Deutscher Gewerkschaftsbund

Minijob, Steuerklasse VI

Hallo meine Situation ist Folgende:

Studentin, 13.Semester.
Ich habe einen Minijob bei dem ich mit 258 Euro angemeldet bin.
Demnächst möchte ich einen weiteren Job anfangen, dort soll ich mit 431 Euro angemeldet werden als student. Hilfskraft.
Somit käme ich insgesamt auf einen Verdienst über 450 Euro. Bleibt dann mein "alter" Job abgabenfrei als Minijob erhalten oder muss ich bei beiden Abgaben zahlen?
Bei beiden oder? Und bei einem wäre ich dann in Steuerklasse I und beim anderen in VI mit vielen Abgaben?
Das Ding ist nämlich dass ich noch weitere Einkünfte habe durch ein Mietshaus, ca. 600 Euro im Monat. Also würde ich dann insgesamt über die Steuerfreibetragsgrenze für Studenten kommen oder?

Gibt es irgendwas cleveres wie ich das alles gestalten kann? Ich könnte bei dem neuen Job auch nachfragen ob die mich vielleicht mit mind. 450,01 Euro anmelden würden. Wäre das besser?

Ich blicke da nicht mehr durch.
Wäre über Ratschläge dankbar.

Yvonne: 13.07.2017 14:40:55 |
Tags:
  • RE: Minijob, Steuerklasse VI

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Minijobs haben, wie du richtig schreibst, eine Einkommensgrenze von 450 Euro monatlich. Innerhalb dieser Grenze zahlst du als Arbeitnehmer_in lediglich 3,7 Prozent in die Rentenversicherung (RV) ein. Bei mehreren Minijobs wird das Einkommen zusammengezählt. Kommst du durch die Kombination mehrerer Minijobs auf über 450 Euro, verliert die Gesamtheit dieser Jobs den Minijobstatus und wird als reguläre Beschäftigung betrachtet.
    Mehr zu Minijobs auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Für Studierende greifen dann meistens die Regeln des Werkstudent_innenstatus. Dieser besagt, dass du lediglich in die Rentenversicherung (in Höhe von 9,35 Prozent für dich als Arbeitnehmer_in, deine Arbeitgeber_innen zahlen ebensoviel für dich ein) einzahlen musst, wenn dein Studium im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest. Es zählt dabei immer die gesamte Arbeitszeit aus allen Jobs.
    Abends und nachts, am Wochenende, in der vorlesungsfreien Zeit sowie im Rahmen einer kurzfristigen Tätigkeit darf auch mehr gearbeitet werden, wenn das Studium insgesamt noch im Vordergrund steht. Dafür wird die 26 Wochen Grenze heran gezogen:
    Im Zeitraum von einem Jahr (vom Ende der aufzunehmenden Tätigkeit her rückwärts betrachtet) darf in nicht mehr als 26 Wochen über 20 Stunden gearbeitet werden. Dabei werden alle Tätigkeiten mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit betrachtet - unabhängig des Sozialversicherungsstatus. Ab Zeitpunkt des Überschreitens der Grenze würde volle Sozialversicherungspflicht eintreten.
    Mehr zu den Hintergründen, Ausnahmen und Regeln: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Bis zur Grenze von 850 Euro wird nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der Beiträge (bei Werkstudis: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Gleitzone bzw. Midijob-Status. Wie groß dieser Anteil ist, kannst du mit unserem Gleitzonenrechner ausrechnen.
    Diesen und weitere Infos zu dem Midijob-Status hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Du hast, wie alle Steuerpflichtigen, einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale. Erst auf den darüber liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Steuern.
    Dieser Freibetrag wird jedoch nur auf den zeitlich zuerst aufgenommenen Job angewendet. Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was zu recht hohen Abzügen führt. Wie hoch die Steuern konkret sind, kann ich dir allerdings nicht sagen. Wir können hier nur allgemeine Informationen im Rahmen einer Anfangsberatung geben. Auch zu deinem Einkommen aus der Vermietung kann ich dir leider nichts sagen. Dazu würde ich dir raten eine professionelle Steuerberatung aufzusuchen. Die ist dafür geschult und darf auch entsprechend tätig werden. Lohnsteuerhilfevereine bieten auch oftmals günstige Tarife für Menschen mit geringem Einkommen: https:/​/​www.vlh.de/​

    Mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Was jetzt konkret besser für dich ist, müsstest du dir selber ausrechnen und dann entscheiden. Ich hoffe aber, dir ein paar Anhaltspunkte gegeben zu haben.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 09.08.2017 14:56:20


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