Deutscher Gewerkschaftsbund

20 h Ausnahme bei 2 Werkstudentenjobs - wie mache ich das in der Praxis?

Liebes Students at Work Team,

meine Situation ist die Folgende: Ich habe zur Zeit einen Werkstudentenjob bei einer Bar und würde noch eine zweite Werkstudentenstelle annehmen. Die 20 h Regel ist mir bekannt. Auf eine ähnliche Frage gabt ihr unter anderem folgenden Hinweis:

"wenn du mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest (alle Arbeitszeiten werden zusammen gezählt). Arbeitszeit am Wochenende, nachts (23-6h) sowie in der vorlesungsfreien Zeit findet dabei keine Beachtung."

In meinem Fall wäre das sogar so, dass ich einen Werkstudentenjob NUR nachts und am Wochenende und den anderen Nur Werktags ausführen würde. Das würde ich auch weniger als 26 Wochen so betreiben.

Meine Frage an euch: Wie gehe ich konkret vor? Wie teile ich meine Steuerklassen ein? Gibt es die Möglichkeit, beide Jobs über Steuerklasse 1 laufen zu lassen? Und zu welcher Stelle muss ich, um diese Ausnahmeregelung genehmigt zu bekommen?

Vielen Dank im voraus
Gerhard

Gerhard: 10.05.2017 20:51:09 |
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  • RE: 20 h Ausnahme bei 2 Werkstudentenjobs - wie mache ich das in der Praxis?

    Hallo Gerhard,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Erst einmal ist es wichtig die Frage nach der Werkstudent_innen-Regel von der nach den Steuern zu trennen, da es sich dabei um unterschiedliche Regelungsbereiche handelt.

    Zur Werkstudent_innen-Regel:
    Zunächst einmal darfst du von der Hochschule aus gesehen so viel arbeiten wie du möchtest. Was sich an der sogenannten 20h-Regel entscheidet ist die Frage, ob du in der Sozialversicherung als hauptsächlich studierend oder dem Kreis der Beschäftigten zugehörig eingeschätzt wirst. Wenn du hauptsächlich studierst, so musst du in deinen Jobs nur Rentenversicherungsbeiträge zahlen (wovon du dich bei geringfügigen Beschäftigungen wiederum befreien lassen kannst, wenn du das möchtest). Unter Umständen kann es sogar interessant sein, nicht mehr als Student_in zu gelten, z.B. wenn die Alters- oder Fachsemestergrenze der studentischen Pflichtversicherung überschritten wird und eine „freiwillige Pflichtversicherung“ abgeschlossen werden muss. Hier kann es insgesamt günstiger sein, über den Job krankenversichert zu sein. Mehr zum Thema Krankenversicherung hier: http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Was nun die Ausnahmen angeht, die du ansprichst, ist grundsätzlich richtig, dass du abends, nachts, am Wochenende und in der vorlesungsfreien Zeit die 20h-Grenze überschreiten darfst, wenn das unter 26 Wochen/Jahr passiert. Allerdings sind dabei zwei Dinge zu beachten: 1. bei unbefristeten Beschäftigungen über 20h/Woche zählt die 26-Wochen Regel nicht, auch wenn der Teil der über 20h/Woche geht abends/nachts oder am Wochenende gearbeitet wird. 2. Die 26-Wochen-Regel bezieht sich nicht auf ein Kalenderjahr, sondern auf ein Jahr rückwirkend ab dem Ende der Beschäftigung, bei der geprüft wird ob du noch unter die Werkstudent_innen-Regelung fällst oder nicht. Es werden dabei alle Wochen zusammengerechnet, in denen du über 20h gearbeitet hast.

    Verbindlich kann dir das am Ende deine Krankenkasse sagen, denn die ist dafür zuständig zu entscheiden ob du in der Sozialversicherung als hauptsächlich studierend oder dem Kreis der Beschäftigten zugehörig giltst. Falls du dort anfragst, lasse dir die Auskünfte am besten schriftlich geben.

    Die Infos zur Werkstundent_innen-Regel findest du ausführlich nochmal hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    Zur Steuer: Bei Aufnahme eines weiteren Jobs wird dieser in Steuerklasse 6 einsortiert. Dort gibt es keine Freibeträge, was bedeutet, dass Lohnsteuer abgezogen wird. Was du am Ende tatsächlich als Einkommenssteuer bezahlen musst, entscheidet sich über dein Jahreseinkommen (derzeit muss nur für den Teil des Einkommens Steuern bezahlt werden, der 8820€ + 1000 € Werbungskostenpauschale übersteigt, Stand 2017). Es gibt nun drei Wege, wie du damit umgehen kannst. Zum einen kannst du dir einfach die zu viel bezahlten Lohnsteuern mit einer Einkommenssteuer im nächsten Jahr zurückerstatten lassen. Zum zweiten gibt es bei Minijobs die Möglichkeit einer Pauschalbesteuerung von 2% (die du allerdings nicht zurückbekommen kannst). http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xge . Zum dritten gibt es u.U. die Möglichkeit einen Teil deines jährlichen Freibetrags auf den zweiten Job übertragen zu lassen. Das geht per Antrag beim Finanzamt. Mehr Infos dazu findest du im Abschnitt "Freibeträge flexibel handhaben" hier: http:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQn

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße,
    Valentin
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 07.06.2017 15:32:30


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