Deutscher Gewerkschaftsbund

Urlaubssemester, Halbwaisenrente, WHK-Stelle, Praktikum, Honrarbasis und 450€

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich stehe vor folgender Konstellation:

Januar - März: In dem Zeitraum war ich noch regular eingeschriebener Student. Bezog BAföG, Kindergeld, Halbwaisenrente, übte eine einmalige Tätigkeit auf Honorarbasis aus und arbeite seit Februar auf 450€ Basis (hier verdiene ich im Durchschnitt ca. 250€).

Nun wird meine Situation ab April sehr kompliziert: Ab April habe ich eine 25% WHK Stelle (Bezahlt mit TV-L 12 an einem Lehrstuhl, rund 620 Netto), weiterhin übe ich den 450€ Job aus. Darüber hinaus bin ich ab Mai für 3 Monate Praktikant. Das Praktikum wird voraussichtlich mit 300€ vergütet. Ich habe hier die Option es auch auf 50% Teilzeit zu machen.

Nun ergeben sich in der Situation für mich folgende Fragen:

-Als was zählt die WHK-Stelle?

- Krankenkasse: Bin ich in der Konstellation weiterhin als Halbwaisenrentner versichert oder werde ich versichert wegen "Versicherungspflicht nach anderen gesetzlichen Vorschriften (zum Beispiel aufgrund einer Beschäftigung " (Zit. nach R0815 Merkblatt KVdR)?

-Lohnt sich der Nebenjob überhaupt in meiner Situation oder kommen durch die quasi 2 Nebenjobs Mehrkosten auf mich zu? Oder generell gefragt: Mit welchen Abzügen aus der Sozialversicherung muss ich rechnen?

-Wie läuft das ganze Steuerlich ab?

-Zudem habe ich folgende Optionen: Praktikum 50% oder 100%, Nebenjob behalten oder kündigen.

-Wenn ich erneut auf Honorarbasis arbeiten würde in diesem Jahr. Muss ich dabei bzgl. der o.g. Punkte irgendetwas beachten? Ich habe das Angebot noch einmal einmalig 300€ oder 600€ zu verdienen.

Ich habe einfach komplett den Durchblick verloren und würde mich sehr über Ihre Hilfe freuen!!

Mit freundlichem Gruß

Dennis

Dennis: 10.04.2017 10:43:56 |
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  • RE: Urlaubssemester, Halbwaisenrente, WHK-Stelle, Praktikum, Honrarbasis und 450€

    Hallo,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    - Die WHK Stelle ist eine reguläre (Teilzeit-) Beschäftigung. Dementsprechend werden auch in allen Zweigen der Sozialverischerung einkommensabhängige Beiträge fällig. Bis zu einem Einkommen von 850 Euro wird nicht gleich dein gesamtes Einkommen zu Berechnung heran gezogen, sondern nur ein bestimmter Teil, auf den dann die prozentualen Beiträge fällig werden. Wie groß dieser Anteil ist, kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhb

    Ich gehe aufgrund deiner einleitenden Ausführungen mal davon aus, dass du nicht mehr eingeschrieben bist. Falls du es doch noch bist und hauptsächlich studierst, werden die Regelungen des Werkstudent_innenstatus relevant. Demnach werden nur einkommensabhängige Beiträge in der Rentenversicherung fällig, solange das Studium im Vordergrund steht. Davon wird ausgegangen, wenn du regelmäßig nicht mehr als 20 Stunden / Woche während der Vorlesungszeit arbeitest. Es zählt dabei die gesamte Arbeitszeit aus allen Jobs (also auch Minjobs oder selbstständige Tätigkeiten), wobei diese jeweils einzeln in der Sozialversicherung betrachtet werden (Minijob bspw. weiterhin nach den Regeln für Minijobs).
    Mehr dazu auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhi

    - Da deine WHK-Stelle die Grenzen des Minijobstatus überschreitet, müsstest du meinem Verständnis nach als Arbeitnehmer_in versichert werden. Du zahlst dann paritätisch mit deinen Arbeitgeber_innen in alle Zweige der Sozialversicherung ein und erwirbst natürlich auch entsprechende Ansprüche.

    - Davon ausgehend, dass du nicht mehr immatrikuliert bist, werden aus dem Einkommen der WHK-Stelle Beiträge in allen Zweigen der Sozialversicherung fällig (s.o.). Neben einer regulären (Teilzeit-) Beschäftigung ist auch eine Beschäftigung im Minijobstatus möglich. Für den Minijob werden dann weiterhin nur 3,7 Prozent für die Rentenversicherung fällig. Würdest du noch einen weiteren Minijob aufnehmen, so würde dieser mit der regulären Beschäftigung als ein gemeinsames Arbeitsverhältnis in der Sozialversicherung betrachtet werden. Nur der zeitlich zuerst aufgenommene Minijob bleibt dann weiterhin Minijob.
    Letzteres ist vor allem für die Frage des zusätlichen Praktikums relevant: Wenn es kein in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum ist, wird dieses in der Sozialversicherung wie andere Arbeitsverhältnisse behandelt. Wenn es auf drei Monate befristet werden soll, bietet es sich an dieses als kurzfristige Beschäftigung anzumelden. Denn eine kurzfristige Beschäftigung kann parallel zu einem Minijob und regulärer Beschäftigung ausgeübt werden, wobei die kurzfristige Beschäftigung komplett sozialversicherungsfrei ist. Mehr dazu auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhU

    - Bei den Steuern gibt es für Studierende keine Sonderregelungen. Es gibt für alle einen jährlichen Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro. Dein Einkommen aus abhängiger Beschäftigung kannst du zudem um 1.000 Euro Werbungskostenpauschale bereinigen. Erst für den darüber liegenden Teil deines Einkommens zahlst du Einkommenssteuern entsprechend deiner Steuerklasse.
    Ein zweiter/dritter/weiterer Job wird immer in der Lohnsteuerklasse VI angemeldet, was recht hohe Abzüge mit sich bringt. Diese kannst du mit einer Einkommenssteuererklärung zurück bekommen, wenn du unterhalb des o.g. Freibetrages geblieben bist. Alternativ besteht auch die Möglichkeit einen Teil deines Freibetrages auf den weiteren Job zu übertragen oder zu beantragen, dass die Lohnsteuerklasse VI auf den anderen Job angewendet wird.
    Bei Minijobs gibt es zudem die Möglichkeit, nicht über die Steuer-ID zu arbeiten. Stattdessen wird eine Steuerpauschale in Höhe von zwei Prozent deines Einkommens gezahlt. Diese Pauschale wird üblicherweise von den Arbeitgeber_innen gezahlt.
    Das bedeutet: Verdienst du durch einen (oder mehrere) Job(s) mehr als den Steuerfreibetrag, kannst du zusätzlich dazu noch Einkommen aus einem (oder mehreren) pauschal versteuerten Minijob(s) beziehen, ohne dass Lohnsteuer über die Steuer-ID eingezogen wird. Du erhältst dein Einkommen aus dem Minijob dann gefühlt steuerfrei. Wenn im Arbeitsvertrag klar vom Bruttoeinkommen die Rede ist, kann dir die Pauschale vom Lohn abgezogen werden. Dieses Geld kannst dann Du auch nicht am Jahresende mit einer Steuererklärung zurückholen. Du solltest dir also ausrechnen, ob sich das für dich lohnt.
    Mehr zu Steuern und wie das mit dem Übertragen des Freibetrages geht, auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​studium/​dein-job/​steuern

    - Du kannst grundsätzlich neben einer abhängigen Beschäftigung auch selbstständig tätig sein. Bei selbstständigen Beschäftigungen gelten die gleichen Geringfügigkeitsrichtlinien, wie bei abhängigen Beschäftigungen. Dementsprechend werden keine Sozialversicherungsabgaben fällig, wenn du maximal 70 Tage im Jahr selbstständig tätig bist oder max 450 Euro im Monat verdienst.
    Falls du doch noch immatrikuliert bist: Die Arbeitszeit aus einer selbstständigen Beschäftigung zählt bei der 20-Stunden-Grenze im Werkstudent_innenstatus mit hinein.
    Zur Abgabe einer Steuererklärung bist du bereits verpflichtet, wenn dein Gewinn aus selbstständiger Tätigkeit neben abhängiger Beschäftigung über 410€/Jahr liegt.
    Allgemeine Infos zur Selbstständigkeit (und speziell zu deinen Pflichten bei den Steuern und der Sozialversicherung) findest du auch in unserer Broschüre und auf unseren Seiten: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf

    Beachte bei der Kombination von mehreren Beschäftigung, dass du verpflichtet bist den anderen Arbeitgeber_innen jeweils entsprechend über die neuen Arbeitsverhältnisse aufzuklären. Nur so können diese dich richtig in der Sozialverischerung und beim Finanzamt anmelden, was deren Pflicht ist. Auch ist eine Arbeitszeit von mehr als 10 Stunden täglich (auch bei mehreren Jobs) bzw. 8 Stunden im Durchschnitt nicht erlaubt. Mehr auch hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XhB

    Ich hoffe, dass ich nun etwas Klarheit bringen konnte. Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich gerne wieder an uns wenden.

    Beste Grüße

    Matthias
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 18.04.2017 14:19:41


  • RE: Urlaubssemester, Halbwaisenrente, WHK-Stelle, Praktikum, Honrarbasis und 450€

    Guten Tag Matthias,

    recht herzlichen Dank für die Informationen!

    Soweit hab ich jetzt glaube ich alles (endlich) verstanden.

    Eine Frage ist jedoch für mich noch offen: Werden bei dem Steuerfreibetrag von 8.820 € Jobs aus selbst- und nichtselbstständiger Tätigkeit zusammengerechnet oder werden die Einnahmen aus selbstständiger Tätigkeit irgendwie separat gerechnet?

    Mit freundlichem Gruß

    Dennis G.

    Dennis: 19.04.2017 10:56:07


  • RE: Urlaubssemester, Halbwaisenrente, WHK-Stelle, Praktikum, Honrarbasis und 450€

    Hallo Dennis,

    der Steuergrundfreibetrag von 8820€/Jahr gilt für dein gesamtes steuerpflichtiges Einkommen, also für Einkommen aus selbst- und nichtselbstständiger Tätigkeit zusammen sowie ggf. auch andere Einnahmen, wie Zinsen o.ä..

    Ausführlicheres zum Thema Steuern kannst du hier nachlesen: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​inb

    Mit besten Grüßen
    Andrea
    students at work

    S@W: 26.04.2017 13:51:32


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