Deutscher Gewerkschaftsbund

10h Job + 20h Werkstudent gleichzeitig

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin 24 Jahre alt, Student in Bayern und habe einen Job als studentische Hilfskraft in meiner Uni mit 10h pro Woche und einem Bruttogehalt von 430,50€ pro Monat.

Nun habe ich eine Stelle bei einer Firma als Werkstudent mit 20h pro Woche und einem Gehalt von 1200€ brutto pro Monat in Aussicht. Ich würde gern beide Stellen gleichzeitig ausüben, also 20h + 10h arbeiten.

Dabei habe ich ein paar Fragen:

1. Inwiefern beeinflussen sich die beiden Stellen bezüglich der Abgaben? Sprich zahlen ich und mein Arbeitgeber bei der 20h Stelle mehr Abgaben aufgrund des Jobs mit 430,50€ in der Uni?

2. Verstehe ich es richtig, dass ich lediglich bei dem 1200€ Job Abgaben zahle, während der Job mit 430,50€ brutto =netto ist, wenn ich dort der Einzahung in die Rentenversicherung widerspreche? Wie hoch wären die Abgaben für mich und meinen Arbeitgeber jeweils im Vergleich wenn ich nur die 20h Stelle ausüben würde?

3. Ist es möglich den Job in der Uni als "studiumsbegleitend" zu deklarieren, sodass ich bei der 20 Stunden Grenze bleibe?

Besten Dank für Ihre Hilfe!

Viele Grüße

Tobias: 16.08.2017 09:16:35 |
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  • RE: 10h Job + 20h Werkstudent gleichzeitig

    Hallo Tobias,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Deine Fragen beziehen sich auf die Kombination von mehreren Beschäftigungen bei einem Vollzeitstudium. Ich gehe davon aus, dass du aktuell einen Minijob an der Universität ausübst. Wenn du zu deiner neuen Beschäftigung einen Minijob kombinieren möchtest, bleibt dein Minijob weiterhin so bestehen und es fallen nur die Rentenversicherungsbeiträge an (,wenn Du dich nicht von ihnen befreien lassen hast).

    Bei deiner Sozialversicherung wird sich einiges ändern mit Aufnahme der zusätzlichen Tätigkeit. Ich gehe davon aus, dass Du aktuell noch familienversichert bist. Wenn du mehr als 450€ verdienst, scheidest Du aus der Familienversicherung aus. Du würdest dann theoretisch in die studentische Krankenversicherung rutschen, die durch ermäßigte Beiträge gekennzeichnet ist. Man kann Mitglied in der studentischen Krankenversicherung sein, wenn man nicht mehr als 20h pro Woche (werktags, in der Vorlesungszeit, tagsüber) arbeitet.
    Mit deiner neuen Beschäftigung plus dem Minijob arbeitest du zukünftig mehr als 20h pro Woche. Die für deine Arbeitssituation passende Krankenversicherung wäre dann die freiwillige Krankenversicherung. Bei einer Überschreitung der 20h Grenze zahlst Du zukünfitg nicht mehr deine Sozialversicherungsabgaben alleine, sondern teilst sie Dir mit deiner Arbeitsgeberin.

    Der Minijob als solcher bleibt also bestehen und sozialversicherungsfrei. Bei deiner anderen Beschäftigung teilst Du dir dann die Abgaben für Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Wie hoch deine Abgaben sind, kannst Du mit diesem Brutto-Netto-Rechner nachvollziehen: https:/​/​www.lohnspiegel.de/​html/​brutto_netto_rechner.php

    Wenn du überlegst den Minijob nicht mehr auszuüben, kannst Du dich wieder studentisch krankenversichern. Du müsstest dann aber selbstständig den Beitrag für die Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Rentenversicherung zahlen ohne das sich deine Arbeitgeberin daran beteiligt. Unter Umständen kann dies in Bezug auf die Krankenversicherung teurer für Dich sein. Ab 20h Arbeitszeit pro Woche kann man auch erst in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, das würde dann also auch entfallen. Nach Abschluss deines Studiums und einer 12 monatigen Einzahlung in die Arbeitslosenversicherung hättest Du aber beispielsweise Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Auch nachzulesen hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQe

    Einen "studienbegleitenden" Job gibt es nicht in der Sozialversicherung. Es reduzieren sich keine geleisteten Arbeitsstunden für die Krankenversicherung, nur weil sie anders betitelt werden.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Alles Gute für Dich,
    Wiebke
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 11.10.2017 16:18:52


  • RE: 10h Job + 20h Werkstudent gleichzeitig

    Hallo,

    ich bin Student und arbeite 16h die Woche als Werkstudent mit ca. 800€ Gehalt und studentischer Krankenversicherung.
    Nun möchte ich ZUSÄTZLICH einen Job annehmen, wo ich wahlweise 400€ oder 500€ verdienen kann, leider wird er in die Steuerklasse VI eingetragen, da er nicht als Minijob gilt laut Arbeitgeber. Da das abends wäre, kann ich eine Ausnahme der 20h Regel beantragen. Soweit so gut.

    Macht es aber sonst einen (finanziellen) Unterschied, ob ich im 2. Job 400€ oder 500€ verdiene? Wäre es sinnvoller im 2. Job unter 450€ zu bleiben?
    Besten Dank!

    Michael: 12.02.2018 16:19:10


  • RE: 10h Job + 20h Werkstudent gleichzeitig

    Hallo Michael,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du einen zusätzlichen Job annimmst, bei dem du 400€/Monat verdienst, handelt es sich um einen Minijob. Egal ob dein Arbeitgeber dort will oder nicht - er muss dich dann als Minijobber anmelden - auch mit der Möglichkeit der 2%-Pauschalversteuerung, also nicht zwingend über Steuerklasse 6. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Verdienst du dort 500€/Monat, handelt es sich um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, ggf. im Werkstudent_innenstatus und zwingend über deine Steuer-ID (also ggf. bei Jobkombi in Steuerklasse 6).

    Der Werkstudent_innenstatus ist nur dann möglich, wenn deine regelmäßige Arbeitszeit aus allen Jobs nicht mehr als 20h/Woche beträgt. Eine Ausnahme von der 20h-Regel wegen Abend-/Nachtarbeit kommt nicht infrage, wenn deine Jobs auf Dauer angelegt sind (auf mehr als 26 Wochen im Jahr, entspricht einer Befristung auf max. 6 Monate). Dabei spielt es dann keine Rolle, ob der zweite Job ein Minijob oder eine sv-pflichtige Beschäftigung ist - das wiederum ist nur relevant für die Frage, ob deine SV-Beiträge als Werkstudent oder Arbeitnehmer auf beide oder nur den ersten Job anfallen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Da kommen wir zu dem finanziellen Unterschied, den die Varianten 400€ oder 500€ im Monat im Zweitjob für dich macht: Handelt es sich um einen Minijob, also Bruttogehalt unter 450€/Monat, fallen auf das Gehalt daraus nur 3,6% Rentenversicherungsbeiträge (RV) an, wovon du dich auf Antrag auch befreien lassen kannst (du erwirbst dann aber dementsprechend auch keine Rentenansprüche daraus).
    Verdienst du über 450€/Monat, ist es eine sv-pflichtige Beschäftigung und es fallen auf das Gehalt daraus mindestens 9,3% RV (im Werkstudent_innenstatus, dann auch plus ca. 90€/Monat stud. KV) ODER insgesamt knapp 20% SV-Beiträge (im Arbeitnehmer_innenstatus). Da sind dann neben der Renten- auch die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (KV, PV und AV) drin und du musst dich nicht mehr auf eigen Kosten selbst stud. krankenversichern. Außerdem erwirbst du Ansprüche auf Leistungen aus dem SV-System (z.B. auf Krankengeld oder später ggf. Alg I). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​ina

    Je nachdem, welchen Status du letztendlich in der SV hast (abhängig davon, ob du mit beiden Jobs noch unter die Ausnahmeregelungen von der 20h-Regel fällst oder nicht), fallen diese Abgaben dann auch auf deinen Erstjob an.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 08.03.2018 11:24:15


  • ACHTUNG!!! Thread geschlossen!

    Liebe Ratsuchende!

    Stellt bitte neue Anfragen nicht über die Kommentarfunktion, sondern öffnet einen eigenen Beitrag auf der Startseite der Onlineberatung https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​beratung/​students-at-work.
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    Bitte habt Verständnis, dass Anfragen, die in geschlossenen Threads über die Kommentarfunktion gestellt werden, von uns nicht mehr bearbeitet werden!

    Euer students at work-Beratungsteam

    S@W: 08.03.2018 11:24:58


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