Deutscher Gewerkschaftsbund

Studentische Aushilfe + kurzfristige Beschäftigung

Hallo,

ich habe schon ganz viel bezüglich Lohnsteuer, Sozialversicherung und Arbeitsrecht gelesen, nun bin ich ein bisscher verwirrt. Ich würde sehr froh, falls ich hier klare Information zu meiner Situation gewinnen könnte.

Kurz zu meiner Situation:
-Ich bin eine Studentin, kurz vor meiner Bachelorarbeit
-Ab und zu arbeite ich auf die Messen als Hostess (kurzfristige Beschäftigung, nicht mehr als 70 Tagen/Jahr)
- In diesem Jahr habe ich bisher nur 7 Tagen als Hostess gearbeitet.
-Ich möchte aber gerne noch ab September als Aushilfe am Wochentagen arbeiten (15 maximal 20 Stunden/Woche, unbefristeter Vertrag)
-Dann werde ich in September, Oktober und November in diesem Fall auf den Messenarbeiten und gleichzeitig ein Aushilfsjob haben. Dabei wird der größte Teil dieses Überschreitens in vorlesungsfreie Zeit sein.
-Vorlesungsfreie Zeit endet in diesem Jahr am 10. Oktober.

Meine Fragen wären denn:

1) Werde ich mit meiner kurzfristigen Beschäftigung automatisch 20 Stunden/Woche im Aushilsjob überschreiten oder wird es getrennt gezählt? Bzw. bleiben die beiden Jobs sozialversicherungsfrei?

2) Soll ich dann die Lohnsteuer nur in dem Fall zahlen, wenn mein Einkommen für die beide Jobs im Jahr 2017 8.820,- Euro überschreitet?

Danke im Voraus!

Julia: 15.08.2017 13:33:15 |
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  • RE: Studentische Aushilfe + kurzfristige Beschäftigung

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zu deiner ersten Frage:
    Es zählt im Werkstudent_innenstatus immer die gesamte Arbeitszeit aus allen Jobs. Abends und nachts, am Wochenende, in der vorlesungsfreien Zeit sowie im Rahmen einer kurzfristigen Tätigkeit darf auch mehr gearbeitet werden, wenn das Studium insgesamt noch im Vordergrund steht. Dafür wird die 26 Wochen Grenze heran gezogen:
    Im Zeitraum von einem Jahr (vom Ende der aufzunehmenden Tätigkeit her rückwärts betrachtet) darf in nicht mehr als 26 Wochen über 20 Stunden gearbeitet werden. Dabei werden alle Tätigkeiten mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit betrachtet - unabhängig des Sozialversicherungsstatus. Ab Zeitpunkt des Überschreitens der Grenze würde volle Sozialversicherungspflicht eintreten. Mehr zu den Hintergründen, Ausnahmen und Regeln: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Solange du in weniger als 26 Wochen die 20 Stunden überschreitest, wäre die Kombination also möglich.

    Eine Tätigkeit im Werkstudent_innenstatus ist aber nicht komplett sozialversicherungsfrei. Es müssen 9,35 Prozent Arbeitnehmer_innenanteil in die Rentenversicherung (RV) gezahlt werden. In den anderen Zweigen der Sozialversicherung besteht aber Versicherungsfreiheit, solange das Studium im Vordergrund steht, wozu wiederum die 20 Stunden-Grenze heran gezogen wird.

    Zu deiner zweiten Frage:

    Du hast, wie alle Steuerpflichtigen, einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale. Erst auf den darüber liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Steuern.
    Dieser Freibetrag wird jedoch nur auf den zeitlich zuerst aufgenommenen Job angewendet. Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was zu recht hohen Abzügen führt. Wenn du bis zum 31. Mai des Folgejahres eine Einkommenssteuererklärung einreichst, kannst du zu viel gezahlte Lohnsteuern zurückbekommen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durch zu tauschen.
    Wie das geht und mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Bei Minijobs und kurzfristigen Beschäftigungen gibt es die Möglichkeit der pauschalen Versteuerung. Die Pauschalsteuern liegen im Minijobstatus bei 2 Prozent und bei kurzfristigen Beschäftigungen bei 25 Prozent (!). Mit den Pauschalsteuern ist die Steuerschuld für den Job erledigt und das Einkommen taucht nicht bei der Berechnung deiner Einkommenssteuer auf. Du kannst die Pauschalsteuern aber nicht zurückbekommen, wenn du unterhalb des Freibetrages geblieben bist. Also solltest du vor der Aufnahme der Beschäftigung mit deinen Arbeitgeber_innen darüber sprechen, wie sie dich beim Finanzamt anmelden.

    Für die richtige Anmeldung beim Finanzamt und in der Sozialversicherung sind deine Arbeitgeber_innen zuständig. Du musst diesen dafür die richtigen Angaben liefern, Nachweise erbringen (im Werkstudent_innenstatus beispielsweise die Immatrikulationsbescheinigung) und insbesondere auch Veränderungen bei weiteren Beschäftigungen mitteilen.
    Mehr zur Kombination von Beschäftigungen auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 10.10.2017 16:56:43


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