

Hallo,

ich werde bald zusätzlich zu meiner Anstellung als Werkstudentin einen Minijob ausüben und frage mich jetzt ab wann ich gesetzlich krankenversicherungspflichtig werde. Dazu kommt, dass sich mein Werkstudierendenvertrag nach meiner jeweiligen Arbeitszeit richtet, wenn ich weniger als 450,- verdiene, werde ich als Minijobber beschäftigt. Ich versuche gerade neben der Krankenversicherung (einem Wechsel in die GKV bin ich nicht abgeneigt), herauszufinden, was das außerdem steuerlich für mich bedeuten wird.
Vielen Dank!

Anna: 07.05.2018 09:15:39 |
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  • RE: Werkstudentin und Minijob

    Hallo Anna,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Ich vermute, du bist bislang privat über deine Eltern mitversichert? Wann die Familienversicherung deiner privaten Krankenversicherung endet, kannst du eurem Versicherungsvertrag entnehmen oder direkt bei der PKV erfragen. PKVen sind nicht an die gesetzlichen Regelungen aus den Sozialgesetzbüchern gebunden, sondern privatrechtliche Verträge (theoretisch kann jeder einzeln vereinbart werden), deshalb können wir hier dazu keine Beratung bieten. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Solange du noch studierst, kannst du nur auf zwei Wegen in die gesetzliche KV wechseln: Einmal über Heirat und Familienversicherung über deine_n Lebenspartner_in und zweitens über einen voll sozialversicherungspflichtigen Job.

    Während eines Vollzeitstudiums wirst du nur dann voll sozialversicherungspflichtig, wenn deine regelmäßige Arbeitszeit über 20h/Woche liegt und keine Geringfügigkeit (keine kurzfristige Beschäftigung, Verdienst über 450€/Monat) vorliegt.

    Solange du insgesamt nicht mehr als 20h/Woche arbeitest und Mehrarbeit nicht unter die Ausnahmeregelungen fällt, wirst du als Werkstudentin angemeldet. Das bedeutet, dass von deinem Gehalt nur Beiträge in die Rentenversicherung (RV) eingezogen werden, nicht aber in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV, AV). Krankenversichern musst du dich dann selbst (ggf. auf eigene Kosten) und arbeitslosenversichert bist du gar nicht.
    Kosten: 9,3% RV vom Gehalt + eigene private KV/PV, falls die private Familienversicherung entfällt.
    Mehr hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi und hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Ob auf beide oder nur auf einen Job die SV-Beiträge anfallen, hängt davon ab, was du in den einzelnen Beschäftigungen jeweils verdienst.
    Du kannst in einem Job für sich betrachtet nur entweder als Werkstudentin ODER als Minijobberin angemeldet werden. Bei schwankendem Einkommen ist der Durchschnitt der Beschäftigungsmonate ausschlaggebend. Verdienst du im Durchschnitt weniger als 450€/Monat, ist der Job für sich betrachtet ein Minijob (auch in den Monaten, in denen du über 450€/Monat kommst). Verdienst du im Durchschnitt mehr als 450€/Monat, ist der Job für sich betrachtet eine sozialversicherungspflichtieg Beschäftigung (auch in den Monaten, in denen du unter 450€/Monat bleibst) und wird bei einer Arbeitszeit von insgesamt nicht mehr als 20h/Woche im Werkstudent_innenstatus angemeldet.

    Kombinierst du nun 2 Minijobs miteinander, werden diese in der Sozialversicherung (SV) zusammengerechnet. Kommst du dann insgesamt auf über 450€/Monat, entfällt der Minijobstatus für beide Jobs. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge
    Dann fallen die SV-Abagben auf beide Gehälter an (ggf. im Werkstudent_innenstatus).
    Zudem müssen dann auch beide Jobs über deine Steuer-ID abgerechnet werden, so dass du einen davon über die ungünstige Lohnsteuerklasse 6 laufen lassen müsstest. Das ist immer dann der Fall, wenn du mehrere Jobs hast, von denen nur einer über die Lohnsteuerklasse (LSK) 1 abgerechnet werden kann.
    In der LSK 1 ist dein Steuergrundfreibetrag von 9000€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung) eingetragen, so dass du bis zu einer gewissen Einkommenshöhe im ersten Job keine Steuereinzüge hast.
    Auf LSK 6 ist in der Regel kein Freibetrag eingetragen, so dass du dort ab dem 1. ct besteuert wirst. So kann es auch zu Steuereinzügen kommen, selbst wenn du insgesamt unterhalb des Freibetrags bleiben solltest.
    Du kannst dann aber am Jahresende mit einer Steuererklärung sämtliche zu viel eingezogenen Steuern wieder zurückbekommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Kombinierst du einen Minijob mit einer Werkstuditätigkeit (>450€/Monat), fallen die SV-Abagben nur auf das Gehalt aus dem Werkstudijob an.
    Der Minijob (<450€/Monat) wird dann nach Minijobregeln abgerechnet und es fallen maximal 3,6% Rentenversicherungsbeiträge darauf an. Von diesen kannst du dich befreien lassen, erwirbst dann aber dementsprechend keine Rentenansprüche daraus. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Steuerlich werden Minijobs in der Regel pauschal mit 2% versteuert. Das Gehalt daraus zählt dann nicht in den Steuerfreibetrag mit hinein, sondern kann quasi obendrauf dazuverdient werden.
    Nur wenn der Minijob über deine Steuer-ID abgerechnet wird, fällst du dort in Steuerklasse 6.
    Welche Variante für dich günstiger kommt, hängt davon ab, was du insgesamt verdienst und was du eventuell noch an Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen oder zusätzlichen Freibeträgen geltend machen kannst.
    Die Pauschalsteuer kannst du nämlich nicht mit einer Steuererklärung zurückbekommen, über die Steuer-ID zu viel eingezogene Steuern aber ggf. schon. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2N oder dich auch gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 14.05.2018 14:56:19


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