Deutscher Gewerkschaftsbund

Gleichzeitig Werkstudent & Freelancer

Hallo liebes Team,

ich bin im voraussichtlich letzten Semester meines Masterstudiums und vor kurzem nach Hamburg gezogen, um hier bereits einen möglichen Arbeitgeber für nach dem Studium zu finden. Vor meinem Umzug habe ich mich schon freiberuflich gemeldet, um ggf. Freelancer-Jobs annehmen zu können - sprich, ich hab eine Steuernummer und bin aufgrund der Kleinunternehmerregelung umsatzsteuerbefreit.

Jetzt ist es so, dass ich hier einen Werkstudentenjob gefunden habe, wo ich rund 1100 € netto monatlich verdiene, dafür zahle ich Rentenbeiträge und einen geringen Beitrag Lohnsteuer.
Meine Freelancer-Tätigkeit hab ich beim Finanzamt mit rund 3000€ jährlich beim Finanzamt angegeben, da ich dachte, darüber komme ich am Anfang sowieso nicht.

Jetzt sieht es aber so aus, dass ich mit der Freelancer-Tätigkeit doch mehr verdienen könnte, gehen wir einfach mal von 10.000€ im Jahr aus. Wie läuft das dann mit Steuern und Krankenversicherung?

Reicht es aus, dass ich ganz normal studentisch krankenversichert bin, mit der Begründung, dass der Werkstudentenjob 20 Stunden unter der Woche beinhaltet und die Freelancer-Tätigkeit dann am Wochenende ausgeübt wird?

Muss ich noch andere Steuern zahlen als die Lohnsteuer? Und wird das dann alles abgerechnet, wenn ich am Ende des Jahres eine Steuererklärung einreiche, oder kann ich das ggf. schon vorher aufstocken? Und zählen Werkstudenten- & Freelancer-Einkommen zusammen in diese 17.500€ Kleinunternehmer-Grenze oder bezieht sich dieser Betrag allein auf die selbstständigen Einnahmen?

Fragen über Fragen. Ich wäre euch super dankbar für eine Auskunft!

Viele liebe Grüße,
Luisa

Luisa: 10.05.2017 11:18:04 |
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  • RE: Gleichzeitig Werkstudent & Freelancer

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Durch den höheren als angegebenen Verdienst kommst du ja noch nicht über die Grenzen der Kleinunternehmer_innenregelung (17.500 Euro), sodass es hier hinsichtlich der Umsatzsteuer keine Probleme geben sollte. Die Kleinunternehmer_innengrenze bezieht sich nur auf dein Unternehmen, also auf deine freiberufliche Tätigkeit in diesem Fall.

    Als Freiberuflerin musst du auch keine Gewerbesteuer zahlen.
    Um die Einkommenssteuer wirst du aber nicht drum herum kommen. Hier gilt, wie für alle Beschäftigten, eine Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro. Dein Einkommen aus abhängiger Beschäftigung (Werkstudijob) kannst du um 1.000 Euro Werbungskostenpauschale bereinigen (also vom Einkommen abziehen). Das geht bei selbstständiger Beschäftigung nicht, dafür zählt hier nur dein reiner Gewinn als Einkommen.
    Du musst dein Einkommen jeweils bis zum 31. Mai des Folgejahres mit einer Einkommenssteuererklärung dem Finanzamt kundtun.
    Das Finanzamt teilt dir dann deine Steuerhöhe mit bzw. im besten Falle kannst du sogar was wiederbekommen, wenn du z.B. über deine abhängige Beschäftigung vorab zu viel Lohnsteuern abgeführt hast. Ggf. kannst du auch Sonderausgaben anführen, die deiner Steuerschuld verringern. Lass dich dazu am besten professionell beraten.
    Die Gewerkschaft ver.di bietet ihren Mitgliedern (auch Selbstständigen) auch eine Beratung dazu an. Siehe dazu auch hier: http:/​/​mediafon.net/​
    Inwiefern du auch vorab Steuern abführen kannst, weiß ich leider nicht. Das geht schon sehr tief in die Materie und übersteigt unsere Kompetenzen in der Anfangsberatung. Auch hier empfehle ich dir eine professionelle Beratung. Vielleicht hilft auch schon ein kurzer Anruf beim Finanzamt.
    Mehr zu Steuern für Selbstständige hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgy und hier allgemein: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Hinsichtlich der Krankenkasse und der Werkstudent_innenregelung kann ich dir leider auch keine eindeutige Antwort geben. Generell ist es so, dass die Arbeitszeit am Wochenende nicht mit betrachtet wird. Jedoch ist es zusätzlich wichtig, dass die Beschäftigung mit mehr als 20 Wochenstunden (auch die Arbeitszeit am Wochenende) im Zeitraum eines Jahres nicht überwiegt. Als Grenze gelten hier 26 Wochen. Auch darf die Tätigkeit, die zu einem Überschreiten der 20 Wochenstunden führt, nicht unbefristet bzw. auf mehr als 26 Wochen befristet sein.
    Auch ein Überschreiten von 75 Prozent der Bezugsgröße in der Sozialversicherung (2231,25 €/Monat, Stand 2017) kann zu einer Einstufung als hauptberuflich Selbständige führen.
    Im Endeffekt muss deine Krankenkasse entscheiden, ob sie dich weiterhin als Studentin versichert. Rufe also am besten dort an und lass dir eventuelle Zusagen schriftlich geben.
    Mehr dazu auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgw

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in einem unserer Büros bei dir vor Ort beraten lassen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2M bzw. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X24 ) oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 24.05.2017 16:05:28


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