Deutscher Gewerkschaftsbund

2 Nebenjobs, macht es Sinn?

Hallo,

ich habe jetzt einen Nebenjob (200€ Basis, habe mich von der Rentenversicherung nicht befreien lassen) angefangen und überlege noch einen weiteren Nebenjob zu beginnen. Hierbei handelt es sich um Saisonarbeit (Mai-Oktober) und ich könnte "soviel" arbeiten wie ich möchte. Macht es einen Unterschied ob ich unter 450€ bleibe oder über die 450€ komme?
Zudem würde es Sinn machen den 200€ Job auf Steuerklasse 6 anzumelden?
Ich habe gehört manchmal macht es keinen Sinn einen weiteren Nebenjob anzunehmen, da man viel mehr arbeiten müsste um letztendlich die Abgaben wieder rauszubekommen und somit ein paar Stunden umsonst arbeiten würde. Allerdings würde ich doch alle Abgaben wieder bekommen wenn ich im Jahr unter den 8800€ bleibe oder?

Steffi: 08.05.2017 23:12:25 |
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  • RE: 2 Nebenjobs, macht es Sinn?

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Dein bisheriger Nebenjob (200 Euro Verdienst) ist wahrscheinlich als Minijob angemeldet. Bei Minijobs müssen bis zur Einkommensgrenze von 450 Euro lediglich 3,7 Prozent in die Rentenversicherung (RV) abgeführt werden.
    Bei mehreren Minijobs wird das Einkommen zusammengezählt. Kommst du durch die Kombination mehrerer Minijobs auf über 450 Euro, verliert die Gesamtheit dieser Jobs den Minijobstatus und wird als reguläre Beschäftigung betrachtet.

    Für Studierende greifen dann meistens die Regeln des Werkstudent_innenstatus. Dieser besagt, dass du lediglich in die RV (in Höhe von 9,35 Prozent für dich als Arbeitnehmerin, deine Arbeitgeber_innen zahlen ebensoviel für dich ein) einzahlen musst, wenn dein Studium im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitest. Abends und nachts, am Wochenende, in der vorlesungsfreien Zeit sowie im Rahmen einer kurzfristigen Tätigkeit darf auch mehr gearbeitet werden, wenn das Studium insgesamt noch im Vordergrund steht. Dafür wird die 26 Wochen Grenze heran gezogen: Im Zeitraum von einem Jahr (vom Ende der aufzunehmenden Tätigkeit her rückwärts betrachtet) darf in nicht mehr als 26 Wochen über 20 Stunden gearbeitet werden. Ab Zeitpunkt des Überschreitens der Grenze würde volle Sozialversicherungspflicht eintreten.
    Es handelt sich dabei nur um eine Einstufung in der Sozialversicherung. Du darfst als Studentin natürlich auch mehr arbeiten, müsstest dann aber paritätisch mit deinen Arbeitgeber_innen in alle Zweige der Sozialversicherung (SV) einzahlen.

    Bis zur Grenze von 850 Euro wird nicht gleich dein gesamtes Einkommen zur Berechnung der Beiträge (bei Werkstudis: der RV-Abgaben) heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil. Wie groß dieser ist, kannst du mit unserem Gleitzonenrechner ausrechnen. Diesen und weitere Infos zu dem Midijob-Status hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Eine weitere Möglichkeit für deine Saisonarbeit wäre eine kurzfristige Beschäftigung. Diese ist möglich, wenn die Tätigkeit von vorneherein auf maximal 70 einzelne Tage oder 3 Monate befristet ist. Sie ist dann komplett sozialversicherungsfrei, wobei es keine Einkommensgrenze gibt.
    Eine kurzfristige Beschäftigung kann parallel zu einem Minijob oder regulären Beschäftigung ausgeübt werden und beeinflusst sich bzw die anderen Beschäftigungen nicht. Wie oben beim Werkstudent_innenstatus erwähnt, wird die Zeit jedoch bei der 26-Wochen-Regelung betrachtet.
    Mehr zu kurzfristigen Jobs hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU

    Du hast, wie alle Steuerpflichtigen, einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale. Erst auf den darüber liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Steuern.
    Dieser Freibetrag wird jedoch nur auf den zeitlich zuerst aufgenommenen Job angewendet. Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was zu rechrt hohen Abzügen führt. Wenn du bis zum 31. Mai des Folgejahres eine Einkommenssteuererklärung einreichst, kannst du zu viel gezahlte Lohnsteuern zurück bekommen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durchzutauschen.
    Wie das geht und mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Bei Minijobs und kurzfristigen Beschäftigungen gibt es die Möglichkeit der pauschalen Versteuerung. Damit ist die Steuerschuld für den Job erledigt und das Einkommen taucht nicht bei der Berechnung deiner Einkommenssteuer auf. Du kannst die Pauschalsteuern aber nicht zurück bekommen, wenn du unterhalb des Freibetrages geblieben bist. Also solltest du vor der Aufnahme der Beschäftigung mit deinen Arbeitgeber_inne darüber sprechen, wie sie dich beim Finanzamt anmelden.

    Falls du in der Familienversicherung kostenlos mitversicht bist, bedenke bitte, dass es hier eine Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro im Minijobstatus bzw. 425 Euro im Midijobstatus (+83,3 Euro Werbungskostenpauschale monatlich) gibt. Verdienst du regelmäßig mehr, musst du dich dann selber versichern, was du ggf. ja schon bist.
    Mehr dazu auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Solltest du BAföG beziehen, bedenke auch hier die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro monatlich. Bei höherem Einkommen findet eine Verrechnung mit deiner Fördersumme statt. Zudem musst du dein Einkommen dem BAföG-Amt immer melden. Mehr dazu hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhj

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in unserem Büro bei dir vor Ort beraten lassen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X22 ) oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 24.05.2017 14:58:09


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