Deutscher Gewerkschaftsbund

Werkstudent 6 Monate + 450€ Job für 1 Monat

Hallo,
ich habe schon einige Fälle auf der Website durchforstet, möchte aber lieber nochmal eine genaue Auskunft über die Abzüge dich mich bei dieser Jobkombination erwarten:

Ich arbeite momentan (befristet bis September) als Werkstudent 19h/Woche für 1.027 Brutto (ca. 900€ netto). Meinen KV-Beitrag zahle ich für ca. 96€/Monat selbst.

Im folgenden Monat würde ich gern einen Minijob auf 400€ Basis annehmen.Somit käme ich über die wöchentliche Arbeitszeit von 20h für 1 Monat.

Nun meine Fragen:
1. Verliere ich meinen Werkstudentenstatus dadurch für diesen Monat?
2. Welche zusätzlichen Abgaben müsste ich durch die Jobkombination zahlen, wenn ich den Minijob als Nebentätigkeit in Steuerklasse 6 einteilen lasse?
3. Gibt es eine "optimale" Kombination dieser beiden Jobs, bei der die Abzüge "am geringsten" ausfallen würden?

Vielen Dank für die Hilfe!
Liebe Grüße,
Theresa

Theresa: 12.07.2017 16:47:46 |
Tags:
  • RE: Werkstudent 6 Monate + 450€ Job für 1 Monat

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zu deiner 1. Frage:
    Grundsätzlich ist es so, dass der Werkstudent_innenstatus zur Bedingung hat, dass das Studium im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest. Aber es sind auch Ausnahmen möglich, wenn das Studium dadurch weiterhin vordergründig ist. So darf in der vorlesungsfreien Zeit auch über 20 Stunden gearbeitet werden. Gleiches gilt im Rahmen einer kurzfristigen Beschäftigung, die für einen Zeitraum von maximal 3 Monaten bzw. 70 Tagen im Jahr möglich ist.
    Wenn du mit diesen Ausnahmen mehr als 20 Stunden arbeitest, muss dennoch geschaut werden, dass innerhalb eines Jahres das Studium zeitlich überwiegt. Dafür wird die 26 Wochen Grenze heran gezogen: Im Zeitraum von einem Jahr (vom Ende der aufzunehmenden Tätigkeit her rückwärts betrachtet) darf in nicht mehr als 26 Wochen über 20 Stunden gearbeitet werden. Dabei werden alle Tätigkeiten mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit betrachtet - unabhängig des Sozialversicherungsstatus. Ab Zeitpunkt des Überschreitens der Grenze würde volle Sozialversicherungspflicht eintreten. Mehr zu den Hintergründen, Ausnahmen und Regeln: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Mit den genannten Ausnahmen (falls sie zutreffen), könntest du also durchaus im Werkstudent_innenstatus bleiben.

    Zu deiner 2. Frage:
    In der Lohnsteuerklasse VI fallen erst mal recht hohe Abgaben an. Das liegt daran, dass dein jährlicher Freibetrag von aktuell 8.820 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale nur bei dem ersten Job berücktsichtigt wird. Für den zweiten Job zahlst du also sozusagen auf den ersten Euro Lohnsteuern. Jedoch kannst du diese wiederbekommen, wenn du insgesamt unterhalb des o.g. Freibetrages geblieben bist. Dazu müsstest du bis zum 31. Mai des Folgejahres eine Einkommenssteuererklärung einreichen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durch zu tauschen.

    Wie das geht und mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Wie hoch die Stuern konkret sind, kann ich dir aber nicht sagen. Wir können und dürfen hier nur allgemeine Informationen geben. Wenn du es genauer wissen magst, könntest du dich an eine Steuerberatung wenden.

    Bei Minijobs und kurzfristigen Beschäftigungen gibt es zudem die Möglichkeit der pauschalen Versteuerung. Diese beträgt beim Minijob 2 Prozent und bei kurzfristiger Beschäftigung 25 Prozent (!). Damit ist die Steuerschuld für den Job erledigt und das Einkommen taucht nicht bei der Berechnung deiner Einkommenssteuer auf. Du kannst die Pauschalsteuern aber nicht zurückbekommen, wenn du unterhalb des Freibetrages geblieben bist! Also solltest du vor der Aufnahme der Beschäftigung mit deinen Arbeitgeber_innen darüber sprechen, wie sie dich beim Finanzamt anmelden.

    Zu deiner dritten Frage:
    Was sich für dich am meisten lohnt, müsstest du dir selber ausrechnen. Im Minijobstatus werden noch 3,7 Prozent für die Rentenversicherung fällig. Bei einer kurzfristigen Beschäftigung fallen keinerlei Sozialversicherungsabgaben an. Für die Steuern schaue bitte bei meinen Antworten zur zweiten Frage.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 09.08.2017 13:29:13


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