Deutscher Gewerkschaftsbund

2 Minijobs

Hallo,

Ich stecke in folgender Situation fest:
Zurzeit arbeite ich in der Uni als SHK. Ich bin dort für 11 Stunden die Woche angemeldet und verdiene knapp unter 450€. Allerdings bräuchte ich, um bequemer leben zu können, noch das Einkommen eines zweiten Minijobs. Wie genau funktioniert das wenn man zwei 450€ Jobs hat, und diese auch so gut wie ausreizt?

Ich habe bisher von zwei dingen gehört:
1. Ich darf nicht mehr als 20h in der Woche arbeiten
2. Es gibt eine Gleitzone bis 850€

Was genau hat es mit der Gleitzone auf sich und was muss ich versteuern bzw wie sieht das mit der Krankenversicherung aus? Ich bin noch über meine Eltern Versichert.

Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen!
Liebe Grüße
Leonie

Leonie: 12.07.2017 21:13:39 |
Tags:
  • RE: 2 Minijobs

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Minijobs haben eine Einkommensgrenze von 450 Euro monatlich. Innerhalb dieser Grenze zahlst du als Arbeitnehmer_in lediglich 3,7 Prozent in die Rentenversicherung (RV) ein. Bei mehreren Minijobs wird das Einkommen zusammengezählt. Kommst du durch die Kombination mehrerer Minijobs auf über 450 Euro, verliert die Gesamtheit dieser Jobs den Minijobstatus und wird als reguläre Beschäftigung betrachtet.
    Mehr zu Minijobs auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Für Studierende greifen dann meistens die Regeln des Werkstudent_innenstatus. Dieser besagt, dass du lediglich in die Rentenversicherung (in Höhe von 9,35 Prozent für dich als Arbeitnehmer_in, deine Arbeitgeber_innen zahlen ebensoviel für dich ein) einzahlen musst, wenn dein Studium im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest. Es zählt dabei immer die gesamte Arbeitszeit aus allen Jobs. Abends und nachts, am Wochenende, in der vorlesungsfreien Zeit sowie im Rahmen einer kurzfristigen Tätigkeit darf auch mehr gearbeitet werden, wenn das Studium insgesamt noch im Vordergrund steht. Dafür wird die 26 Wochen Grenze heran gezogen: Im Zeitraum von einem Jahr (vom Ende der aufzunehmenden Tätigkeit her rückwärts betrachtet) darf in nicht mehr als 26 Wochen über 20 Stunden gearbeitet werden. Dabei werden alle Tätigkeiten mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit betrachtet - unabhängig des Sozialversicherungsstatus. Ab Zeitpunkt des Überschreitens der Grenze würde volle Sozialversicherungspflicht eintreten.
    Mehr zu den Hintergründen, Ausnahmen und Regeln: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Bis zur Grenze von 850 Euro wird nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der Beiträge (bei Werkstudis: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Das nennt sich Gleitzone bzw. Midijob-Status. Wie groß dieser Anteil ist, kannst du mit unserem Gleitzonenrechner ausrechnen.
    Diesen und weitere Infos zu dem Midijob-Status hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Du hast, wie alle Steuerpflichtigen, einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale. Erst auf den darüber liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Steuern.
    Dieser Freibetrag wird jedoch nur auf den zeitlich zuerst aufgenommenen Job angewendet. Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was zu recht hohen Abzügen führt. Wenn du bis zum 31. Mai des Folgejahres eine Einkommenssteuererklärung einreichst, kannst du zu viel gezahlte Lohnsteuern zurückbekommen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durch zu tauschen.

    Wie das geht und mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Bei Minijobs gibt es die Möglichkeit der pauschalen Versteuerung in Höhe von 2 Prozent. Damit ist die Steuerschuld für den Job erledigt und das Einkommen taucht nicht bei der Berechnung deiner Einkommenssteuer auf. Du kannst die Pauschalsteuern aber nicht zurückbekommen, wenn du unterhalb des Freibetrages geblieben bist. Also solltest du vor der Aufnahme der Beschäftigung mit deinen Arbeitgeber_innen darüber sprechen, wie sie dich beim Finanzamt anmelden.

    In der Familienversicherung gibt es eine Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro im Minijobstatus bzw. 425 Euro im Midijobstatus (+83,3 Euro Werbungskostenpauschale monatlich). In zwei Monaten darf das Einkommen auch über dieser Grenze liegen, was eine Kombination mit einer kurzfristigen Beschäftigung (zeitweise) möglich macht. Verdienst du regelmäßig mehr, musst du dich dann selber versichern. Dafür steht dir dann die studentische Krankenversicherung zur Verfügung und du musst dich auch dort studentisch pflegeversichern. Monatlich kostet das ungefähr 90 Euro. Solltest du wieder unterhalb der Hinzuverdienstgrenze kommen und noch unter 25 Jahre alt sein, kannst du auch wieder zurück in die Familienversicherung wechseln.
    Mehr dazu auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Solltest du BAföG beziehen, bedenke auch hier die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro monatlich. Bei höherem Einkommen findet eine Verrechnung mit deiner Fördersumme statt. Zudem musst du dein Einkommen dem BAföG-Amt immer melden. Mehr dazu hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhj

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 09.08.2017 14:30:52


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