Deutscher Gewerkschaftsbund

Steuer und 2 Jobs

Hallo zusammen,
Auf meine alten Tage getraue ich mir an einer privaten Schauspielschule eine Ausbildung zu beginnen. Ich bin diplomierte Sozialpädagogin und kann mir das Studium (die Schule ist übrigens Bafög anerkannt) höchstwahrscheinlich nur mithilfe von viel Arbeit nebenher leisten. Nun habe ich einen gut bezahlten Job in Aussicht. Ich verdiene mithilfe von Nachtdienst in wenigen Nächten brutto 815 Euro. bleiben ca. 700 Euro netto. Nun fehlen mir noch 200 Euro und mein Freund sagt mir, dass ich keine 2 Jobs ohne Sozialversicherung haben kann. Also keine 2 Minijobs. Ich habe hier gelesen, dass es doch geht.. mit kleiner Abgaben für Studenten. Gilt das auch für Schüler - wie in meinem Fall? Kann ich beispielsweise zudem noch 1 mal dieWoche im Callcenter sitzen? Ohne das mir alles vondort abgezogen wird? Im Callcenter würde ich auf Rechnung arbeiten... könnt Ihr mir helfen???
Liebe Grüße und 1000 Dank
Maria

Maria: 05.07.2017 12:25:50 |
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  • RE: Steuer und 2 Jobs

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Dein Job mit den Nachtdiensten wird, da er nicht geringfügig sein kann, als reguläre Beschäftigung betrachtet. Neben einer regulären Beschäftigung kann ein Minijob ausgeübt werden, bei dem es eine Einkommensgrenze von 450 Euro monatlich gibt.
    Wird zusätzlich zu einem solchen Minijob ein weiterer Minijob aufgenommen, wird (auch wenn das Einkommen aus beiden Minijobs insgesamt unter 450 Euro bleibt) dieser zusätzliche Job der Hauptbeschäftigung hinzugerechnet und es werden die üblichen Abgaben fällig. Es bleibt also nur der zeitlich zuerst aufgenommene Minijob geringfügig. Für den Minijob werden dann nur 3,7 Prozent Abgaben in der Rentenversicherung (RV) fällig. Mehr zu Minijobs und den Kombinationsmöglichkeiten: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge

    Etwas anderes tritt bei einer selbstständigen Beschäftigung zu. Wenn du "auf Rechnung" arbeitest, dann zählst du meistens nicht zu den abhängig Beschäftigten, sondern bist als Selbstständige quasi deine eigene Chefin. Bei Selbstständigen gibt es die gleichen Geringfügigkeitsrichtlinien (450 Euro monatlich), wie bei abhängig Beschäftigten, wobei die Einkommen nicht zusammen gezählt werden. Bedenke aber, dass du dich dann auch selber um die Anmeldung beim Finanzamt, das Abführen der Steuern und ggf. Anmeldung in der Sozialversicherung kümmern musst. Wie das alles geht und was du beachten solltest, findest du in unserer frisch überarbeiteten Broschüre zur Selbstständigkeit: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf

    Die Regelung für Studierende, die du entdeckt hast, ist sicherlich die Werkstudent_innen-Regel. Diese besagt, dass du lediglich in die Rentenversicherung (in Höhe von 9,35 Prozent für dich als Arbeitnehmer_in, deine Arbeitgeber_innen zahlen ebensoviel für dich ein) einzahlen musst, wenn dein Studium im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest.
    Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob diese in deinem Falle anwendbar sind. Denn zum einen sind diese nicht anwendbar, wenn bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen wurde und anschließend eine Weiterbildung bzw. Spezialisierung aufgenommen wird. Etwas anderes wäre es, wenn die Ausbildung als Aufbaustudium angesehen wird. Wie das in deinem Fall eingeschätzt wird, kann ich dir leider nicht sagen. Frage dazu am besten direkt bei deiner Krankenkasse, denn diese muss dich im Endeffekt versichern und bei so einem eher unklaren Fall die Einschätzung treffen. Du solltest dort dann auch nachfragen, ob die private Schule als Fachschule oder Berufsfachschule eingeschätzt wird, denn auch das kann ich von hier aus nicht beurteilen. Lass dir eventuelle Zusagen am besten schriftlich geben.

    Bei den Steuern gibt es für Studierende keine Besonderheiten. Du hast, wie alle Steuerpflichtigen, einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale für die abhängige Beschäftigung. Bei selbstständiger Beschäftigung gibt es die Werbungskostenpauschale nicht, dafür musst du hier nur deinen Gewinn versteuern.
    Erst auf den über dem Freibetrag liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Steuern.
    Dieser Freibetrag wird jedoch nur auf den zeitlich zuerst aufgenommenen Job angewendet. Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was zu recht hohen Abzügen führt. Wenn du bis zum 31. Mai des Folgejahres eine Einkommenssteuererklärung einreichst, kannst du zu viel gezahlte Lohnsteuern zurückbekommen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durch zu tauschen.
    Wie das geht und mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Bei Minijobs und kurzfristigen Beschäftigungen gibt es die Möglichkeit der pauschalen Versteuerung. Damit ist die Steuerschuld für den Job erledigt und das Einkommen taucht nicht bei der Berechnung deiner Einkommenssteuer auf. Du kannst die Pauschalsteuern aber nicht zurückbekommen, wenn du unterhalb des Freibetrages geblieben bist. Also solltest du vor der Aufnahme der Beschäftigung mit deinen Arbeitgeber_innen darüber sprechen, wie sie dich beim Finanzamt anmelden.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in einem unserer Büros bei dir vor Ort beraten lassen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2y ) oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 08.08.2017 17:21:59


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