Deutscher Gewerkschaftsbund

2 Nebenjobs + Sozialversicherungsabgaben und Lohnsteuer

Hallo liebes S@W-Team,
ich habe eine Anfrage zur steuerlichen Behandlung meiner Minijobs. Ich bin in zwei studentischen Nebenjobs tätig. 1.Job mit fester Wochenarbeitszeit und regelmäßigem Bruttoverdienst von 440 Euro und 2. Job mit schwankendem Bruttoverdienst zwischen 0-400 Euro. Beiden Arbeitgebern wurde der jeweils andere Job gemeldet. Nun werden mir regelmäßig in Job 1 Lohnsteuerbeiträge von 56 Euro (Steuerklasse VI) aber keine Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. In Job 2 dagegen wird keine Lohnsteuer abgezogen (Steuerklasse 1), aber dafür je nach Höhe des schwankenden Verdienstes Beiträge zu KV,ZB,AV,RV,PV in Höhe von insgesamt circa 10% Bruttoverdienstes. Zusätzlich ist zu sagen, dass ich weniger als 20 Stunden die Woche arbeite und privat versichert bin. Insgesamt erscheint mir die verschiedene Behandlung der Nebenjobs merkwürdig und ich würde gern wissen, wie ich nun weitere Informationen bekommen kann zur richtigen Einordnung meiner Nebenjobs. Die kontaktierten Mitarbeiter in den Personalbüros schienen sich bei der Einordnung auch nicht sicher zu sein. Meine Fragen wären nun, sollte ich eine Einkommenssteuererklärung abgeben, um die gezahlte Lohnsteuer zurückzubekommen? Was passiert bei vom Arbeitgeber falsch eingeordneten Nebenjobs und damit möglichen Forderungen der Sozialversicherungsträger? Und überhaupt, wie wäre meine richtige steuerliche Behandlung bei den zwei Nebenjobs?

Timo: 04.05.2017 18:54:49 |
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  • RE: 2 Nebenjobs + Sozialversicherungsabgaben und Lohnsteuer

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Zunächst zu den Steuerklassen:
    Du hast, wie alle Steuerpflichtigen, einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro + 1.000 Euro Werbungskostenpauschale. Erst auf den darüber liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Steuern.
    Dieser Freibetrag wird jedoch nur auf den zeitlich zuerst aufgenommenen Job angewendet. Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was zu rechrt hohen Abzügen führt. Wenn du bis zum 31. Mai des Folgejahres eine Einkommenssteuererklärung einreichst, kannst du zu viel gezahlte Lohnsteuern zurück bekommen. Alternativ kannst du bei deinem zuständigen Finanzamt beantragen einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen. Zudem kannst du auch beantragen die Lohnsteuerklassen durchzutauschen.
    Wie das geht und mehr zu Steuern auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    Nun zur Sozialversicherung:
    Die Einstufung in der Sozialversicherung kommt mir auch ein wenig seltsam vor.
    Generell ist es so, dass bei der Kombination mehrerer Minijobs der Geringfügigkeitsstatus insgesamt nur erhalten bleibt, wenn die Einkommensgrenze von 450 Euro insgesamt nicht überschritten wird. Wird insgesamt mehr verdient, wird die Kombination dieser Jobs als Gesamtheit betrachtet und dann als reguläre Beschäftigung angesehen.
    Für Studierende gibt es dann die Möglichkeit des Werkstudent_innenstatus. Innerhalb dieses müssen lediglich einkommensabhängige Beiträge in der Rentenversicherung (RV) gezahlt werden, solange das Studium im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich gearbeitet wird. Arbeitszeit nachts, am Wochenende sowie in der vorlesungsfreien Zeit wird nicht betrachtet, solange damit nicht in mehr als 26 Wochen innerhalb eines Jahres über 20 Stunden gearbeitet wird. Mehr dazu hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi
    Der Werkstudent_innenstatus könnte also bei Wegfall des Minijobstatus angewedent werden.

    Wenn dir in deinem ersten Job keinerlei Sozialversicherungsabgaben abgezogen werden und es sich nicht um eine kurzfristige Beschäftigung handelt, kann es eigentlich nur ein Minijob sein, in dem du dich von den Beiträgen zur RV befreien lassen hast. Das kommt mir aber in Kombination mit der weiteren Beschäftigung seltsam vor.
    Wenn dir in deinem zweiten Job Abgaben für alle Sozialversicherungszweige abgezogen werden, so bist du eigentlich als regulärer und somit eben sozialversicherungspflichtiger Beschäftiger angestellt. Du erwirbst damit entsprechende Ansprüche, zahlst aber halt auch die entsprechenden Beiträge (die andere Hälfte die Arbeitgeber_innen).
    Sprich deine Arbeitgeber_innen doch im Zweifelsfall mal auf die Möglichkeit des Werkstudent_innenstatus an. Dazu musst du in jedem Fall eine Immatrikulationsbescheinigung einreichen und auch jedes Semester eine aktuelle nachreichen.

    Die richtige Anmeldung beim Finanzamt und in der Sozialversicherung ist bei abhängiger Beschäftigung die Aufgabe der Arbeitgeber_innen. Du musst ihnen dafür die richtigen Angaben liefern und auch Änderungen mitteilen. Dir kann also eigentlich nichts passieren, wenn du deinen Teil der Pflicht erfüllt hast.
    Ob du in deiner privaten Krankenversicherung ggf noch andere Regelungen hast, kann ich dir nicht sagen, da es sich um einen privatrechtlichen Vetrag handelt.

    Mehr zur Kombination mehrerer Beschäftigungen auch heir: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich auch persönlich in unserem Büro bei dir vor Ort beraten lassen ( https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2k ) oder dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 17.05.2017 15:37:56


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