Deutscher Gewerkschaftsbund

450€-Job und Hilfskraftstelle

Hallo.

Ich arbeite zur Zeit in meinem Nebenjob auf 450€ Basis und möchte gerne zusätzlich eine Hilfskraftstelle (voraussichtlich für 6 Monate) an meiner Hochschule annehmen.

Diese nimmt 12 Std/Monat in Abspruch und wird vermutlich mit max. 15€/Std vergütet.

Nun würde ich gerne wissen, wie viele Abgaben ich zahlen müsste, wenn ich insgesamt auf ca. 630€ im Monat komme?

Ich bin auch zur Zeit noch familienversichert, würde sich daran auch etwas ändern müssen?

Oder wäre es insgesamt sinnvoller, meine Stunden in meinem derzeitigen Nebenjob auf 450€ Basis zu verringern, sodass ich insgesamt im Monat inkl. Hilfskraftstelle nur auf 450€ komme?

Vielen Dank im Voraus für die Hilfe!

LG Kristina

Kristina: 12.07.2017 10:33:37 |
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  • RE: 450€-Job und Hilfskraftstelle

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Dein bisheriger Job zählt ja als Minijob (auch 450-Euro-Job genannt). Deine angestrebte Hilfskraftstelle würde ebenso als Minijob angemeldet werde.
    Bei mehreren Minijobs wird dann das Einkommen zusammengezählt. Kommst du durch die Kombination mehrerer Minijobs mit dem gesamten Einkommen aus diesen Jobs auf über 450 Euro monatlich, verliert die Gesamtheit dieser Jobs den Minijobstatus und wird als reguläre Beschäftigung betrachtet.
    Mehr zu Minijobs auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Für Studierende greifen dann meistens die Regeln des Werkstudent_innenstatus. Dieser besagt, dass du lediglich in die Rentenversicherung (in Höhe von 9,35 Prozent für dich als Arbeitnehmer_in, deine Arbeitgeber_innen zahlen ebensoviel für dich ein) einzahlen musst, wenn dein Studium im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest. Es zählt dabei immer die gesamte Arbeitszeit aus allen Jobs. Abends und nachts, am Wochenende, in der vorlesungsfreien Zeit sowie im Rahmen einer kurzfristigen Tätigkeit darf auch mehr gearbeitet werden, wenn das Studium insgesamt noch im Vordergrund steht. Dafür wird die 26 Wochen Grenze heran gezogen:
    Im Zeitraum von einem Jahr (vom Ende der aufzunehmenden Tätigkeit her rückwärts betrachtet) darf in nicht mehr als 26 Wochen über 20 Stunden gearbeitet werden. Dabei werden alle Tätigkeiten mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit betrachtet - unabhängig des Sozialversicherungsstatus. Ab Zeitpunkt des Überschreitens der Grenze würde volle Sozialversicherungspflicht eintreten.
    Mehr zu den Hintergründen, Ausnahmen und Regeln: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Bis zur Grenze von 850 Euro wird nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der Beiträge (bei Werkstudis: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Wie groß dieser ist, kannst du mit unserem Gleitzonenrechner ausrechnen.
    Diesen und weitere Infos zu dem Midijob-Status hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Für die richtige Anmeldung deiner Jobs sind die Arbeitgeber_innen verantwortlich. Damit sie das machen können, musst du die passenden Informationen beibringen und auch Nachweise liefern (im Werkstudent_innenstatus beispielsweise semesterweise die Immatrikulationsbescheinigung). Auch musst du bei neuen Jobs die anderen Arbeitgeber_innen informieren, damit ggf. eine Ummeldung erfolgen kann. Mehr auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Du hast, wie alle Steuerpflichtigen, einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale. Erst auf den darüber liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Steuern.
    Dieser Freibetrag wird jedoch nur auf den zeitlich zuerst aufgenommenen Job angewendet. Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was zu recht hohen Abzügen führt. Wenn du bis zum 31. Mai des Folgejahres eine Einkommenssteuererklärung einreichst, kannst du zu viel gezahlte Lohnsteuern zurückbekommen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durch zu tauschen.
    Wie das geht und mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    In der Familienversicherung gibt es eine Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro im Minijobstatus bzw. 425 Euro im Midijobstatus (+83,3 Euro Werbungskostenpauschale monatlich) gibt. Du kannst also maximal 508,3 Euro monatlich hinzuverdienen in der Familienversicherung. Verdienst du regelmäßig mehr, musst du dich dann selber versichern. Dazu steht dir die studentische Krankenversicherung offen, in der du dich zusätzlich auch pflegeversichern müsstest. Du zahlst dann monatlich circa 90 Euro.
    Mehr dazu auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Solltest du BAföG beziehen, bedenke auch hier die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro monatlich. Bei höherem Einkommen findet eine Verrechnung mit deiner Fördersumme statt. Zudem musst du dein Einkommen dem BAföG-Amt immer melden. Mehr dazu hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhj

    Was für dich nun günstiger ist oder dir wichtiger ist, kann und darf ich dir nicht ausrechnen bzw beantworten. Ich hoffe aber, dir ein paar Entscheidungshilfen gegeben zu haben.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 09.08.2017 12:25:42


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