Deutscher Gewerkschaftsbund

Honorarbasis oder Festanstellung

Liebes Team,
ich arbeite ab den letzten Monat für einen Träger der Unterricht für Geflüchtete Kinder anbietet.
Bisher habe ich immer auf Honorarbasis gearbeitet,
jetzt wurde mir jedoch angeboten dort fest angestellt zu werden.
Jedoch weiß ich nicht ob, dass besser ist.
Bei der Honorartätigkeit würde ich ca. 1780 Euro monatlich verdienen, (ohne Abgaben) bei der Festanstellung wäre mein Nettogehalt bei 1050 Brutto bei 1400. Zurzeit bekomm ich außerdem auch noch Bafög in Höhe von 750 bis Ende September, die neue Tätigkeit wollte ich dem Amt ab der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags melden.
Ich bin ja zurzeit noch studentisch Versichert und
werde mich wahrscheinlich auch für nächstes Semester noch einmal einschreiben, lohnt es sich dann eher die Honorartätigkeit einzugehen?

Vielleicht könnt ihr mir ja ein paar Tipps geben wo ich all das nachgucken kann.

Liebe Grüße,
Lena

Lena M.: 07.05.2018 11:35:30 |
Tags:
  • RE: Honorarbasis oder Festanstellung

    Hallo Lena,

    vielen Dank für deine Anfrage.

    Wenn du auf Honorarbasis arbeitest, bist du selbstständig tätig und dementsprechend auch selbst für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung zuständig. Auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen bist du dann selbst verantwortlich (Stichwort Steuererklärung).
    Solange du als nebenberuflich selbstständig eingestuft wirst, kannst du dich während des Studiums studentisch krankenversichern. Wirst du aber als hauptberuflich selbstständig eingestuft, musst du dich als Selbstständige krankenversichern (ca. 400€/Monat). https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQz

    Hast du dich denn korrekt angemeldet? Bei einem Honorar von 1780€/Monat müsste nämlich einiges an Abgaben für dich anfallen. So sind z.B. freiberuflich ausgeübte unterrichtende Tätigkeiten rentenversicherungspflichtig mit 18,6% - die du als Selbstständige allein zahlen musst. Auch Einkommenssteuer dürfte anfallen. Der Steuergrundfreibetrag beträgt 9000€/Jahr (plus ggf. 1000€ Werbungskostenpauschale bei abhängiger Beschäftigung). Wenn du mehr verdienst, wird Einkommenssteuer fällig. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​XQM
    Bei selbstständiger Tätigkeit ist dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.

    Beachte, dass für dich als Selbstständige die üblichen Arbeitnehmer_innenrechte wie Kündigungsschutz, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlten Urlaub nicht gelten. Auch für deine soziale Absicherung (z.B. bei Auftragsflaute) bist du dann selbst verantwortlich. Deshalb empfehlen wir, bei Honorarverhandlungen für selbstständige Tätigkeiten mind. das Doppelte dessen zu veranschlagen, was du in einer vergleichbaren Angestelltentätigkeit für einen angemessenen Stundenlohn hältst.

    Ausführlicheres zum Thema Selbstständigkeit findest du hier: https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xgf sowie in unserer Broschüre „Selbstständigkeit und Studium“ https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​pyC

    Wenn du fest angestellt bist, musst du dich um all das nicht kümmern. Dann ist dein_e Arbeitgeber_in für deine korrekte Anmeldung beim Finanzamt und der Sozialversicherung und auch für das Abführen von Steuern und SV-Beiträgen verantwortlich. Und die Rentenversicherung wird zudem paritätisch mit je 9,3% von dir und deine_r/m Arbeitgeber_in bezahlt.
    Außerdem profitierst du von den dann geltenden Arbeitnehmer_innerechten, wie der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und an Feiertagen oder bezahltem Urlaub.

    Egal ob Honorarbasis oder angestellt, mitteilen musst du dein Einkommen dem BAföG-Amt in beiden Fällen.
    Der Einkommensfreibetrag beim BAföG beträgt 290€/Monat. Da du von deinem Einkommen aber noch eine Sozialpauschale geltend machen kannst sowie ggf. Werbungskosten für abhängige Beschäftigung, kannst du insgesamt bis zu 5400€/Jahr in abhängiger Beschäftigung anrechenfrei hinzuverdienen. Bei Selbstsändigkeit sind es nur ca. 4400€/Jahr, da du dort die Werbungskostenpauschale nicht geltend machen kannst. Dafür ist hier nur dein Gewinn (Einnahmen minus Betriebsausgaben) relevant.
    Bei Schwankungen ist dein Einkommen im gesamten Bewilligungszeitraum ausschlaggebend. Wenn du über den Freibetrag kommst, heißt das nicht, dass dein BAföG automatisch komplett entfällt, aber, dass dein Auszahlbetrag entsprechend gekürzt wird (dafür dementsperchend aber auch weniger Schulden entstehen). Je nachdem, wie hoch dein Gewinn bisher war, kann es ggf. aber auch zum kompletten Verlust deines BAföGs (schlimmstenfalls mit Rückforderung deiner bisher erhaltenen Zahlungen) kommen. https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​Xhj

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du dich persönlich in einem unserer Büros in deiner Nähe beraten lassen https:/​/​jugend.dgb.de/​-/​X2y oder dich auch gerne wieder an uns wenden. Auch die ASten bzw. RefRat der großen Berliner Unis bieten gute BAföG-Beratungen an.

    Beste Grüße
    Andrea
    students at work

    Dies ist ein Service deiner Gewerkschaft, bitte empfiehl uns weiter und like uns auf Facebook! https:/​/​www.facebook.com/​dgb.studentsatwork

    S@W: 14.05.2018 15:30:51


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