Deutscher Gewerkschaftsbund

Komplexe Arbeitsregelungen

Hallo,

Leider Blicke ich in der Deutschen Rechtslage nicht mehr ganz durch.

Ich arbeite derzeit als Minijob in einem Café und verdiene jeden Monat exakt 450€.
Nun möchte ich allerdings noch eine Teilzeit Beschäftigung aufnehmen (Max. 20 Std. pro Woche!).
Derzeit bekomme ich noch Bafög dies würde allerdings wegfallen, sofern ich die Teilzeit Beschäftigung annehme.

Bei meinem Verdienst der Teilzeit Beschäftigung würde ich auf monatlich 1200€ Brutto kommen (80 Std. pro Monat x 15€ Stundenlohn).

Ich werde aus diversen Foren & Internetseiten nicht schlau daraus, wie viel von dem Gehalt abgezogen wird.

Midijob,Werkstudent??

Pascal: 15.08.2017 02:10:33 |
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  • RE: Komplexe Arbeitsregelungen

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Grundsätzlich kannst du neben einem Minijob eine reguläre Beschäftigung (auch im Werkstudent_innenstatus bzw. auch eine Teilzeitbeschäftigung) ausüben. Der Minijob bleibt geringfügig (mit 3,7 Prozent Abgaben für die Rentenversicherung für dich als Arbeitnehmer_in), solange die Einkommensgrenze von 450 Euro monatlich eingehalten wird. Mehr zu Minijobs und ihren Kombinationsmöglichkeiten auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Für deine Teilzeitbeschäftigung greifen dann die Regeln des Werkstudent_innenstatus. Dieser besagt, dass du aus deinem Arbeitseinkommen lediglich in die Rentenversicherung (in Höhe von 9,35 Prozent für dich als Arbeitnehmer_in, deine Arbeitgeber_innen zahlen ebensoviel für dich ein) einzahlen musst, wenn dein Studium im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest. Es zählt dabei immer die gesamte Arbeitszeit aus allen Jobs, also auch aus deinem Minijob!
    Abends und nachts, am Wochenende, in der vorlesungsfreien Zeit sowie im Rahmen einer kurzfristigen Tätigkeit darf auch mehr gearbeitet werden, wenn das Studium insgesamt noch im Vordergrund steht. Dafür wird die 26 Wochen Grenze heran gezogen:
    Im Zeitraum von einem Jahr (vom Ende der aufzunehmenden Tätigkeit her rückwärts betrachtet) darf in nicht mehr als 26 Wochen über 20 Stunden gearbeitet werden. Dabei werden alle Tätigkeiten mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit betrachtet - unabhängig des Sozialversicherungsstatus. Ab Zeitpunkt des Überschreitens der Grenze würde volle Sozialversicherungspflicht eintreten. Mehr zu den Hintergründen, Ausnahmen und Regeln: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Der Midijobstatus ist eine Grenze, bis zu der du geringere Abgaben zahlen musst. Bis zur Grenze von 850 Euro wird nicht gleich das gesamte Einkommen zur Berechnung der Beiträge (bei Werkstudis: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Gleitzone bzw. Midijob-Status. Da du aber über 850 Euro liegst, kommt das ja nicht in Frage. Mehr zum Midijob-Status hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Du hast, wie alle Steuerpflichtigen, einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale. Erst auf den darüber liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Steuern.
    Dieser Freibetrag wird jedoch nur auf den zeitlich zuerst aufgenommenen Job angewendet. Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was zu recht hohen Abzügen führt. Wenn du bis zum 31. Mai des Folgejahres eine Einkommenssteuererklärung einreichst, kannst du zu viel gezahlte Lohnsteuern zurückbekommen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durch zu tauschen. Das macht wahrscheinlich Sinn für dich, falls dein Minijob in der Lohnsteuerklasse I angemeldet ist. Ggf. ist der Minijob aber pauschal versteuert angemeldet (siehe unten), dies kannst du deiner Lohnabrechnung entnehmnen.
    Mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Bei Minijobs und kurzfristigen Beschäftigungen gibt es die Möglichkeit der pauschalen Versteuerung. Die Pauschalsteuern liegen im Minijobstatus bei 2 Prozent und bei kurzfristigen Beschäftigungen bei 25 Prozent (!). Mit den Pauschalsteuern ist die Steuerschuld für den Job erledigt und das Einkommen taucht nicht bei der Berechnung deiner Einkommenssteuer auf. Du kannst die Pauschalsteuern aber nicht zurückbekommen, wenn du unterhalb des Freibetrages geblieben bist. Also solltest du vor der Aufnahme der Beschäftigung mit deinen Arbeitgeber_innen darüber sprechen, wie sie dich beim Finanzamt anmelden.

    Für die richtige Anmeldung beim Finanzamt und in der Sozialversicherung sind deine Arbeitgeber_innen zuständig. Du musst diesen dafür die richtigen Angaben liefern, Nachweise erbringen (im Werkstudent_innenstatus beispielsweise die Immatrikulationsbescheinigung) und insbesondere auch Veränderungen bei weiteren Beschäftigungen mitteilen.
    Mehr zur Kombination von Beschäftigungen auch hier:
    https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Falls du in der Familienversicherung kostenlos mitversichert bist, bedenke bitte, dass es hier eine Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro im Minijobstatus bzw. 425 Euro im Midijobstatus (+83,3 Euro Werbungskostenpauschale monatlich) gibt. In zwei Monaten darf das Einkommen auch über dieser Grenze liegen, was eine Kombination mit einer kurzfristigen Beschäftigung (zeitweise) möglich macht. Verdienst du regelmäßig mehr, musst du dich dann selber versichern, was du ggf. ja schon bist.
    Mehr dazu auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Bedenke hinsichtlich des BAföGs, dass du dem BAföG-Amt deine Einkommensänderung sofort melden musst. Mehr dazu hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhj

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in unserem Büro bei dir vor Ort beraten lassen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2s ) oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 10.10.2017 16:10:40


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